Jäger helfen ehrenamtlich

Jagd auf Nutrias: Ein Kampf mit Hürden

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Sie fressen die Ufervegetation und graben sich tief in die Deiche: Nutrias.

Nutrias breiten sich weiter im Landkreis Oldenburg aus. Doch immer wieder werden aufgestellte Fallen zerstört oder ins Wasser geworfen. Das erschwert die Arbeit der ehrenamtlichen Jäger, die für die Eindämmung der invasiven Art zuständig sind. Das Land hat nun zusätzliche Fallen finanziert.

Landkreis Oldenburg – Mit einem Drahtseil oder einem Bodenanker sichert Enno Kuhlmann die Nutria-Fallen, die er in seinem Jagdrevier in Hundsmühlen (Gemeinde Wardenburg) am Huntedeich betreut. Doch trotzdem komme es vor, dass das Fanggerät weggerückt oder von Menschen ausgelöst werde. Das passiere vor allem dort, wo viele Leute unterwegs seien, berichtet der Jäger, etwa in Parks oder an bestimmten Uferstellen. Zweimal habe er zudem erlebt, dass eine Falle kaputtgetreten worden sei. Bei Anschaffungskosten von um die 400 Euro keine Kleinigkeit – doch eine Anzeige sei aussichtslos, sagt Kuhlmann.

Er hat nicht nur privat, sondern auch beruflich mit Nutrias zu tun: Der Verbandstechniker ist bei der Hunte-Wasseracht für deren Bekämpfung zuständig. Unter anderem gibt er Fallen an Jäger aus. Die Bestände würden knapp, sagt Kuhlmann. Von den Rohrfallen, die einem Landkreisbeschluss zufolge seit Mai die einzigen Fanggeräte sind, die in geschützten Gebieten an Hunte und Lethe erlaubt sind, hat er derzeit keine einzige mehr. Die Drahtkäfigvariante darf in diesen Bereichen nicht aufgestellt werden.

Auch Friedrich Hollmann, Kreisjägermeister des Landkreises Oldenburg, hat bereits mehrfach davon gehört, dass Fallen zerstört oder ins Wasser geworfen werden. „Das ist ein Übel“, kommentiert er. Dass die Nutrias überhaupt – im Gegensatz zu Bisams – von Jägern erlegt werden müssen, habe gute Gründe: „Wenn ich sie nicht im Jagdrecht habe, wie soll dann ein Fänger diese Tiere, ohne dass es leiden muss, töten? Das kann ich nur mit einer Schusswaffe machen.“ Nutrias wiegen zwischen acht und zehn Kilogramm.

Jäger kümmern sich ehrenamtlich um die Bekämpfung

Zugleich erwächst aus der Tatsache, dass ausschließlich Personen mit Jagdschein für die Eingrenzung der invasiven Art sorgen dürfen, laut Hollmann eine gewisse Krux: „Da steckt ein bisschen die Problematik drin, dass wir das ehrenamtlich machen.“ Über die Pacht für die Reviere, die Jagdsteuer und die -abgabe zahlten die Jäger in gewissem Sinne sogar dafür.

Auch wenn die Aufgabe damit Teil einer Freizeitbeschäftigung ist, gebe es einen „sehr, sehr ernsten Grund dafür, dass wir Nutrias bejagen müssen“, sagt Hollmann: der Schutz vor Hochwasser. Aber auch der Erhalt der Biodiversität sei ein wichtiger Grund, gegen die Tiere vorzugehen, erläutert Heiko Fritz, Koordinator für die Bisambekämpfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie fräßen viele der am Ufer wachsenden Pflanzen und zerstörten so Lebensräume für andere Spezies.

Fritz ist derzeit damit beschäftigt, 750 neue Fallen, die das Land finanziert hat, an die Kreise zu verteilen. Für den hiesigen sind zunächst 20 Stück vorgesehen, mehr sollen in zwei weiteren Chargen bis März ausgeliefert werden. Ihm sei bewusst, dass die Geräte allein nicht ausreichten, sondern auch Menschen nötig sind, die diese kontrollieren. „Das ist echte Arbeit.“ Um den Jägern diese Aufgabe zu erleichtern, seien die Fangrohre nun mit einem Meldesystem ausgestattet, das auf dem Handy Alarm geben soll, sobald ein Nutria in der Falle sitzt.

Das sei zwar eine Hilfe, doch nichtsdestotrotz müsse ein Jäger pro Kontrolle mit einer Stunde Arbeit rechnen, sagt Kuhlmann. Neben der Anfahrt dauere es auch eine Weile, das Tier aus dem Rohr zu bugsieren, es zu erschießen und den Kadaver fachgerecht zu entsorgen. Eine Möglichkeit sei, ihn einen halben Meter tief im Revier zu vergraben. Eine andere Option ist die Ablage in entsprechenden Containern, die bei bestimmten Mengen auch kostenpflichtig sein könne.

Verdreifachung der Jagdzahlen seit 2015/16

Hinzu kommt, dass die Akkus der Melder stets aufgeladen sein müssen, damit das System funktioniert. 20 neue Fallen für den Landkreis hält Kuhlmann für „einen Tropfen auf dem heißen Stein“. Er hatte im Mai während einer Sitzung des Umweltausschusses geschätzt, dass für die Abdeckung aller gefährdeten Bereiche 100 Fallen benötigt würden.

Dass sich die Nutrias trotz der Bejagung weiter ausbreiteten, macht auch Koordinator Fritz Sorgen. Laut Landesjagdbericht sind 2018/19 gut 32.000 Tiere erlegt worden – dreimal so viele wie 2015/16. „Nur mit der Flinte können wir da wenig ausrichten“, sagt er. Deshalb seien die Fallen wichtig. Und Kuhlmann betont: „Alleine können wir das Problem Nutria nicht lösen. Da muss die Bevölkerung dringend mitspielen.“

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