Messe Landtage Nord in Wüsting eröffnet 

Traktoren, Maissilage und Kritik an den Grünen

+
Unter den Besuchern sind von Bauern über Geschäftsleute bis hin zu Familien viele Bevölkerungsgruppen vertreten. Man rechnet mit rund 70 000 Gästen. 

Wüsting - Von Ove Bornholt. Schon während der Begrüßung der Ehrengäste deutete sich am Freitagmorgen in Wüsting an, dass Mitglieder von Bündnis90/Die Grünen während der Eröffnung der Landtage Nord ihr Fett wegkriegen würden. Und als Gastrednerin Gitta Connemann, ihres Zeichens CDU-Bundestagsabgeordnete, die Bühne betrat, kritisierte sie nicht nur die Ökopartei heftig, sondern nahm auch „selbst ernannte Tierrechtsaktivisten“ aufs Korn.

Der Duft von Maissilage und ein Blitzer auf der Hauptstraße in Wüsting begrüßten die Besucher der Landtage. Zwei Eindrücke, die sich Christina-Johanne Schröder, Kandidatin der Grünen für den Bundestag in dem Wahlkreis, zu dem auch der Landkreis Oldenburg gehört, offenbar gespart hat. 

Zwar begrüßte Messe-Geschäftsführer Helmut Urban unter den zahlreichen Ehrengästen – vom Wildeshauser Polizeichef Markus Voth über Bürgermeister bis hin zu diversen Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordneten war viel Prominenz gekommen – auch Schröder, die war aber offensichtlich nicht im Zelt. Achselzuckend blickte Urban vom Redezettel auf und kommentierte trocken: „Ich wurde gebeten, die Begrüßung so zu verlesen.“ 

Dazu hat die Redaktion am Montag folgenden Text von Schröder erhalten: „Im Gegensatz zu wohl den meisten Anwesenden habe ich meine Einladung zu der Eröffnung der Landtage erst am vergangenen Samstag erhalten. Ich stand nicht auf der Liste der Ehrengäste am Einlass. Deswegen musste ich zurück zum Auto, um meine Einladung zu holen und war wenige Minuten verspätet im Festsaal. Zu keinem Zeitpunkt habe ich darum gebeten, begrüßt zu werden, noch hatte ich davon Kenntnis, dass dies vorgesehen ist. Ich gehe davon aus, dass es eine unbedarfte Äußerung von Herrn Urban war und keine bewusster Versuch der Diskreditierung. Ansonsten freue ich mich, dass wir von den Grünen erstmals einen Stand auf den Landtagen haben und ich schon wichtige Gespräche mit Besuchern und Fachpublikum führen konnte.“

Im Anschluss an die Begrüßung nutzte Connemann die Bühne. Die ostfriesische CDU-Abgeordnete beantwortete die selbst gestellte Frage, ob die Landwirtschaft an Attraktivität verliere, mit „Nein, nein, nein!“. Die Ausbildungszahlen seien gestiegen, zudem zitierte sie eine Umfrage, derzufolge Landwirte nach Ärzten und vor Polizisten die beliebteste Berufsgruppe seien. „Die Zahlen sagen: Alles ist wunderbar“, folgerte sie. Dennoch sei die Lage nicht „prima“, verwies sie auf die wirtschaftliche Situation. Milchbauern und Schweinehalter hätten „grausame Zeiten“ hinter sich. Der Einzelhandel habe ausgenutzt, dass der „heimische Markt überquoll“ und die Molkereien „geknebelt“. „Der Handel muss erkennen, dass Bauern faire Preise verdienen“, forderte sie und traf damit den Nerv des Publikums.

Applaus für Kritik 

Auch mit Kritik an „überzogenen und populistischen Auflagen“ für die Landwirtschaft erntete sie Applaus. Dass die CDU/CSU seit zwölf Jahren das Bundeslandwirtschaftsministerium führt, ließ Connemann unerwähnt, um auf die Grünen loszugehen. „Ich bekomme so einen Hals, wenn ich das Wort ,Massentierhaltung‘ höre“, sagte sie und gestikulierte wild. Mit der grünen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt habe sie sich deswegen heftig gestritten. Tierwohl habe mit Massentierhaltung nichts zu tun, jeder neue Stall schaffe mehr Tierwohl, betonte die Ostfriesin.

Richtig in Rage redete sie sich allerdings, als sie auf Fälle von „selbst ernannten Tierrechtsaktivisten“ zu sprechen kam, die in Ställen filmen und dafür einbrechen würden. „Bauernfamilien werden an einen Schandpfahl gestellt“, behauptete die Abgeordnete. Missstände müssten zwar aufgedeckt werden, aber die Kontrollbefugnis liege beim Staat.

Besucher strömen auf das Gelände

Während Connemann im Festzelt gegen die Grünen wetterte, strömten draußen die ersten Besucher auf das Gelände. Bei den mehr als 600 Ausstellern gab es von Autos über Fliegengitter, Kunsthandwerk und Dünger bis hin zu schweren Landmaschinen sowie Boxen für Kälber eine breite Palette an Produkten zu kaufen. Den Regenschirm für den Fall der Fälle am Mann, streiften die Besucher über das 13 Hektar große Gelände, während die Aussteller auf gute Geschäfte hofften. Das ist auch ganz im Sinne von Messe-Geschäftsführer Urban, der bei der 14. Auflage der Veranstaltung unterstrich, „dass in Wüsting nicht nur das Herz der Landwirtschaft schlägt, sondern auch das Leben pulsiert“. Noch bis einschließlich Montag werden rund 70 000 Gäste erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Meistgelesene Artikel

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Kommentare