Wildeshauser Traditionsunternehmen schließt heute sein Geschäft

Helga Harkemper dreht Schlüssel ein letztes Mal um

Ein wehmütiger Blick in den Spiegel: Helga Harkemper mit Sohn Heiner Schmid. ·

Wildeshausen - Von Joachim DeckerEr verströmt den Charme der 70-er Jahre – der Friseursalon Harkemper an der Neuen Straße in Wildeshausen. Aber mit traurigen Augen steht Chefin Helga Harkemper vor dem Spiegel. Heute wird ihr Laden ein letztes Mal geöffnet, dann ist Schluss – die Ära einer 55-jährigen Selbstständigkeit geht aus Alters- und wirtschaftlichen Gründen zu Ende. Helga Harkemper dreht dann zum letzten Mal den Ladenschlüssel im Schloss um.

Zunächst fehlen Helga Harkemper (76) etwas die Worte, die Traurigkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben – Sohn Heiner Schmid steht ihr zur Seite: „Das wird schon wieder. Aber es gibt eben keinen anderen Weg. Du musst jetzt erst einmal zur Ruhe kommen und nach vorne blicken.“

Wer mag der Seniorin die Traurigkeit verdenken ? – Ende Mai verlor sie ihren Ehemann und jetzt die Schließung des Geschäftes. Am meisten tun Friseurmeisterin Helga Harkemper die Kunden leid, die ihr und ihrem Geschäft über Jahrzehnte die Treue gehalten haben: „Vergessen möchte ich aber auch unsere Mitarbeiter nicht, wir waren stets eine große Familie.“ Ohne sie hätte das Unternehmen die Jahrzehnte nicht so erfolgreich überstanden: „Einige von ihnen waren weit über 30 Jahre bei mir beschäftigt. Genau wie mein zweiter Sohn Uwe, der seit gut 35 Jahren Tag für Tag im Salon steht.“

Mit einem wehmütigen Blick zurück erzählt die Chefin, dass sie im Laufe der Jahre rund 30 Lehrlinge in ihrem Salon ausgebildet habe: „Keiner von ihnen hat die Gesellenprüfung nicht geschafft, alle waren stets mit sehr viel Eifer bei der Sache.“ Für das gute Arbeitsklima spricht zweifels-ohne die Tatsache, dass Helge Harkemper auch heute noch Kontakt zu den früheren Auszubildenden und Mitarbeitern hat. „Mit einigen treffe ich mich regelmäßig. Zur besten Zeit hatten wir 20 Mitarbeiter, die hier und in unseren Filialen in Oldenburg und Kirchhatten tätig waren.“

Und Sohn Heiner: „Sicher ist das für Mutter alles sehr traurig, aber die wirtschaftliche Lage hat sich nun einmal drastisch verschlechtert. Hinzu kommt, dass Mutter auch das Alter hat, jetzt Schluss zu machen.“ Bereits mit der Einführung des Euros habe es erste Probleme gegeben: „Damals sind die Lohnkosten explodiert. Vor etwa fünf Jahren aber wurden die wirtschaftlichen Umstände noch schlimmer.“ Aus der Familie heraus sei der Betrieb zwar immer wieder subventioniert worden, „aber bald ging auch das mangels Masse nicht mehr. Daher haben wir Mutter jetzt geraten das Geschäft zu schließen.“

Helga Harkemper nickt und lächelt das erste Mal an diesem Morgen: „Wird schon wieder, ihr habt ja Recht.“ Mit wenigen Worten lässt sie ihr Schaffen als Friseurin Revue passieren: „Gelernt hab ich damals ab 1950 im Salon Segelken in Delmenhorst. Auf Grund guter Leistungen habe ich schon nach zweieinhalb Jahren die Gesellenprüfung abgelegt.“ Nicht selten habe sie bis spät in die Nacht gearbeitet: „In Delmenhorst war ich bis 1956, dann habe ich mich als Meisterin in Wildeshausen selbstständig gemacht. Zunächst am Westertor, dann an der Pestruper Straße, und parallel hatten wir eine Zeit lang auch noch dieses Geschäft, das wir dann vergrößert und zum einzigen in Wildeshausen gemacht haben.“

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