Im besten Sinne bodenständig

Von ganz unten nach ganz oben: Volker Maaß hat aus kleinen Anfängen eine erfolgreiche Firma geschaffen

Das Führungsduo von „VM“: Firmengründer Volker Maaß (l.inks) und Geschäftsführer Peter Duhm.

Hude – Mit 566 .000 Euro unterstützt das Land Niedersachsen die Expansionspläne der Huder Firma „VM CnC Zerspanungstechnik“ (wir berichteten). Von solcher Art finanzieller Unterstützung hätte Volker Maaß (51) vor rund 24 Jahren nur träumen können: Gerade arbeitslos geworden, machte der Mittzwanziger seinen Meister an der Abendschule, war frisch verheiratet und stand kurz davor, erstmals Vater zu werden – und sich selbstständig zu machen. Heute beschäftigt er in seinem Betrieb 36 Mitarbeiter und ist unter anderem für Firmen in der Luft- und Raumfahrt oder der Ölförderindustrie tätig und stellt komplexe Einzelstücke her.

Ohne Unterstützung älterer Kollegen hätte er den Schritt vielleicht nicht gewagt, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Mein Mentor an der Abendschule hat mich nicht nur ermuntert, den Weg zu gehen – er hat mir aufgezeigt, dass das möglich ist.“ Das hat er bis heute nicht vergessen und versucht, es ihm gleich zu tun: „Ich ermuntere die jungen Leute, diesen Schritt zu gehen“, berichtet Maaß, der unter anderem stellvertretender Obermeister der Metall-Innung Delmenhorst/Oldenburg-Land ist. Denn es gebe heutzutage immer noch genug junge Menschen mit guten Ideen. „Ich sage zu den Jungs: ,Wenn sich die Jugend etwas vornimmt, kann sie das auch erreichen. Bei unserem Bildungssystem: Du hast es in der Hand.‘“ Was es dann noch braucht, sei ein Unternehmer mit Erfahrung, der sein Wissen mit dem Berufs-Nachwuchs teilt. So wie seinerzeit sein Lehrer bei ihm: „Er hat mir den Weg aufgetan.“

Doch waren die ersten Schritte auf diesem Weg alles andere als leicht. Mit einer gebrauchten Drehmaschine hatte er sich in Ganderkesee selbstständig gemacht, buchstäblich als Untermieter einer anderen Metall-Firma – die er dann nach wenigen Jahren übernommen hat. Alsbald war die Halle dort schon zu klein, Maaß musste erweitern. 

Eigentlich wollte er in Delmenhorst bauen, ein Grundstück dort hatte er sich schon ausgesucht. Über einen Kollegen erfuhr er dann von der Halle der ehemaligen „Stahl- und Fassadenbau“, im Gewerbepark in Hude, die gerade zur Versteigerung stand. 2.500 Quadratmeter maß das Gebäude, in der sich seine Firma heute noch befindet und deren Erweiterung nun ansteht. „In Delmenhorst hätte ich nie so groß gebaut“, blickt Maaß zurück. Diese Platzreserve ist ihm über die Jahre zu Gute gekommen, denn so konnte er Schritt für Schritt erweitern, ohne an Grenzen zu stoßen – bis jetzt. 700 Quadratmeter kommen demnächst hinzu, eine Ausgabe von insgesamt rund 2,8 Millionen Euro. „Das ist eine Investition in Arbeitsplätze und den Standort“, befindet der Unternehmer, der sich in seinem Geschäftsgebaren im positiven Sinne als bodenständig bezeichnet: „Gesundes Wachstum, viel Eigenkapital, keine großen Risiken eingehen.“ So nutze er etwa von Anfang an ausschließlich Maschinen ein und desselben japanischen Herstellers. Innovative Technik schließe das jedoch nicht aus, denn: „Wir sind ständig im Kontakt mit unseren Kunden, wir bieten Lösungen an. Wir sind Partner und nicht der billige Jakob.“

Gleitzeit als Arbeitszeitmodell

Von den 36 Mitarbeitern, die VM derzeit beschäftigt, sind sechs Azubis. „Wir bilden für den eigenen Bedarf aus“, erläutert der Firmengründer. Mit der Erweiterung kommen je drei neue Arbeits- und Ausbildungsplätze hinzu. Der Kontakt zu seinen Mitarbeitern sei ihm sehr wichtig, so Maaß weiter. Deswegen habe man zusammen auch verschiedene Arbeitszeitmodelle ausprobiert und sei jetzt bei der Gleitzeit angekommen. Das funktioniere gut: Denn der eine brauche Zeit für sich, der andere müsse seine alten Eltern pflegen. Seine Leute zu fördern, sich für sie zu interessieren, sie zu motivieren und sich um sie kümmern, sei ihm wichtig. „Ein Meisterbrief ist mehr als nur ein Zettel“, sagt Maaß.

Seit dem 1. Januar hat er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, und seinen ehemaligen Berufsschulkollegen und ehemaligen Kunden Peter Duhm als Geschäftsführer gewinnen können. Doch bleibt Maaß seiner Firma treu: „Ich habe wieder die Ruhe, über Dinge nachzudenken.“ Das sei nicht zuletzt ein wichtiges Zeichen für die jungen Leute im Betrieb: „Ja, es geht weiter.“ 

fra

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