Als Veganerin im Mastbetrieb

Tiermedizinstudentin absolviert Praktikum bei der Deichschäferei in Holle

Leonie Herrwerth hat eine besondere Bindung zu Tieren.
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Leonie Herrwerth hat eine besondere Bindung zu Tieren.

Kann man als überzeugte Veganerin in der Fleischproduktion arbeiten? Passt das zusammen? Die Studentin Leonie Herrwerth hat dies ausprobiert und drei Wochen lang in der Deichschäferei von Sven Scheffler und seiner Frau Jennifer Rohde in Holle (Gemeinde Hude) ein Praktikum absolviert.

  • Eine 20-jährige Tiermedizinstudentin absolviert ein Praktikum bei einer Deichschäferei in Holle.
  • Sie Halt dem Schäfer Sven Scheffler und seiner Frau Jennifer Rohde während der Hauptlammzeit.
  • Als Veganerin reflektiert sie ihre Zeit im Mastbetrieb.

Holle – Herrwerth studiert in Gießen Tiermedizin im zweiten Semester. Seit Anfang 2018 ist sie Veganerin, davor war sie lange Zeit Vegetarierin, erzählt sie. Sie setze sich schon lange mit ihrem Ernährungsverhalten auseinander, erzählt die 20-Jährige. Generell habe sie aber eine offene Haltung gegenüber Präferenzen Anderer und meint, dass „jeder so Leben soll, wie er es am besten mit sich selbst vereinbaren kann“. Nichtsdestotrotz finde sie, dass insgesamt mehr nach der Herkunft von Fleischwaren gefragt werden solle, besonders bei Billig-Produkten. „Es ist schade, dass es so wenig Aufklärung in dieser Richtung gibt.“

Wenn von solchen Orten Fleisch gekauft wird, dann kann ich schon nachvollziehen, dass man es isst.

Leonie Herrwerth, Tiermedizinstudentin

Sie finde auch, dass Fleisch bevorzugt von Höfen gekauft werden soll, die hinter ihrem Produkt stehen. „Wie in der Deichschäferei eben. Den Schafen geht es dort wirklich gut, sie sind quasi immer draußen auf den Deichen, außer wenn sie lammen. So kann Fleischproduktion also auch aussehen.“ Und für diesen Einblick sei sie sehr dankbar. „Wenn von solchen Orten Fleisch gekauft wird, dann kann ich schon nachvollziehen, dass man es isst.“

Und wie ist es für eine Veganerin in der Schafzucht zu arbeiten? „Letztendlich ist die Fleischproduktion ein großer Bereich, der von Tiermedizinern gedeckt werden muss. Ein Arbeitsumfeld“, erzählt Herrwerth nüchtern. Auch beim täglichen Familienessen, bei denen sie dabei war, habe es keine Probleme gegeben. Zwar esse Scheffler Fleisch, seine Frau sei jedoch Vegetarierin. „Da wurde regelmäßig für zwei Parteien gekocht. Also war das keine wirkliche Umstellung, wir haben uns gut arrangiert.“, so die Studentin.

Schafe waren wochenlang ihre täglichen Begleiter.

Auf die Frage, wie die Gießenerin denn in den Norden gekommen ist, erklärt Herrwerth, dass sie hin und wieder auf Spiekeroog in einer Bäckerei gearbeitet habe. Dort habe sie als Kind öfter den Familienurlaub verbracht und der Kontakt sei nicht abgebrochen. „So kenne ich den Norden schon ein wenig. Und vermutlich deshalb haben mich Schafe auch schon immer interessiert. Dann habe ich die Deichschäferei einfach mal im Internet gesucht und Sven eine E-Mail geschrieben.“ Danach sei alles ganz schnell gegangen, sie hätten telefoniert und kurz darauf sei sie nach Holle gefahren. Obwohl sie die erste Praktikantin des Familienbetriebs sei, habe sie direkt mit anpacken können. „Ich habe einiges gesehen und durfte super viel machen“, erzählt sie. Besonders Geburtshilfen standen fast täglich an, da sie gerade in der Hauptlammzeit dazugestoßen sei. Das sei durchaus anstrengend gewesen. „Landwirtschaft ist ein Knochenjob“, reflektiert Herrwerth. „Hut ab, vor allen Menschen, die das machen.“

Nach Reise kam der Gedanke Tiermedizin zu studieren

Der Gedanke Tiermedizin zu studieren kam der 20-Jährigen während ihres Abiturs. In dieser Zeit absolvierte sie eine dreiwöchige Reise nach Afrika. „Da bin ich mit Tiermedizinern unterwegs gewesen. Wir haben uns speziell kranke Nutztiere angeschaut.“ Besonders interessant an der Tiermedizin sei für sie, dass der Arzt immer selbst rausfinden müsse, was das Problem des Tieres ist. „Ein Tier kann einem Menschen nun mal schlecht mitteilen, was ihm fehlt.“

Am Ende des elfsemestrigen Studiengangs steht abschließend das Staatsexamen an. In welchem Feld die 20-Jährige anschließend arbeiten möchte, weiß die Studentin aber noch nicht genau. „Die Arbeit mit den Schafen hat super viel Spaß gemacht. Vielleicht ist das ein Bereich, in dem ich meine Zukunft suche“, sagt Herrwerth. Zuvor müsse sie jedoch noch einiges lernen und weiterhin praxisnahe Erfahrungen sammeln, so sieht es auch der Lehrplan vor. Im neunten Semester stehe ein weiteres Praktikum an. „Dann geht es in den Schlachthof“, erzählt Herrwerth. Sie bleibe aber offen und versuche, auch diese Erfahrung auf sich zukommen zu lassen.

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