Familienbetrieb Meyer erläutert Bürgermeister Christian Pundt Probleme der Nachhaltigkeit

Zwischen Landwirtschaft und Politik

Bürgermeister Christian Pundt steht mit den Landwirten an einem Gatter und streichelt eine Kuh.
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Eine Führung über den Hof und kritische Gespräche zwischen Bürgermeister Christian Pundt (links) und dem Landwirtsehepaar Thale und Hinrich Meyer (rechts).

Hatten – Bei frisch gekochtem Kaffee und selbst gebackenem Kuchen versucht das Landwirtsehepaar Meyer die Probleme vieler Bauern zu erläutern. Sie sprechen mit Christian Pundt, dem Bürgermeister Hattens, den sie zu einer Hofführung eingeladen haben, denn sie wünschen sich mehr Austausch zwischen Politik und den Vertretern der Landwirte. Der Grund: der vergangene Woche gebilligte Entwurf des Insektenschutzgesetzes der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Dieser verschärft die Regeln für den Einsatz von Pestiziden. Zudem werden Schutzgebiete ausgewiesen, um das Insektensterben zu reduzieren.

„Landwirtschaftlich so kaum noch nutzbar“

Das sei aber zu kurz gedacht, findet Hinrich Meyer, der den Hof 2016 von seinem Vater übernommen hat. Ein Großteil der Flächen wäre für die Bauern landwirtschaftlich so kaum noch nutzbar. „Das Insektenschutzgesetz ist fast schon eine kalte Enteignung”, sagt Meyer. Mit einem solchen Konzept entstehe ein enormer Druck auf Landwirte. „Jeden Monat kommt etwas Neues von oben. Für viele gibt es nur Nachteile, vor allem kleinere Familienbetriebe stehen so vor dem Ruin, sie gehen daran zugrunde.“

Diese wünschen sich mehr Mitspracherecht, erklärt Meyer weiter. „Die, die das bestimmen, sollten die Gesetze nicht vom Schreibtisch aus entwerfen, sondern auch mal aufs Land kommen.“ Dass alles viel zu bürokratisch laufe, findet auch Thale Meyer, Zuständige der Pressearbeit des Kreislandvolkverbandes Oldenburg. Sie erinnere sich daran, dass ihr Mann „eines Tages mit zwei dicken Ordnern unter den Armen in die Küche gekommen ist und gesagt habe, er macht jetzt Tierwohl, Tierwohl hinter dem Schreibtisch.”

Finanzieller Ausgleich

Die Meyers erläutern im Gespräch, dass bei vielen Bauern die Bereitschaft zur Veränderung durchaus da wäre. Eine Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb sei bei vielen gewünscht, aber es müsse auch in die individuelle wirtschaftliche Lage der Betriebe passen. Der im November vergangenen Jahres vereinbarte „Niedersächsische Weg“ hätte finanzielle Anreize für mehr Arten- und Naturschutz unter den Landwirten geliefert. Denn durch einen finanziellen Ausgleich könnten Maßnahmen der Bauern etwas aufgefangen werden.

Pundt, der sich selbst als einen Verfechter des „Niedersächsischen Wegs“ bezeichnet, sieht dies ähnlich: „Wenn man etwas verändern kann, dann bitte auch mit den Leuten.” Er wünsche sich mehr Transparenz in der Gesetzeslage und den Einbezug der Landwirte. „Man sollte alle gemeinsam an einen Tisch setzen und diskutieren. Denn alle müssen die beschlossenen Veränderungen mittragen können.”

Milchkühe, Bullenmast, Jungsauenaufzucht und Biogasanlage

Der Betrieb der Meyers ist divers aufgestellt. Neben 60 Milchkühen besitzen sie eine Bullenmast und eine Jungsauenaufzucht. Und in ihrem Betrieb werde schon lange auf Nachhaltigkeit gesetzt, meint der Landwirt. Neben den früh angelegten Blühstreifen entlang einiger ihrer Felder, und drei Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern ihrer Ställe, betreiben sie seit 2011 eine Biogasanlage, die mit dem eigenen Mist und der Gülle der Kühe laufe. Diese produziere so viel Energie, dass 400 Haushalte geheizt werden könnten. Dazu zähle auch das eigene Wohnhaus. Zudem könnten rund 1 100 Häuser mit Strom versorgt werden. Zu ihrem Grundstück gehört auch ein kleines Waldstück, welches eventuell unter das Insektenschutzgesetz fallen würde. Das müsse dann wohl gefällt werden, um es landwirtschaftlich nutzen zu können, droht der Landwirt abschließend.

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