Friedwald Hasbruch um 14 Hektar erweitert

Letzte Ruhe unter Buchen und Eichen

Zwei Männer stehen vor eine Übersichtskarte in einem Schaukasten.
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Alexander von Heimendahl (l.) und Eckhard Janßen betreuen den Bestattungswald.

Hasbruch – Idyllisch scheint die tief stehende Wintersonne durch die kahlen Baumwipfel. Ab und zu durchbricht Vogelgezwitscher die Stille. Und zwischen den mächtigen Buchen-, Eichen- und Kiefernstämmen schimmert ein kleiner Tümpel hindurch.

Nach einem Bestattungsort mit mehreren tausend Grabstellen sieht der Friedwald Hasbruch bei Hude wahrlich nicht aus. Schon eher nach einem Naherholungsgebiet, das zu einem Spaziergang durch die Natur einlädt. „Dieser Eindruck ist gewollt“, erklärt Alexander von Heimendahl. Er ist bei der Friedwald-Waldbetreuung unter anderem für das Bestattungsgelände in Hasbruch verantwortlich. „Es ist ein Ort der Begegnung, an dem nicht nur Hinterbliebene in entspannter Atmosphäre mit der ganzen Familie spazieren gehen können“, verdeutlicht von Heimendahl. Nur kleine dezente Schilder an einigen Bäumen verraten die Bestimmung des 48 Hektar großen Areals. Die Urnengräber verbergen sich unter dem Waldboden. „Die Grabpflege übernimmt hier die Natur“, sagt er.

Seit 17 Jahren bietet der Bestattungswald im Gebiet Schnitthilgenloh in Hasbruch eine beliebte Alternative zum klassischen Friedhof. Mehr als 14 000 Menschen haben sich bereits für einen Baum oder Platz entschieden. Rund 5800 haben dort bereits ihre letzte Ruhestätte unter Baumkronen gefunden. 2004 initiierte das ehemalige Forstamt Hasbruch in Zusammenarbeit mit der FriedWald-Gesellschaft und der Gemeinde Hude die ersten Bestattungsmöglichkeiten im Waldgebiet Schnitthilgenloh. „Der Bestattungswald war damals ein absolutes Novum“, blickt von Heimendahl zurück. Die Partner starteten zunächst mit elf Hektar. Schnell wurden Erweiterungen nötig, da die Nachfrage von Beginn an groß war. Der alte Teil des Friedwald-Standortes umfasst etwa 34 Hektar. Jetzt wurde das Gebiet um weitere 14 Hektar vergrößert.

Forstamt Neuenburg zuständig

Träger des Friedwaldes ist die Gemeinde Hude, Besitzer sind die Niedersächsischen Landesforsten, und die Verwaltung liegt in den Händen der Friedwald-Gesellschaft – einem privatwirtschaftlichen Unternehmen aus Griesheim in Südhessen. Das Personal für die Tätigkeiten vor Ort stellt das seit einigen Jahren zuständige Forstamt Neuenburg. Mit zwei weiteren Kollegen teilt sich Eckhard Janßen diese Aufgabe. Der Förster war in der Verwaltung des Forstamtes tätig und kümmert sich seit seiner Pensionierung um den Bestattungswald. Er wählt zur Bestattung geeignete Bäume aus, führt Interessierte über das Gelände, zeigt ihnen, wie ein Baumgrab im Friedwald aussieht, woran man freie Grabstätten erkennt, was diese kosten und wie eine Auswahl des Baumes bereits zu Lebzeiten möglich ist. Darüber hinaus bereitet er die Grabstätten vor und trägt auf Wunsch auch die Urne mit den Überresten Verstorbener zur Grabstätte.

Ihren Bestattungsbaum können sich Kunden schon zu Lebzeiten aussuchen. „Das ist deutlich entspannter, als im Todesfall“, erklärt Janßen. Am beliebtesten seien Buchen, gefolgt von Eichen. „Es kann aber auch mal eine Douglasie oder ein Ilex sein.“ Oft würden die Menschen mit einer bestimmten Baumart Erinnerungen verknüpfen und sie deshalb wählen, sagt der Förster. Es könne aber auch ein einzigartiger Wuchs sein. Seine eigene Ruhestätte hat er sich schon vor vielen Jahren gesichert. Es ist ein malerischer Platz unter einer Kiefer mit Blick auf den Teich. „Meine Mutter und erste Ehefrau habe ich hier bereits begraben“, erzählt der Förster. „Und ein paar Meter weiter liegt ein Kollege von mir. Irgendwann treffen wir uns hier alle wieder.“

Bei der Grabgestaltung gibt es keinen Spielraum. Dauerhafter Grabschmuck ist verboten, die Grabstätten sind nur anhand kleiner Namens- oder Nummerntafeln an den Bäumen zu erkennen. „Der Wald ist Natur und das soll so bleiben“, betont von Heimendahl. Bei der Gestaltung der Trauerfeiern ist dagegen fast alles möglich. „Der Friedwald ist überkonfessionell. Wir hatten hier auch schon Schamanen als Trauerredner“, berichtet er. „Bei einem tödlich verunglückten Motorradfahrer hat einmal der gesamte Motorradclub mit seinen Maschinen Spalier gestanden“, blickt Janßen auf eine besonders außergewöhnliche Bestattung zurück. Auch Dudelsackspieler und Sänger hätten Verstorbene bei ihrem Weg unter die Erde begleitet.

Neben der fehlenden Möglichkeit, die Gräber zu schmücken, gebe es noch eine weitere Einschränkung, der sich Interessierte bewusst sein müssten. „Das ist kein Park. Die Besucher können nicht zu jeder Grabstätte fahren“, verdeutlicht von Heimendahl. Die meisten sind nur über unbefestigte Waldwege zu erreichen. Anonym sind die Gräber des Friedwaldes – wie oft vermutet – nicht. Jede Grabstätte ist in einem Kataster namentlich erfasst. Zudem würden sich mehr als 90 Prozent der Grabbesitzer für eine Namenstafel an ihrem Baum entscheiden, erklärt Janßen.

Dezente Namenstafeln kennzeichnen die Grabstätten.
Ein zur Bestattung vorbereitetes Grab.

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