Landwirtschafts-Branche bringt Film über Hähnchenaufzucht heraus / Vorführungen auch während der LandTageNord

„Jeder muss sich selbst ein Bild machen“

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Hinrich Naber (7), Sohn der LEB-Kreisvorsitzenden Andrea Naber, ist im Film der Hauptdarsteller.

Landkreis - Von Jan Schmidt - Tierquälerei oder moderne Landwirtschaft? Kaum ein Thema wird derzeit heftiger und emotionaler diskutiert als die Geflügelaufzucht und -schlachterei.

Ob Berichte über zusammengepferchte Puten, Antibiotika-Hähnchen oder Dioxin-Eier – die Branche genießt einen denkbar schlechten Ruf. Völlig zu Unrecht, wie ihre Verfechter immer wieder betonen. Die Tierhaltung habe sich im Laufe der Jahre stark verändert. Eine größere Nachfrage nach Fleisch bringe auch größere Dimensionen in der Herstellung mit sich. Von Tierquälerei könne jedoch keine Rede sein.

Wie aber wird das Hähnchen zum Nugget und landet dann in der Pfanne? Die meisten Verbraucher hätten sowohl von der Aufzucht als auch von der Schlachtung des Geflügels keine realen Vorstellungen, behaupten die Landwirte. Einzige Informationsquelle seien häufig die „Horror-Berichte“ in den Medien, angefeuert von zweifelhaften Tierschutzorganisationen.

„Wir wollen deshalb zur Aufklärung beitragen“, sagt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg. Gemeinsam mit dem Kreislandfrauenverband, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) habe man sich an den Filmemacher Martin Hermann aus Sulingen (Landkreis Diepholz) gewandt. Zwei Monate dauerten die Dreharbeiten – herausgekommen ist ein 15-minütiger „Aufklärungsfilm“ mit dem Titel „Zum Reinbeißen – Hähnchen-Nuggets“. Der neue Streifen soll den Weg eines Kükens zeigen, vom Schlüpfen über die Zeit in einem „Großstall“ bis hin zur Schlachtung und Lieferung an einen Verbrauchermarkt. Die Hauptrolle spielt – wie schon in dem Film „Vom Korn zum Brot“ – Hinrich Naber (7), Sohn der LEB-Kreisvorsitzenden Andrea Naber.

„Wo kommen die Nuggets eigentlich her?“, will Hinrich wissen, während seine Mutter am Herd steht. „Die kommen aus dem Stall“, antwortet Andrea Naber wahrheitsgemäß. Mutter und Sohn beschließen daraufhin, sich die Produktion der Nuggets etwas genauer anzuschauen.

„Die Filmaufnahmen sind bei verschiedenen Unternehmen in der Region entstanden“, erläuterte Bernhard Wolff während einer Pressekonferenz. Für die Dreharbeiten sei nur wenig Zeit zur Verfügung gewesen. „Deshalb haben wir in mehreren Ställen gefilmt. So mussten wir nicht warten, bis die Küken groß werden.“

In der ersten Szene besucht Hinrich eine Brüterei. Dort verschafft er sich einen Eindruck davon, wie sogenannte Schlupfeier maschinell ausgebrütet werden. Nachdem die kleinen Vögel geschlüpft sind, werden sie in ihr neues „Zuhause“ – einen 80 bis 100 Meter langen Stall – gebracht. „40 000 Hähnchen sollen hier gesund aufwachsen“, erklärt eine freundliche Erzählstimme.

Es folgen einige Informationen über Hygienevorschriften und die Aufzuchtbedingungen im Stall. 34 Grad beträgt die Temperatur, die Wassertränken lassen sich je nach Größe der Tiere verstellen. Von „modernster Technik“ ist die Rede, als Hinrich sich die Computer anschaut, mit denen beispielsweise die Lüftung bedient oder die Fütterung gesteuert wird.

Immer wieder fängt die Kamera kleine Küken ein, später werden auch die ausgewachsenen Tiere in Nahaufnahmen gezeigt. „Man sieht, dass es den Hähnchen gut geht“, sagt der Sprecher in gemütlichem Ton. „Trotz der großen Menge, hat jedes Tier genügend Platz im Stall.“ Begleitet werden die Szenen von munterer Country-Musik.

Hauptdarsteller Hinrich besucht schließlich noch eine Geflügelschlachterei. Die Hähnchen, das weiß der Siebenjährige, können nicht ewig in einem Stall leben – irgendwann müssen sie zum Schlachter. „Alle Teile der Hähnchen werden dort verarbeitet“, erläutert die Stimme im Film. Der Schlachtvorgang selbst wird nicht gezeigt. „Wir haben das überlegt, uns aber dagegen entschieden, weil wir den Film an jüngere Zuschauer richten wollten“, so Wolff. Dennoch ist zu sehen, wie die bereits toten Tiere sauber zerlegt werden.

„Jetzt, da er weiß, wo die Nuggets entstehen und herkommen, schmeckt es Hinrich doppelt so gut“, heißt es zum Abschluss im Film.

Geplant ist offenbar, den Streifen während der LandTageNord-Messe (24. bis 27. August) in Wüsting zu zeigen. Im „Grünen Zentrum“ steht in diesem Jahr das Thema Geflügel im Mittelpunkt. Sobald der Film seinen letzten Feinschliff bekommen hat und er als DVD herausgebracht wird, soll er als Unterrichtsmaterial den Schulen im Landkreis zur Verfügung gestellt werden. Infolge dessen könnten auch Stallbesichtigungen für Schüler organisiert werden, um bessere Aufklärung zu leisten, so Wolff. „Von der modernen Tierhaltung muss sich jeder am besten selbst ein Bild machen.“

Filmemacher Hermann hat dies bereits getan: „Vor den Aufnahmen hatte ich mich mit dem Thema nie beschäftigt“, sagte er. „Im Nachhinein kann ich die Diskussion nicht verstehen. Tierhaltung ist nun mal so. Aus meiner Sicht gibt es nichts zu beanstanden.“

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