IHK: „Keine durchdachten Konzepte“

Insolvenzen: Höhepunkt ist erreicht

Oldenburg - OLDENBURG (dn) · Die Konjunktur scheint vielerorts wieder anzuspringen, doch bei einigen Unternehmen ist die Lage nach wie vor dramatisch. Wie die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) gestern mitteilte, ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2010 um etwa ein Drittel gestiegen – der vorläufige Höhepunkt der Insolvenzwelle.

Insgesamt meldeten im ersten Halbjahr 235 Unternehmen der Region Zahlungsunfähigkeit bei den Amtsgerichten an, das waren 58 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „In der jüngsten Insolvenzstatistik spiegeln sich die Nachwehen der Krise wider“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters und flüchtete sich in Zweckoptimismus: „Wir gehen davon aus, dass die Krise damit ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Entwicklung bei den Konjunkturaussichten und den Arbeitsmarktdaten ist positiv.“

Die Lage allerdings ist nach wie vor ernst. Vor allem im Dienstleistungsbereich sieht es finster aus: „40 Prozent der Insolvenzen sind auf diesen Sektor zurückzuführen“, berichtet Peters und nennt ernüchternde Zahlen. Insgesamt meldeten sich 95 Dienstleister zahlungsunfähig, im Vorjahr waren es gerade einmal 61. Bei der Suche nach Gründen übt der IHK-Geschäftsführer auch Kritik an den Existenzgründern. „Der hohe Anteil der zahlungsunfähigen Dienstleister erklärt sich aus den hohen Existenzgründungszahlen in diesem Bereich“, so Peters. Über 71 Prozent der Existenzgründer, die sich von der IHK beraten lassen, wollen im Servicebereich gründen. Doch der Pioniergeist stehe selten Pate bei der Gründungsabsicht. Die meisten starteten wegen drohender Erwerbslosigkeit und brächten nur wenig Eigenkapital mit. „Generell ist zu beobachten, dass ein Teil der Gründer keine durchdachten Konzepte vorlegen kann“, so Peters. Viele Gründer hätten nur vage Vorstellungen von ihrer Zielgruppe und könnten nicht erklären, warum Kunden ihr Produkt kaufen sollten.

Doch auch in weiteren Branchen nahmen die Fälle von Zahlungsunfähigkeit im Oldenburger Land zuletzt zu: im Handel von 43 auf 47 Fälle, im Baugewerbe von 34 auf 39, in der Industrie von 16 auf 21, im Sektor Verkehrsgewerbe/Information und Kommunikation von 17 auf 20 sowie im Gastgewerbe von sechs auf 13. Die meisten Firmenpleiten gab es in der Stadt Oldenburg: 61 Betriebe mussten zumachen, mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr.

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