Zum wiederholten Mal im Landkreis: DB sperrt eigenmächtig Bahnübergang

Immer der richtige Partner – oder auch nicht

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Die Fernmeldeanlage wurde von der Deutschen Bahn außer Betrieb gesetzt. ·

Oldenburg - Von Jan SchmidtBOOKHOLZBERG · „Gesperrt! Durchfahrt verboten!“ Seit etwa vier Wochen ist der Bahnübergang „Zur Wolfskammer“ in Ganderkesee gesperrt. Jahrzehntelang konnten Radfahrer und Wanderer an dieser Stelle die Gleise überqueren. Die Deutsche Bahn hat dem nun vorerst einen Riegel vorgeschoben – offenbar auf eigene Faust und ohne Absprache mit der Gemeindeverwaltung. Die Ereignisse in Ganderkesee erinnern stark an ähnlichen Vorfall in der Gemeinde Großenkneten. Dort hatte die Bahn im Oktober vergangenen Jahres ebenfalls einen Übergang „geschlossen“ – von jetzt auf gleich.

Den Behilfs-Übergang in Bookholzberg gibt es schon seit mehreren Generationen. Wer über die Schienen wollte, musste dies stets über eine Fernsprechanlage ankündigen und auf die Freigabe warten. Das klappte immer gut – bis vor einem Monat.

Ratsherr Otto Sackmann war einer der ersten, die den „Vorfall“ bemerkten. „Mehrere Bürger haben mich angerufen. Mir wurde berichtet, dass der Bahnübergang schon seit einer Weile nicht mehr geöffnet sei“, erzählte Sackman gestern am Telefon. Nach kurzer Überlegung habe er sich selber an die Stelle begeben, um sich einen Überblick zu verschaffen.

„Als ich das Hinweisschild las, war ich schon ziemlich perplex. Aber immerhin fand ich darauf eine Telefonnummer.“ Der Bahn-Mitarbeiter, der sich meldete, entpuppte sich jedoch als keine große Hilfe: „Man wollte mir erklären, dass der Bahnübergang aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde“, erinnert sich Sackmann. „Es hieß, die Schließung sei in Absprache mit der Gemeinde Bookholzberg erfolgt.“ In Absprache Mit der Gemeinde Bookholzberg? Dem Bahnsprecher war offenbar entgangen, dass es sich bei der Ortschaft Bookholzberg lediglich um ein Teilstück der Gemeinde Ganderkesee handelt.

Sofort regten sich bei Sackmann Zweifel. Und tatsächlich: Die Gemeindeverwaltung reagierte auf die „Hiobsbotschaft“ völlig überrascht. Von einer Schließung habe man nichts gewusst, geschweige denn dem zugestimmt.

Zur Erinnerung: Auch die Verwaltung in Großenkneten hatte damals feststellen müssen, dass der Bahnübergang „Hahnenkämpe“ plötzlich nicht mehr befahrbar war. Die Reaktion der Deutschen Bahn weist im Nachhinein Parallelen zum Fall in Ganderkesee auf: Es sei doch alles mit der Verwaltung abgesprochen gewesen, hieß es. War es aber nicht, wie sich schnell herausstellte. Nach großer Diskussion, etlichen Telefonaten und schließlich einer „Aussprache“ im Großenkneter Rathaus gab die Bahn den Übergang schließlich wieder frei.

Dies wurde scheinbar auch der Gemeinde Ganderkesee versprochen: „Nach Bekanntwerden der Sache haben wir uns umgehend an die Bahn gewandt“, erläuterte gestern Fachbereichsleiter Peter Meyer. Eine derartige Schließung dürfe überhaupt nicht ohne ein vorheriges Plangenehmigungsverfahren angeordnet werden. Als Träger öffentlicher Belange wäre die Gemeinde in das Verfahren mit einzubeziehen gewesen.

Meyer brauchte nicht lange auf eine Antwort warten: „Man hat uns beruhigt. Der Bahnübergang sei schon wieder frei, hieß es.“

Doch Pustekuchen: Die Anlage ist weiter außer Betrieb. Verwaltungsmitarbeiter, die extra vor Ort nachschauten, fanden nur eine abgeschaltete Meldeanlage und wie gehabt das Warnschild.

„Das geht natürlich nicht“, stellte Meyer fest und kündigte gestern an, sich fortan nur noch an Hauptverantwortliche der Bahn in Hannover zu wenden. Noch am Montag habe ihn der Anruf eines Bahnsprechers erreicht: Wegen der Feiertage sei eine umfassende Prüfung des Falls leider nicht möglich gewesen. „Offenbar waren alle beteiligten Mitarbeiter bis Montag im Urlaub“, knurrte Meyer ziemlich angesäuert.

Wie es scheint, ist auf die Bahn zum wiederholten Mal kein Verlass – dabei lautet doch ein Werbeslogan: „Die Bahn ist immer der richtige Partner für Sie“.

Nachdem es zwischenzeitlich geheißen hatte, der Weg sei wieder frei, war auch Otto Sackmann an den Bahnübergang zurückgekehrt. Dass er dort nur das Warnschild vorfand, überraschte ihn kaum. Vielmehr, so erzählt er, habe er sich um einen Jugendlichen gesorgt. Dieser wollte sich durch das Schild nicht abschrecken lassen: „Wäre ich nicht da gewesen“, vermutet Sackmann, „hätte er mit Sicherheit die Gleise überquert.“

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