Fernsehmoderator Yared Dibaba berichtet über Aktion des „Vielstedter Bauernhauses“

„Corona-Kohltour“ statt Pandemie-Frust

 Yared Dibaba schaut in der Küche von Christian Strackerjan in einen Kessel mit Grünkohl.
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Der Koch und der Kohl-Fan: Yared Dibaba (r.) darf schon einmal bei Christian Strackerjan in den Kessel schauen.

Vielstedt – Die Corona-Krise beutelt viele Wirtschaftszweige, nicht zuletzt die Gastronomie. „Das ist das erste Jahr, in dem wir kein Ostern hatten und kein Weihnachten“, sagt Christian Strackerjan vom „Vielstedter Bauernhaus“ nahe Hude. Und ganz aktuell natürlich: keine Kohlfahrten. „Sonst haben wir jeden Samstag bis zu 350 Gäste“, sagt der Küchenchef.

Das „Bauernhaus“ biete insgesamt 500 Plätze, bis zu 40 Personen seien dann in Küche und Bedienung beschäftigt. Die Pandemie ist insofern ein Schlag ins Kontor für den Gastronomen. Die Situation sei zudem natürlich auch seelisch belastend.

Seit 150 Jahren ist der Betrieb in Familienbesitz. Heute kümmert sich der 44-Jährige zusammen mit seiner Frau Yvonne um die Küche und die Geschicke des Gasthofes, in dem er seit 2000 tätig ist. Aufstecken ist allein schon deshalb keine Alternative: Und daher setzen seine Frau und er nun zwei Ideen um, die den aktuellen Auflagen entsprechen: Am morgigen Sonnabend startet das „Wohnmobil-Dinner“ und tags darauf dann die sonntägliche „Corona-Kohlfahrt“. Letztere ist auf das Interesse des Fernsehmoderators Yared Dibaba gestoßen – nicht ganz zufällig, denn der 51-Jährige ist im nur wenige Kilometer entfernten Falkenburg aufgewachsen. Er spricht fließend Plattdeutsch und hat in Delmenhorst sein Abitur gemacht. Am Freitag stand er zusammen mit Strackerjans für den Norddeutschen Rundfunk vor der Kamera und berichtet über die kreativen Gastro-Ideen aus dem Oldenburger Land. „Das Bauernhaus kenne ich natürlich schon von früher“, sagt Dibaba. Über einen Artikel über eine Spende des Bauernhauses an das Hospiz Falkenburg sei er wieder auf den Gasthof gestoßen, erzählt er. Daraufhin habe er sich mit den Wirtsleuten in Verbindung gesetzt und gefragt, wie sich diese in der kohlfahrt-losen Zeit schlagen. Daraus sei dann die Idee für den Beitrag entstanden.

„Deftig, ohne Schnickschnack“

„Grünkohl ist wunderbar“, sagt der Fernsehmann. Und sein Freund Marco Stubbemann aus Falkenburg, der den Drehtag begleitet, stimmt ihm zu: „Grünkohl kann man doch jeden Tag essen“ – sagt’s und lacht herzlich. Und wie beschreibt Koch Strackerjan seinen Grünkohl? „Deftig, ohne Schnickschnack“, antwortet der 44-Jährige. Er bereite die beliebte Winterspeise nach wie vor nach dem Geheimrezept seiner Großmutter zu. Der etwa drei- bis fünfminütige Beitrag aus Vielstedt soll voraussichtlich am Rosenmontag, 15. Februar, in der Sendung „Live nach 9“ in der ARD gesendet werden.

Doch ist die „Pandemie-Kohlfahrt“ eben mehr als ein „bloßer“ Außer-Haus-Verkauf: „Wir haben vier Strecken herausgesucht“, sagt Yvonne Strackerjan. Diese seien zwischen einer halben und einer Stunde zu Fuß durch den Hasbruch zu bewältigen. Mehrere Touren seien schon deswegen notwendig, damit sich unterwegs nicht zu viele Wanderer begegneten. Jeden Sonntag von 12 bis 15 Uhr gibt es nach Voranmeldung die Möglichkeit zu einer Kohltour.

Alkohol darf nicht ausgeschenkt werden

Zeitlich versetzt mit genug Abstand starten dann kleine Gruppen bestehend aus immer nur einen Haushalt plus maximal einer weiteren Person – mehr sind gesetzlich aktuell nicht erlaubt. Dann geht es mit einen Bollerwagen und heißem Tee oder Kaffee auf den Weg – denn Alkohol darf nicht ausgeschenkt werden. Für unterwegs haben die Gastwirte ein Quiz ausgearbeitet und steuern bei Bedarf tour-geeignete Spielgeräte und -ideen bei. Wieder zurück am Bauernhaus gibt es dann die heiße Kohlmahlzeit – verpackt für zu Hause. Wahlweise sind auch ein Geflügelschnitzel oder eine Gemüselasagne im Angebot. Zu jedem Gericht gibt es noch Fassbier in einer Kanne oder alkoholfreie Getränke. Für ihr „Wohnmobil-Dinner“ haben Strackerjans gar eine eigene Speisekarte aufgelegt und liefern die Gerichte bis an die „Haustür“ der mobilen Unterkunft.

„Viele Gastwirte lassen sich nichts mehr einfallen“, sagt Christian Strackerjan abschließend. Manche seiner Kollegen stünden – bildlich gesprochen – nur hinter dem Zapfhahn. „Doch jetzt ist die Kreativität der Gastronomie gefragt.“

Christian und Yvonne Strackerjan (r.) überbringen probeweise ein „Wohnmobil-Dinner“. Zusammen führt das Ehepaar das Vielstedter Bauernhaus bei Hude.
Das „Vielstedter Bauernhaus“ in der Nähe von Hude.

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