1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Oldenburg

Hitlergruß, Tritte und Faustschläge in Wildeshausen

Erstellt:

Von: Dierk Rohdenburg

Kommentare

Tatort McDonald’s in Wildeshausen: Hier gab es im Dezember 2019 eine nächtliche Schlägerei.
Tatort McDonald’s in Wildeshausen: Hier gab es im Dezember 2019 eine nächtliche Schlägerei. © dr

Wildeshausen – Weil er am 28. Dezember 2019 zweimal den Hitlergruß mit ausgestrecktem Arm und den Worten „Heil Hitler“ getätigt und kurz darauf zwei Männer mit den Fäusten sowie einem Teleskopschlagstock traktiert hat, wurde am Freitag ein 23-jähriger Mann aus Ganderkesee vom Amtsgericht in Wildeshausen zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Damit trat ein Strafbefehl aus dem vergangenen Jahr in Kraft, gegen den die Pflichtverteidigerin Einspruch eingelegt hatte. Sie zog ihn aber nach der Beweisaufnahme wieder zurück, denn der Angeklagte hatte einen Großteil der Taten unumwunden eingeräumt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann vier Straftaten begangen. So soll er gegen 3 Uhr in der Discothek „5Elements“ in Wildeshausen im VIP-Bereich den Hitlergruß gezeigt haben. Auf dem späteren Fußweg zu McDonald’s soll er zusammen mit seinem Kumpel zwei Männer angepöbelt und ebenfalls den Hitlergruß entboten haben. Laut Anklage habe der 23-Jährige dann die beiden Begleiterinnen, die er erst am Abend kennengelernt hatte und die das Weite suchen wollten, mit den Worten „ich hau dir eine rein“ bedroht. Im Schnellimbiss schließlich kam es zu einem Streit mit zwei Besuchern, die sich beschwert hatten, dass die Gruppe zu laut gewesen sei. Man sei nach draußen gegangen, wo der Angeklagte seine Kontrahenten mit Fäusten und Schlagstock sowie Tritten traktiert haben soll.

Hitlergruß nur aus Spaß gezeigt?

Der Angeklagte räumte ein, dass er auf dem Fußweg aus Spaß den Hitlergruß gezeigt hatte. In der Disco sei das nicht der Fall gewesen, beteuerte er. Wie die Frauen auf die Nötigung gekommen seien, könne er sich nicht erklären. „Wir hatten gute Stimmung. Die beiden hatten zudem mehrfach Drogen konsumiert“, erzählte er und vermutete, dass die Frauen deshalb eine gestörte Wahrnehmung gehabt haben könnten.

Was den Vorfall vor dem Restaurant betraf, gab der Ganderkeseer zu, dass er zugeschlagen hatte. „Die hatten uns beleidigt. Den Schlagstock habe ich aber nicht benutzt“, beteuerte er.

„Warum hatten sie den Schlagstock überhaupt dabei?“, fragte der Richter. „Zur Sicherheit“ , lautete die Antwort. „Aber ich habe ihn nur in der linken Hand gehalten. Wenn ich damit geschlagen hätte, wäre ich ja sofort in den Bau gewandert“, erklärte der Angeklagte, der sich trotz mehrerer Wodka-Mischgetränke nicht als betrunken bezeichnen wollte.

Ein Rechtsgespräch bringt Klarheit

Nach dem Geständnis stand für alle Beteiligten die Frage im Raum, warum überhaupt gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt worden war. Die Verteidigerin machte deutlich, dass sie nur im Auftrag des gesetzlichen Betreuers gehandelt und schon im Vorfeld auf die Ausweglosigkeit hingewiesen habe.

Es folgte ein kurzes nicht öffentliches Rechtsgespräch, dann wurde der Einspruch zurückgezogen. Der Angeklagte muss nun die Bewährungszeit ohne weitere einschlägige Taten überstehen. Eine Geldstrafe hätte ihn vermutlich deutlich härter getroffen. Er gab an, rund 15.000 Euro Schulden zu haben und bislang nur Einnahmen aus seiner beruflichen Ausbildung zu erhalten.  

Auch interessant

Kommentare