Nachbauten von XS bis XXL

„Modellbau Heidenreich“ in Hude fertigt Traumyachten, Satelliten und Raketen

Claas Fischer mit dem Messe-Raketenmodell eines Start-ups aus Augsburg im Maßstab 1:57.
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Claas Fischer mit dem Messe-Raketenmodell eines Start-ups aus Augsburg im Maßstab 1:57.

Auf einem Resthof in Hude entstehen Miniatur-Traumyachten, Spezialschiffe, Raketen, Satelliten und Raumschiffe. Seit knapp zwölf Jahren sitzt dort die Firma „Modellbau Heidenreich“.

Hude – Andere geben dafür viel Geld aus: Claas Fischer verdient mit dem Bau von Schiffs- und Raketenmodellen seine          Brötchen.  Der 42-Jährige ist Inhaber der Firma „Modellbau Heidenreich“. In seiner Werkstatt auf einem Resthof in Hude entstehen Miniatur-Traumyachten, Spezialschiffe, Raketen, Satelliten und Raumschiffe. „Unser Schwerpunkt sind technische Modelle für die Luft- und Raumfahrt in Bremen. Außerdem bekommen wir viele Aufträge von den umliegenden Schiffswerften“, berichtet Fischer. Die Nachbauten reisen oft als Messeexponate um die Welt oder schmücken Büros. „Werften schenken die Modelle häufig ihren Kunden oder stellen sie als Werbung selbst aus“, erklärt der Firmenchef.

Innenbereich einer Raumstation in Originalgröße

Grundsätzlich bauen er und sein Team aber alles – manchmal auch ohne Vorlage. „Wir sind vor nichts bange“, betont er. Ein Kunde wollte das Wattenmeer als Erlebnisraum darstellen. Fischer entwarf zunächst ein Modell und baute – nachdem der Auftraggeber damit zufrieden war – das ganze in Originalgröße. Auch der Innenraum einer geplanten Raumstation mit einem Durchmesser von vier Metern entstand in der Huder Werkstatt in Originalgröße. Komplett montiert werden musste das Objekt allerdings aufgrund seiner Abmessungen vor Ort.

Das größte Projekt: Der 17 Meter hohe Nachbau einer Ariane-Rakete.

„Jedes Modell ist auf seine Art eine Herausforderung“, beschreibt Fischer den Reiz seines Berufs. „Wir sind außerdem immer ganz dicht an der aktuellen Entwicklung dran.“ Sogar an Projekten, die später auf der ISS zum Einsatz gekommen sind, war die kleine Firma schon beteiligt. Häufig sind die Nachbauten aus Hude nicht für die Vitrine geeignet. Das bislang größte Projekt war der Nachbau einer Ariane-Rakete im Maßstab eins zu drei. Den 17 Meter hohen und einschließlich Sockel 30 Tonnen schweren Koloss baute Fischer gemeinsam mit einem Partner aus Elsfleth.

Modernste Technik und viel Handarbeit

In der Regel sind die Nachbauten allerdings deutlich kleiner und damit äußerst filigran. Insbesondere die detailgetreuen Schiffsmodelle bestehen aus unendlich vielen Einzelteilen. „Wir haben sie noch nie gezählt“, sagt Fischer. „Mehrere tausend werden es sicherlich sein.“ Bei der Fertigung hilft dem Team modernste Technik. Neben mehreren 3D-Druckern werden unter anderem eine CNC-Fräse sowie ein Laserschneider und -gravierer eingesetzt. Rund 400 Stunden Arbeit verschlingt eine Luxusyacht im Maßstab 1:100 trotzdem schnell. Allein das Zusammenlöten der Reling ist eine Sisyphus-Aufgabe. Auch die Miniaturen aus den Druckern benötigen noch viel Nacharbeit. Und schließlich muss dieses Puzzle aus Einzelteilen noch exakt zusammengesetzt und lackiert werden.

Für die naturgetreue Nachbildung bekommt die Firma in der Regel die Dateien der Originalbaupläne. Deshalb ist das Team häufig zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auch das interne Computernetzwerk ist aus diesem Grund abgeschottet und hat keinen Zugang nach außen.

Wasserhähne am Satellitenmodell

Grundsätzlich entsteht jedes Teil in der Werkstatt selbst. Nur die Lackierung größerer Stücke übernimmt eine Fachfirma. Und mitunter hilft der Baumarkt als Lieferant. „Für die Griffe an einem Satellitenmodell habe ich einmal Wasserhähne verwendet. Die passten perfekt“, erinnert sich Fischer.

Vor knapp zwölf Jahren übernahm er die damals noch in Berne ansässige Firma, in der er zuvor schon als Modellbauer arbeitete. Ein Jahr später folgte der Umzug auf den Resthof in Hude. „Das war ein Glücksgriff. Hier kann ich wohnen und arbeiten kombinieren“, erklärt der Vater von zwei Söhnen. Da er oft lange sehr arbeitet, sehe er so wenigstens zwischendurch seine Familie. Derzeit beschäftigt Fischer drei Gesellen und einen Auszubildenden. Die Corona-Krise hat dem kleinen Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren zu Schaffen gemacht. „Durch das Wegbrechen der Messen sind uns viele Aufträge verloren gegangen“, berichtet der Firmeninhaber.

Modelle im Auswandererhaus und Deutschem Museum

Wer schon im Auswandererhaus in Bremerhaven war, durfte die filigrane Arbeit von „Modellbau Heidenreich“ übrigens schon bewundern. Die dort ausgestellten Auswandererschiffe entstanden in der Firma. Auch im Deutschen Museum in München sind Ausstellungsstücke aus Hude zu finden.

Der Auszubildende Lennard Sauter plant am Rechner die Decksauflage für eine Luxusyacht.
Filigran: Kräne aus dem 3D-Drucker für ein Schiffsmodell.

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