Tag des offenen Geflügelstalls am 13. August

„Eine Hähnchenmastanlage ist kein Streichelzoo“

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Rund 80.000 Hähnchen tummeln sich in den beiden Ställen von Monika Heinemann und ihrer Familie in Wüsting. Nach spätestens 42 Tagen geht es zum Schlachter.

Wüsting - Von Phillip Petzold. „Eine Hähnchenmastanlage ist kein Streichelzoo“, meint Dr. Aline Veauthier vom Forschungsinsitut „Wing“ der Universität Vechta.

Um ein realistisches Bild moderner Nutztierhaltung zu vermitteln, lädt sie gemeinsam mit dem Wüstinger Hof Heinemann für Sonntag, 13. August, von 11 bis 17 Uhr zum Tag des offenen Geflügelstalls ein. Wenn die Gäste kommen, hat ein Drittel der knapp 80.000 Tiere noch eine Woche zu leben. Der Rest geht sieben Tage später zum Schlachter – mit einem Gewicht von etwa 2,8 Kilogramm. 

Bis dahin wuseln die Hähnchen noch in den beiden Ställen der Familie Heinemann in Wüsting auf jeweils rund 2 000 Quadratmetern Grundfläche umher. Über ihren Köpfen laufen parallel zueinander acht Kanäle, die sie mit Wasser versorgen. Der Betrieb ist modern. Computer steuern die Futterzufuhr und die Belüftung. Auch gewogen werden die Tiere automatisch. Etwas Tageslicht fällt durch Fenster hinein, an der Decke hängen Neonröhren.

Die Besucher können sich am Tag des offenen Geflügelstalls ein eigenes Bild von der Hähnchenmast machen.

Nicht das Bauernhofidyll, an das mancher noch beim Stichwort Landwirtschaft denken mag. Aber auch kein Schreckensbild – die meisten Tiere machen auf den ersten Blick einen munteren Eindruck. Und darum soll es gehen: „Ich mache bei der Aktion mit, um mit dem negativen Bild aufzuräumen“, erklärt Monika Heinemann (57). In der Öffentlichkeit herrsche viel Unwissen, negative Schlagzeilen dominierten das Bild in den Medien.

Organisiert wird die Aktion vom Institut „Wing“ der Universität Vechta, finanziert vom Landesverband der Niedersächsischen Geflügelzüchter (NGW), mit dem das Institut auch sonst kooperiert. „Der Verband ist auf uns zugekommen und hat für die Aktion wissenschaftliche Begleitung gewünscht“, so Veauthier vom „Wing“. Die Besucher werden am Tag des offenen Geflügelstalls zweimal gebeten, Fragebögen auszufüllen. Einen bevor sie sich die Tiere anschauen und einen danach. „Wir haben hohe Rücklaufquoten“, berichtet Veauthier. 

80 Prozent der Teilnehmer hätten nach der Besichtigung ein positiveres Bild von der Geflügelmast als davor: „Es ist alles nicht so schlimm, wie immer gesagt wird“, meint Heinemann. Das Projekt wurde seit 2012 rund 40 Mal durchgeführt, 11.000 Besucher waren dabei.

Buntes Rahmenprogramm

Für den 13. August haben sich die Veranstalter ein Rahmenprogramm überlegt. Für Kinder wird eine Hüpfburg aufgebaut, es gibt ein Quiz, Kaffee und Kuchen sowie Gegrilltes. Außerdem erwartet die Besucher eine besondere Herausforderung: die Schutzkleidung. Aus Gründen der Hygiene müssen vor dem Betreten des Stalls ein Einweg-Overall sowie Plastiküberzieher für die Schuhe angelegt werden. Das soll verhindern, dass gefährliche Keime ihren Weg in den Stall finden.

Heinemann selbst legt die Kleidung mehrmals am Tag an und schaut nach den Tieren. Dabei findet sie in der Regel auch zehn bis 15 tote Hähnchen. Das ließe sich nicht vermeiden. Obwohl ein Tierarzt wöchentlich zur Kontrolle vorbeikommt, sei die Todesursache in den meisten Fällen unbekannt.

Die Mast betreiben die Heinemanns seit 2009. Schon seit 1550 ist der Betrieb im Besitz der Familie. Bald übernehmen die beiden Söhne in zwölfter Generation. „Wenn es den Tieren gut geht, geht es uns auch gut“, sagt Heinemann.

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