Projekt „Bildung für alle“ in Oldenburg erfolgreich

Integration über Beziehungsarbeit

Oldenburg - OLDENBURG (cs) · Zwar gebe es in Oldenburg kein „Integrationsproblem“, sagte Oberbürgermeister Gerd Schwandner während der Konferenz der Integrationsbeauftragten in Oldenburg. Aber immerhin hätten 30 Prozent der Säuglinge in der Stadt einen Migrationshintergrund. „Das sind keine alarmierenden Zahlen, weil sie nichts Negatives bedeuten“, meinte Schwandner. Trotzdem müsse konsequent gehandelt werden, um diese Kinder zu integrieren. Bildung muss vermittelt werden – dieses Ziel hat auch das Projekt „Bildung für alle“.

Gemeinsam koordinieren Ayça Polat, Integrationsbeauftragte der Stadt, Gabriela Kaboth-Freytag von der städtischen Freiwilligen-Agentur „ehrensache“ und Yasemin Kocatas von der Volkshochschule Oldenburg 38 Bildungspaten. 17 neue kommen bald dazu: Sie werden seit der vergangenen Woche ausgebildet.

Die Ehrenamtlichen helfen Grundschülern bei den Hausaufgaben oder geben Nachhilfe. Auch ins Museum, in die Bibliothek oder in den Zoo gehen sie mit ihnen. „Am Sonntag hatten wir 64 Freikarten für den ‚Circus Roncalli“, berichtet Kaboth-Freytag von einer der Aktionen.

Die Bildungspatenschaften, die die ersten Ehrenamtlichen im Februar 2009 übernommen hatten, laufen zum großen Teil noch. „Die Patenschaft dauert mindestens ein halbes Jahr“, so Kaboth-Freytag. Oft aber länger: Nur ein Bruchteil von ihnen sei bisher ausgelaufen. „Es geht in erster Linie darum, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern“, meint die Koordinatorin. „Das ist ein guter Ansatz, um auf die Schnelle zu helfen. Über Beziehungsarbeit erfolgt die Integration am schnellsten.“

Langfristig aber, so Kaboth-Freytag, müssten grundsätzliche Strukturen geändert werden. „In Schulen muss es mehr hauptamtliche Arbeitskräfte mit interkulturellen Fähigkeiten geben“, fordert sie. Auch muttersprachlicher Unterricht zur Sprachförderung solle angeboten werden. Ansetzen müsse man aber bereits im Kindergartenbereich, „mit gut geschultem Personal, möglichst mit eigenem Migrationshintergrund“, so Kaboth-Freytag. „Dazu bedarf es aber natürlich einer finanziellen Grundlage und der entsprechenden Ratsbeschlüsse.“ Auch die Frage, „ob wir nicht im Schulsystem etwas verändern müssen“, werfe sich auf. Das habe sie auch aus der Konferenz der Integrationsbeauftragten mitgenommen, berichtet Kaboth-Freytag.

Kurzfristig aber will sie mit dem Bildungspaten-Projekt helfen – das auch bei den Eltern gut ankommt. Beauftragte an den Schulen schlagen Kinder für das Projekt vor. Dann folgen Gespräche zwischen Schule, Eltern und den drei Projektkoordinatorinnen. „Die Eltern dafür zu gewinnen, ist wichtig. Sie müssen in persönlichen Gesprächen gut und gründlich über die Chancen der Patenschaft informiert werden“, betont Kaboth-Freytag. Höchstens fünf Prozent der angesprochenen Väter und Mütter würden die Projektteilnahme ablehnen, berichtet sie. Aber zunächst müssten teilweise Missverständnisse ausgeräumt werden, die auch auf Sprachbarrieren zurückzuführen seien. „Wir müssen uns viel Mühe geben, zu erklären.“

Es müssen aber nicht Kinder mit Migrationshintergrund sein, die betreut werden. „Schließlich heißt das Projekt ‚Bildung für alle‘“. Auch deutsche Kinder mit ähnlichen Problemen – meist sind die Betroffenen im Unterricht sehr zurückhaltend – können in das Projekt aufgenommen werden. Gemischt ist auch die Struktur der Paten. „Es sind viele Lehramtsstudenten dabei, die so Praxiserfahrung bekommen.“ Aber auch Berufstätige, Pensionäre und Rentner machten mit. „Es ist eine schöne bunte Mischung.“ Eine Art große Geschwister, Tanten, Onkel oder Großeltern seien die Paten. Nur eines wünscht sich Kaboth-Freytag noch: Dass sich mehr Menschen mit Migrationshintergrund engagieren. „Voraussetzung ist aber die gute eigene Integration.“

Wer sich für das Projekt interessiert, bekommt weitere Informationen im Internet unter http://www.oldenburg.de auf den Seiten der Integrationsbeauftragten.

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