Tierzüchter in Sorgen

Wolfsrisse: Kreislandvolk zeigt sich alarmiert

 Pferdezüchter Cim Fenske steht neben einer seiner Stuten und deren Fohlen.
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Landwirt und Pferdezüchter Cim Fenske aus der Gemeinde Wardenburg hat aufgrund einer möglichen Ansiedelung des Wolfs im Landkreis Angst um seine Fohlen.

Landkreis – Die Wiederansiedlung des Wolfs verunsichert die Tierhalter im Landkreis Oldenburg, zeigt sich das hiesige Kreislandvolk alarmiert. „Die Vorfälle in Schönemoor und Benthullen haben zu einem Aufschrei bei unseren Nutztierhaltern geführt“, berichtet Kreislandwirt Detlef Kreye in einer Mitteilung des Verbandes. „Die Angst geht rum, dass die Wölfe sich hier ansiedeln und es zu noch mehr Rissen kommt.“

Damit bezieht er sich auf die Risse von Schafen im April: Dabei waren in Benthullen (Gemeinde Wardenburg) 18 Tiere, ein weiteres in Schönemoor (Gemeinde Ganderkesee) gerissen worden. Die Bestätigung der DNA-Probe stehe noch aus. Auf einer Wildkamera sei der Wolf aber schon gesichtet worden.

Für Milchviehhalterin Jana Eilers aus Schönemoor habe der Vorfall konkrete Folgen, so das Kreislandvolk: „Ich lasse meine jungen Tiere nicht mehr auf die Weide, nur die älteren Rinder können raus.“ Ihr mache vor allem Angst, dass der Riss nur 500 Meter von ihrem Stall entfernt war: „Es ist ein mulmiges Gefühl.“

Züchter in Angst um ihre Tiere

„Der Wolf wird immer den bequemsten Weg bei der Beschaffung seiner Beute wählen. Und das sind unsere Nutztiere, die durch die Einzäunung nicht flüchten können“, ist sich Kreye in der Pressemitteilung sicher. Doch seien nicht nur die Schäfer von der steigenden Wolfspopulation betroffen: Auch Pferde- und Mutterkuhhalter haben Angst, ihre Tiere auf der Weide zu lassen. Landwirt Cim Fenske aus Benthullen-Harbern halte seit dem Vorfall sechs Zuchtstuten mit ihren Fohlen im Stall. „Die kleinen Fohlen sind eine leichte Beute für den Wolf.“ Er hat Angst, dass sich das Raubtier fest in Benthullen ansiedele und vermehrt: „Unsere Pferde sollen auf die Weide. Das ist wichtig für die gesunde Entwicklung der Fohlen“, wird Fenske zitiert. Er halte die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Herdenschutz für nicht ausreichend: „Ein Wolf kann ohne Probleme einen Zaun überwinden. Außerdem, wie würde denn unsere Landschaft aussehen, wenn wir überall zwei Meter hohe Zäune hätten?“ Er betont, dass ein Landwirt, der Tiere verliert, einen erheblichen finanziellen Schaden erleidet, der nicht voll ausgeglichen wird. Die Beantragung einer Entschädigung durch einen Wolfsriss sei ein langer bürokratischer Akt, der oft mehrere Monate dauere. In dieser Zeit seien die Weidetierhalter auf sich alleine gestellt.

Einzelne Wölfe oder Rudel sind wahrscheinlich noch nicht im Kreisgebiet heimisch. Symbolfoto: dpa

Dass der Wolf sich wieder ansiedelt, sei eigentlich ein gutes Zeichen, meint Kreye: „Ein großes Raubtier wie der Wolf kommt nur zurück, wenn der Lebensraum stimmt“, kommentiert er das Auftreten des Rudeltieres. Doch habe sich die Kulturlandschaft aber in den vergangenen Jahrzehnten stetig verändert: „Wir sind ein sehr dicht besiedeltes Land mit vielen Nutztieren. Der Wolf muss lernen, dass er in der Nähe vom Menschen nichts zu suchen hat.“ Und weiter: „Es ist dringend notwendig, dass es eine Regulierung der Wolfspopulation gibt.“

„Anfeindung statt fachlicher Diskussion“

Der Kreislandwirt bemängelt, dass die Diskussion um den Wolf „nicht mehr auf fachlicher Ebene geführt wird, sondern Tierhalter für die Äußerungen ihrer Sorgen angefeindet“ werden. Ein Herdenschutzhund sei teuer und nicht problemlos zu halten. „Weidetierhaltung und eine hohe Wolfspopulation schließen sich gegenseitig aus“, schließt Kreye für sich. „Wir fordern, den Bestand der Wölfe frühzeitig zu regulieren und nicht abzuwarten.“

Noch sei nicht sicher geklärt, ob es sich bei den Rissen tatsächlich um einen oder mehre Wölfe als Verursacher handelt, erläutert Gerhard Frensel auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist einer der vier Wolfsberater für den Landkreis Oldenburg. Die vor Ort genommen Spuren seien zur DNA-Analyse an das Senckenberg-Institut in Gelnhausen (Hessen) weitergeleitet worden. An dem Referenzzentrum werden die Proben ausgewertet. Dies könne aber zwischen drei und fünf Monaten dauern, so der Wolfsberater. Erst dann stehe ein eindeutiges Ergebnis fest. Bis dahin rät er, abzuwarten: „Nervosität hilft da nicht weiter“, sagt Frensel. Seine Aufgabe, und die seiner drei Kollegen, sei es unter anderem, Wolfsbeobachtungen aufzunehmen und an die Wolf-Monitoringstelle der Niedersächsische Landesjägerschaft nach Hannover weiterzuleiten.

„Bislang war der Landkreis relativ ruhig“

Die Zahl der Sichtungen habe mit der steigenden Zahl der Wölfe in Niedersachsen natürlich zugenommen, berichtet Frensel weiter. Eine einfache Beobachtung sei aber noch kein Hinweis für einen ansässigen Wolf, gibt er zu bedenken. Was das angehe, sei der Landkreis Oldenburg – im Vergleich zu anderen Landkreisen – „relativ ruhig“: So sei bisher kreisweit kein stationäres Rudel nachgewiesen. Sollte tatsächlich ein Wolf für die Risse verantwortlich sein, so gehe er zunächst davon aus, dass es sich um ein durchziehendes Tier handele.

Seine Kollegen und er berieten insbesondere Tierhalter dahingehend, wie sie ihre Herden schützen können. Das Land Niedersachsen übernehme die kompletten Materialkosten für eine Einzäunung. Die Halter und Züchter müssten allerdings für die Arbeitskosten aufkommen. Solche Schutzmaßnahmen seien allerdings auch die Voraussetzung dafür, dass das Land die Kosten für gerissene Nutztiere übernehme, so der Experte weiter. Ein einfacher Weidezaun reiche da nicht aus. Für Klein- und Großtiere (etwa Rinder oder Pferde) gelten unterschiedliche Auflagen. Vermehrte Anfragen von Tierhalter habe er im Nachgang der berichteten Risse bislang nicht verzeichnet, sagt Frensel.  fra

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