Verband stellt sich nach Verlust des Rettungsdienstes im Landkreis neu auf

DRK will neue Geschäftsfelder erschließen und alte vertiefen

Der ehrenamtliche DRK-Vorstand, Monika Schreiber, Gerold Sprung und Doris Hanken (von links), sowie der hauptamtliche Geschäftsführer Michael Venzke planen die Zukunft des Kreisverbands Oldenburg-Land ohne den Rettungsdienst. - Foto: bor

Hude/Landkreis - Von Ove Bornholt. Kein Zweifel, der Verlust des Rettungsdienstes hat den DRK-Kreisverband Oldenburg-Land schwer getroffen. „Jetzt gilt es, den Verband nicht nur am Leben zu halten, sondern ihn auch fit für die Zukunft zu machen“, so Vorsitzender Gerold Sprung.

Für die kommenden Jahre haben sich Sprung, die zweite Vorsitzende Monika Schreiber, Kassenwartin Doris Hanken und der hauptamtliche Geschäftsführer Michael Venzke einige Gedanken gemacht, die sie am Freitag in der DRK-Geschäftsstelle in Hude präsentierten. Bestehende Geschäftsfelder und Aktivitäten wie Essen auf Rädern, die Sozialstation, das Seniorenzentrum in Harpstedt, Blutspenden und die Kleiderkammern würden fortgeführt, versicherte die Chef-Etage des Verbands.

Angebote wie den Hausnotruf, den das Kreis-DRK bereits jetzt für 3 500 Kunden in zehn Landkreisen verwaltet, sollen dagegen vertieft werden. Dies sei „aufgrund der stetig alternden Bevölkerung“ ein wichtiger Bereich, sagte Geschäftsführer Venzke. Auch durch bis jetzt noch nicht so intensiv genutzte Technik wie Sensoren, Rauchmelder oder die Ortung übers Handy sieht er dort noch viel Potenzial.

Wie bereits berichtet, soll zudem die Rettungsdienstschule ausgebaut werden. Bisher bildet der Verband pro Jahr rund 200 bis 250 Menschen im Rettungswesen aus und weiter. Dort sei der Schulungsbedarf groß und werde weiter zunehmen, sind sich die DRK-Vertreter sicher.

Zudem soll es perspektivisch in ein bis zwei Jahren Kurse für pflegende Angehörige geben. Die Teilnehmer könnten Tipps und Fortbildungen erhalten, wie sie ihre Liebsten am besten versorgen. Überhaupt hat das DRK die Senioren als Zielgruppe verstärkt auf dem Schirm. So sind auch Schulungs- und Informationsangebote zum Beispiel zu Ernährung und Reisen im Alter in der Überlegung. Auch die Personalknappheit in der Altenpflege reizt offenbar die Fantasie des Verbands. In diesem Bereich gebe es ebenfalls Möglichkeiten, sich zu engagieren, sagte Kassenwartin Hanken.

Ideen, die notwendig sind, denn durch den Verlust des Rettungsdienstes zum 1. Januar fehlen dem Verband mit 2,1 Millionen Euro pro Jahr etwa 50 Prozent seines Umsatzes. Wobei Geschäftsführer Venzke betonte, dass „das vom Gewinn her keinen Unterschied macht“. Was den Rettungsdienst so attraktiv für das DRK macht, sind eher Synergieffekte in der Verwaltung, und auch die Strahlkraft der Rettungswagen mit dem Logo des DRK wird in den kommenden Jahren vermutlich fehlen. Der Landkreis hatte allerdings schon versichert, keine Einwände zu haben, sollte das DRK sich bei der Neuausschreibung des Rettungsdienstes bewerben.

Die Affäre wird den Verband jedoch noch für eine Weile beschäftigen. Durch falsche Abrechnungen ist insgesamt von einem Schaden von rund 250 000 bis 300 000 Euro auszugehen, wobei die Jahre 2011 und 2012 derzeit untersucht werden. Zudem hat die Staatsanwaltschaft ihr Prüfungsverfahren noch nicht beendet. Deswegen kann dem aktuellen Vorstand keine Entlastung erteilt werden.

Vorsitzender Sprung wird die Neuorientierung des Verbands allerdings nicht mehr in verantwortlicher Position erleben. Seine Wahlzeit war schon im April abgelaufen, während der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 19. Oktober, ab 20 Uhr im Airfield Hotel an der Otto-Lilienthal-Straße 23 in Ganderkesee wird er nicht wieder antreten. Schreiber und Hanken bleiben im Amt.

Die Versammlung soll auch über eine Satzungsänderung abstimmen, die Geschäftsführer Venzke mehr Einfluss einräumen würde. Er würde zum hauptamtlichen Vorstand aufrücken, während der aktuelle Vorstand zu einem Präsidium wird und damit eher eine Art Aufsichtsrat bildet.

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