Zahlreiche Besucher nutzen das Wochenende für einen Besuch der Agrar- und Freizeitmesse „LandTageNord“

Blökende Schafe und röhrende Maschinen

+
Wie fühlt sich eigentlich ein Schaf an – so ganz ohne Wolle? Schafscherer Hans-Wilhelm Petershagen ermöglichte seinen kleinen und großen Zuschauern eine Tastprobe.

Wüsting - Von Jörg Beumelburg. Nicht nur das Fachpublikum lockte die Messe „LandTageNord“ am Wochenende nach Wüsting. Auch zahlreiche Familien nutzten das schöne Wetter, um gemütlich über das 13 Hektar große Areal zu schlendern. Die Veranstalter hatten ein vielseitiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt: Tiershows, Wettbewerbe, Mitmachaktionen und vieles mehr. Daneben nutzen aber auch viele Vereine und Gemeinden die Möglichkeit, sich und ihre Region zu präsentieren.

Mit dabei war wieder einmal das Landvolk Niedersachsen, das zusammen mit der Landjugend und den Landfrauen, im Gemeinschaftszelt des Grünen Zentrums unter anderem zeigte, wie viel Management heutzutage notwendig ist, um einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Die Gäste schauten dabei aber nicht nur zu, sondern konnten selbst zum Beispiel einen hydraulischen Stuhl ausprobieren.

Neben der Landwirtschaft war aber auch das Thema Tourismus im Fokus der Agrar- und Freizeitmesse. Neun Kommunen aus den Naturparks Dümmer und Wildeshauser Geest hatten sich zusammengetan, um für ihre Angebote in der Region zu werben. Gästeführer standen an den Ständen den Besuchern Rede und Antwort. Vertreter der Gemeinden Ganderkesee, Hude, Hatten und Großenkneten, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO) und der Touristik-Palette Hude beteiligten sich an dem Gemeinschaftsstand und rückten ihre Wirtschaftsstandorte in den Vordergrund.

Erstmals bei der Messe vertreten war das Team der „Kneten goes Baltic“ (KGB) und die Firma „HG-Copter“ aus der Gemeinde Großenkneten. Bei ihnen ging es unter anderem um Film- und Fotoaufnahmen aus luftiger Höhe und um Survival-Angebote mit dem Auto, das erst im vergangenen Jahr entwickelt wurde. „Es ist einfach toll, was für Möglichkeiten wir auf den ‚LandTagen‘ haben, uns der Öffentlichkeit vorzustellen“, sagte Malte Alves vom KGB-Team. „Das Interesse, dass die Menschen ihre Freizeit einmal anders gestalten wollen, beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, fügte er hinzu. Aber auch Dirk Gallenkamp, Mitbegründer von „HG Copter“, war vom Interesse des Publikums überwältigt: „Wir konnten einige interessante Gespräche führen. Der Einsatz mit Drohnen bei Film- und Fotoaufnahmen von oben ist ein Trend, der sehr vielversprechend ist“, sagte er.

Im Trend scheint aber auch die Schafzucht zu sein. Denn in diesem Jahr veranstaltete der Schafzuchtverband Weser-Ems die erste deutsche Meisterschaft der Jungzüchter. So freute sich vor allem die elfjährige Birte aus Achim über eine gute Bewertung ihres Schafs „Biene“. Mit ihm hat das Mädchen bereits an der Niedersachsenmeisterschaft am 18. Juli in Bremerhaven teilgenommen und sich den Titel als Niedersachsenmeisterin gesichert.

Bei der Beurteilung ihres Rauhwolligen Pommerschen Landschafs – die Rasse stammt ursprünglich aus den Küstengebiet der Ostsee – nahmen die Richter die Zähne, die Rückenlinie, das Fundament, die Wolle sowie dessen Farbe genauer unter die Lupe. Auch gestern fieberte Birte der Schafbewertungsschau in Wüsting entgegen, die sogar mit einer schriftlichen Prüfung verbunden war.

Wo so viele Schafe an einem Ort präsentiert werden, lag es nahe, dass auch der Scherer Hans-Wilhelm Petershagen seine Arbeit vorstellte. Denn mindestens einmal pro Jahr müssen die Schafe von ihrer Wolle befreit werden. Weit mehr als 30 Kurzhaarschnitte verpasste er so an den vier Messetagen den Vierbeinern – eine Arbeit im Akkord für Petershagen. Eigentlich arbeitet er als Lasterfahrer. Früher besaß er auch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, von dem er allerdings im Laufe der Jahre nicht mehr leben konnte. Geblieben sind ihm noch Schafe, die er schon immer auf seinem Hof hielt.

„Ich sehe mich eher als Hobby-Schafscherer. Damit kann ich mir noch ein kleines Taschengeld dazu verdienen“, erklärte Petershagen. Und er ist Experte, wie er mit den doch teilweise eigenwilligen Schafen umzugehen hat. „Die Tiere bekommen alle den gleichen Einheitsschnitt“, wandte er sich an das Publikum. „Wenn die Außentemperaturen hoch sind, ist auch das Wollfett flüssiger, dann läuft die Schere besser“, erklärte er.

Und so schaffte Petershagen sein selbst auferlegtes Pensum und das anfallende Vlies fanden vor allem bei den jüngsten Zuschauern reißenden Absatz, denn ein bisschen Wolle dürften die Kleinen auch mit nach Hause nehmen. Während der Schurvorführungen kamen immerhin viereinhalb Kilo zusammen.

Petershagen selbst sieht sich als Schafscherer für Halter, die nur wenige Tiere versorgen müssen. Seine Kollegen, die mit der Schur ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, schaffen mindestens 20 Schafe pro Stunde. „Mir hatte mal ein Profi gesagt, erst wenn ich 10000 Schafe geschoren haben, dann läuft es richtig rund. Doch die habe ich nach all den vielen Jahren längst überschritten“, erzählte er stolz.

Auch gestern zeigte er auf dem Messegelände sein Können. Im Tierzelt stand der Tag ganz im Zeichen der Schafe.

Mehr zum Thema:

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Meistgelesene Artikel

Frontal-Crash: 56-Jähriger lebensgefährlich verletzt

Frontal-Crash: 56-Jähriger lebensgefährlich verletzt

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Eisenbahntragödie forderte 1957 vier Menschenleben

Eisenbahntragödie forderte 1957 vier Menschenleben

Kommentare