Die beiden Autobahnrastanlagen Wildeshausen-Nord und -Süd sind seit 40 Jahren Anlaufstellen für Reisende 

„Hier haben einige Promis gerastet“

Hermann Müller, der die Rastanlage Wildeshausen-Süd über 30 Jahre lang geleitet hat, kann sich noch gut an die alten Zeiten erinnern – in denen das Restaurant im 70-er-Jahre-Chic glänzte und drinnen noch Zigarre geraucht wurde.

Doetlingen - BUSCH (ts) · Sie sind Tag und Nacht Anlaufstelle für alle Hungrigen und Durstigen, für alle, die mal dringend zur Toilette oder tanken müssen, für solche, die sich die Beine vertreten wollen und manchmal sogar für Hilfesuchende – und das seit vier Jahrzehnten. Genau gestern vor 40 Jahren wurden die beiden Autobahnrastanlagen Wildeshausen-Süd und Wildeshausen-Nord an der A 1 im Dötlinger Ortsteil Busch eingeweiht. Einer, der sich noch sehr gut an dieses Ereignis erinnert, ist Hermann Müller.

Der Wildeshauser war über 30 Jahre lang Pächter der Rastanlage Wildeshausen-Süd, 2004 übernahm Hans-Christian Vogelsang, der damit nun die Anlagen auf beiden Seiten der Autobahn leitet. „Ich weiß noch, wie uns der Oberbaurat vor 40 Jahren die Schlüssel übergeben hat“, berichtet Müller, der damals im „Roten Haus“ an der B 213 Gastronomie betrieb. „Als dann die Autobahn gebaut wurde, kam natürlich die Befürchtung auf, dass der Verkehr an der B 213 und damit die Gäste fern bleiben.“ Müller bewarb sich daraufhin um drei Autobahnrastanlagen und wurde wie auch Heinz Vogelsang zum Vorstellungsgespräch nach Bonn geladen. Dort erhielt er für Wildeshausen-Süd und der mittlerweile verstorbene Heinz Vogelsang für Wildeshausen-Nord den Zuschlag. „Und dann ging es 1968 auch schon los – damals auf beiden Seiten mit einem Provisorium, das aussah wie ein Eisenbahnwaggon“, erinnert sich Müller.

Nach zweijähriger Bauzeit war die Anlage endlich fertig. „Damals sah es in der Gaststätte noch etwas anders aus. Wir hatten anfangs 34 Tische mit etwa 130 Plätzen. Hinzu kamen 60 Plätze in der Caféteria mit Selbstbedienung und weitere Tische auf der Terrasse – und die brauchten wir im Sommer auch“, so Müller.

Damals wie heute gehören die Sommer- und Osterferien sowie die Mai-Feiertage zu den Zeiten, in denen der größte Andrang auf den beiden Rastanlagen herrscht. Dann sind neben Geschäftsreisenden, Pendlern und Ausflüglern vor allem auch Familien und Gruppen in Reisebussen unterwegs, berichtet Hans-Christian Vogelsang, der 1997 in das Geschäft seiner Eltern mit eingestiegen ist. Nachdem er 2004 Wildeshausen-Süd übernommen hat, übergab ihm seine Mutter Inge Gehring 2006 auch die Leitung der Rastanlage Wildeshausen-Nord.

Sowohl Vogelsang als auch Müller haben während ihrer Zeit auf den Rastanlagen viel erlebt und viel gesehen. „Zum Beispiel Ivan Rebroff und Loki Schmidt, und mit der Schauspielerin Helga Feddersen habe ich mich noch ein viertel Jahr, bevor sie gestorben ist, hier unterhalten“, erzählt Müller. „Ob Musiker, Schauspieler oder Politiker – hier haben schon einige Promis angehalten.“ Und nicht nur die: „Am ersten Augustwochenende haben wir hier stets eine lange Schlange, in der dunkel gekleidete, ungeduschte und halb verhungerte Leute anstehen – das sind diejenigen, die auf der Rückreise vom Festival in Wacken sind“, so Vogelsang. „Einer unserer Umsatz stärksten Tage.“

Neben vielen fröhlichen Menschen, die voller Vorfreude auf den Urlaub oder auf den Feierabend einen Stopp einlegen, gibt es natürlich auch die Genervten, die schon mehrere Stunden lang im Stau standen. „Da musste sich so mancher Mitarbeiter auch mal etwas einhören und schlucken“, erzählt Müller, der sich gerne an die Zeiten erinnert, in denen die Rastanlage noch rund 40 Prozent Stammgäste hatte. „Viele hatten ein Wochenendhäuschen an der See und hielten auf dem Weg dorthin regelmäßig hier an. Daneben hatten wir eine Menge Gäste aus der Umgebung, die abends zum Essen kamen“, so Müller. „Da hat man sich an den Tischen noch gut unterhalten, heute hat ja kaum jemand mehr Zeit. Auf Autobahnraststätten ist es oft sehr anonym.“

Auch wenn sich heutzutage noch ein paar Kunden gerne auf den Rastanlagen aufhalten, „der Trend geht zum schnell was zum Essen auf die Hand nehmen“, weiß Vogelsang. Ein Grund, weshalb er sich für Burger King und das Café Lavazza bei der Raststätte Wildeshausen-Nord entschieden hat, die 2007 eröffnet wurden. „Und gerade Burger King läuft super erfolgreich“, so Vogelsang, der betont, dass Pächter und Inhaber, die Autobahn Tank & Rast GmbH, immer dafür gesorgt hätten, dass die Anlagen zukunftsfähig bleiben. „Wir probieren, up-to-date zu sein“, sagt er.

So gab es im Laufe der Jahrzehnte einige Änderungen. Die Gravierendste war wohl die Umstellung auf Selbstbedienung“, meint Müller. „Zwischenzeitlich gab es in den 90-er Jahren mal einen Pizza Hut auf der Südseite, aber der lief nicht so gut.“ Veränderungen bei der Inneneinrichtung, die Einführung des Rauchverbots sowie die Verbreitung von Navis gehören zu weiteren Umbrüchen. „Letzteres hat natürlich dazu geführt, das nicht mehr so viele Fahrer nach dem Weg fragen“, sagt Vogelsang, der sich noch gut an eine Begebenheit erinnert. „Mich haben mal drei Frauen gefragt, wie weit es noch bis Köln ist. Sie kamen aus Düsseldorf und waren schon über drei Stunden unterwegs. Da wundert man sich natürlich.“ Daneben gäbe es auch Situationen, in denen Hilfe dringend nötig ist: „Ich habe mal einer Frau aus Dänemark und ihren drei Kindern ein günstiges Hotelzimmer in der Nähe vermittelt. Sie waren bei Eisregen bereits acht Stunden unterwegs und vollkommen erledigt.“ Anekdoten hätte Vogelsang einige auf Lager und es werden noch viele hinzukommen. Schließlich sind die Mitarbeiter und er rund um die Uhr, an Heiligabend und an Silvester für die Reisenden da.

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