Junges Paar lässt Anlage in Pestrup aus dem Jahr 1747 aufwendig sanieren

Historisches Hofensemble erwacht aus langem Schlaf

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Kiri Tippens und Alexander Flath (r.) stellten mit Peter Nieslony (l.) und Stefan Effenberger die Hofanlage vor.

Pestrup - Von Dierk Rohdenburg. Der wohl älteste Kleiderschrank im Landkreis Oldenburg aus dem 18. Jahrhundert steht nicht in einem Museum.

Er befindet sich auf einem verstaubten Dachboden einer Hofanlage aus dem Jahr 1747 und fristet dort seit Jahrzehnten ein Dornröschendasein. Nun wird er ebenso wie das gesamte Anwesen wieder zum Leben erweckt. In Begleitung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises sanieren Kiri Tippens (25) und Alexander Flath (31) das wunderschöne Ensemble in Pestrup.

Bis vor wenigen Jahren lebten auf der Hofanlage mit acht Gebäuden die betagten Schwestern Magdalena und Annemarie Ahlers. Nach ihrem Tod stand das Anwesen leer, bis es im September des vergangenen Jahres von Tippens und Flath gekauft wurde. „Es ist schön, dass die Erben sich entschlossen haben, den Hof abzugeben“, sagt Bauamtsleiter Peter Nieslony. „Hier ist die Zeit stehengeblieben“, ergänzt Stefan Effenberger vom Denkmalschutz, der das Sanierungsprojekt von Anfang an begutachtet.

Die neuen Eigentümer wohnen seit zwei Jahren in Wildeshausen. „Wir fühlen uns hier wohl“, erklärt Flath. „Deshalb haben wir in der Umgebung nach besonderer alter Bausubstanz zum Kauf gesucht.“

In Pestrup wurde das Paar fündig, fand die Anlage mit dem 33 Meter langen und fast 13 Meter breiten Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf 1,4 Hektar Fläche aber ziemlich groß. Doch nach und nach freundete es sich mit dem Gedanken an, das Anwesen behutsam zu entwickeln. Stück für Stück werden nun Fachwerk und statisch relevante Eichenständer denkmalgerecht ergänzt, ausgebessert oder dort platziert, wo sie einmal gestanden haben.

„Am liebsten wollen wir hier schon im August einziehen“, wünscht sich Flath. Bis dahin muss allerdings praktisch ein neues Haus in das alte Haus eingesetzt werden. Die Dielen werden angehoben, um eine Sohle anzulegen. Die Wände werden von innen komplett gedämmt, hinter die alten Fenster werden neue Scheiben gesetzt, damit das Haus energetisch auf einen modernen Stand kommt.

Bislang haben Tippens und Flath erstmal aus- und ein wenig aufgeräumt. So wurden schon 14 Treckeranhänger mit Strohmatten abtransportiert, die früher zur Dämmung dienten. Auf dem Dachboden entdeckten sie einen alten Webstuhl, der vielleicht bald ins Museumsdorf nach Cloppenburg gebracht wird. In den Räumen fanden sich die Erstausgabe des Oldenburger Gesetzbuches, Modezeitungen aus dem Jahr 1937 und Fahnen aus dem Ersten Weltkrieg.

Nun kann das Hauptgebäude entkernt werden. Aber auch die unter Denkmalschutz stehenden Längsscheune, Bleicherhütte, Backhaus, Remise, Querscheune, Stall, Baumbestand und Hofpflaster sollen Stück für Stück erhalten und saniert werden. Das wird bis ins Jahr 2014 dauern.

„Der Charme des Hauses soll erhalten bleiben“, sagt Kiri Tippens. Und wenn es nach ihr geht, beherbergt der Hof bald Hunde, Hühner und Pferde.

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