Heimatforscher schreibt plattdeutsche Erzählung

„Neuer Bremische Unglaube“ führte zum Untergang des Huder Klosters

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Autor Hartwig Ohlenbusch ist sehr heimatverbunden und pflegt das Plattdeutsche.

Hude - Die Münsteraner erlangten im 16. Jahrhundert nicht nur die Herrschaft über Wildeshausen, sondern auch in Hude. Dort zerstörten sie sogar das Kloster, dessen Ruine nun zu den Markenzeichen des Orts zählt.

Der Heimatforscher Hartwig Ohlenbusch hat nun die gut 100 Seiten starke plattdeutsche Erzählung „De nee bremsche Ungloben“ über das Ende der Abtei verfasst. Im Interview berichtet er über die Gründe für die Zerstörung der Anlage, seine Befürchtung, dass die Plattdeutsche Sprache ausstirbt, und gibt einen Einblick in die Zeit der Reformation vor 500 Jahren. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Herr Ohlenbusch, warum ist das Huder Kloster untergegangen?

Hartwig Ohlenbusch: Zunächst einmal war es damals eine Zeit, in der niemand mehr Mönch werden wollte. Der andere Grund war aber auch, dass die Klöster zu sehr viel Wohlstand gekommen waren und über ihre Verhältnisse lebten. Es gibt die alte Klosterregel „Ora et Labora“ (Bete und Arbeite). Aber da hielt sich niemand mehr dran.

Die Abtei war also reich.

Zum Huder Kloster gehörten eine ganze Reihe von Bauernhöfen. Die sogenannten Meierhöfe. Das Kloster war einer der größten Grundherren der gesamten Grafschaft Delmenhorst, die damals zu den Münsteranern gehörte.

Führte das zu Konflikten?

Es handelte sich um die Zeit der Reformation. 1517 hatte der gute Martin Luther die Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen. Und in Bremen hatte man die neue Lehre, man sprach damals noch nicht vom Evangelischen, angenommen. Nun muss man wissen, dass die Münstersche Herrschaft auf der Burg in Delmenhorst ein Amt eingerichtet hatte. Da waren Erzkatholiken. Und die achteten scharf darauf, dass die neue Lehre nicht von Bremen aus in das Delmenhorster Gebiet einsickerte.

Und was hatte das Huder Kloster damit zu tun?

Die Mönche hatten eine Niederlassung in Bremen. Deswegen hielt sich der Abt häufig für längere Zeit in Bremen auf. Und dort ist er überzeugt worden vom neuen Glauben.

Mutig von ihm.

Ausgerechnet ein Klosterabt! Da konnte natürlich die Folge gar nicht ausbleiben, dass er in Konflikt geriet mit den Amtsleuten auf der Burg in Delmenhorst.

Und diese Ereignisse führten schließlich zur Zerstörung des Klosters. Wie sind Sie als Friesländer denn auf das Thema gekommen?

Also, ich bin sehr heimatverbunden. Und alles, was mit Heimat zu tun hat, interessiert mich. Meine Frau und ich hörten vor einigen Jahren von einer Führung beim Kloster Hude. Dann habe ich sie überredet, dass wir uns das mal anhören sollten. Das haben wir nie bereut. Im Gegenteil: Wir hatten eine ausgezeichnete Führerin, sodass ich an dem Thema hängen geblieben bin. Mich interessierte hauptsächlich das Ende des Klosters. Es ist ja sehr groß gewesen, nicht vom Gebäude, sondern vom Vermögen und wegen der vielen Mönche.

Wie lief anschließend Ihre Recherche ab?

Ich hatte ohnehin für die Familienforschung im Staatsarchiv in Oldenburg zu tun. Und dann habe ich nach Unterlagen über das Ende des Klosters gesucht. Ich habe interessante Urkunden gefunden. Was aber noch interessanter war, waren Zeugenaussagen von einem Prozess zwischen der Grafschaft Oldenburg und dem Fürstbistum Münster 30 Jahre nach dem Ende des Klosters. Es ging um Schäden, die unter anderem bei der Zerstörung entstanden sind. Die Oldenburger hatten die Abtei ja gestiftet und dort ihre Grablege gehabt. Sie wollten eine Entschädigung.

Nach ihrer Recherche standen aber erstmal andere Themen auf der Tagesordnung.

Richtig, ich hatte ungefähr ein Jahr geforscht. Dann wurde meine Frau schwer krank, und da war an Forschen überhaupt nicht mehr zu denken. Vergangenes Jahr hörte und las man dann immer häufiger vom Reformations-Jubiläum. Da dachte ich, Donnerwetter, das passt ja auch zu meinem Thema. Deswegen habe ich mich im Herbst hingesetzt und geschrieben. Im Januar war ich fertig. Ich musste beim Verleger einige Pflichtexemplare abnehmen, bin die aber schon los. Die Auflage liegt bei 700. Plattdeutsch kann man nicht so verkaufen wie Hochdeutsch.

Warum haben Sie dann nicht auf Hochdeutsch geschrieben?

Ich bin sehr heimatverbunden. Und da gehört auch das Plattdeutsche dazu. Das habe ich geerbt von meinem Vater. „Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“, das kommt von Goethe. Aber ich muss feststellen, dass das Plattdeutsche immer mehr abnimmt. In Neuenburg wurde ursprünglich nur Platt gesprochen. In der Straße, in der ich wohne, kann ich mich jetzt jedoch nur noch mit zwei Familien auf Platt unterhalten. Es ist abzusehen, dass, wenn unsere Generation mal nicht mehr lebt, nur noch von ganz vereinzelten Leuten Platt gesprochen wird. Es findet zurzeit so eine Art Siechtum statt. Und weil ich das nun noch geerbt habe, fühle ich mich verpflichtet, das Plattdeutsche aufrecht zu erhalten. Dazu gehört auch, auf Plattdeutsch zu schreiben. Dass das nicht gerade kaufmännisch vorteilhaft ist, ist mir vollkommen klar (lacht). Aber in der Beziehung bin ich Idealist.

Behandelt Ihr Buch denn nur das Geschehen in Hude?

Nein, ich wollte auch gerne diese, ich sag jetzt mal, ruppige Zeit darstellen. Dazu gehört auch der Überfall der Münsteraner auf Wildeshausen, als Bürgermeister Lickenberg enthauptet wurde. Das habe ich auch noch mit eingeflochten.

Wie ist der Titel „De nee bremsche Ungloben“ zustande gekommen?

Ein Tuchhändler aus Ganderkesee wurde eingesperrt, weil er den neuen Glauben angenommen hatte, letztendlich konnte man ihm aber nichts anhaben, er wurde freigelassen. Damals war es üblich, dass die Leute nach so einem Verfahren Urfehde schwören mussten. Damit verpflichteten sie sich dazu, sich nicht an den Amtsleuten zu rächen. Das Ganze wurde in einem Protokollbuch festgehalten, welches ich zufällig gefunden habe. Dort ist zu lesen: Den Tuchhändler haben wir eingesperrt aufgrund seines neuen bremischen Unglaubens. Diesen Schnack griffen andere gleich auf. Dem Huder Abt wurde dann der gleiche Vorwurf gemacht.

Die Geschichte des Huder Klosters ist ihr drittes Buch. Sind weitere in Planung?

Ideen hätte ich schon, vor allem die Familienforschung über die „Ohlenbüsche“ würde ich gern zu Ende führen. Aber ob ich dazu komme, ist eine Frage der Gesundheit. Wenn man 78 ist, muss man ein bisschen kürzer treten.

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