Ehepaar aus Kirchhatten beherbergt Vogel-Nachwuchs

Vier junge Schleiereulen als Untermieter – und tote Mäuse

In zahlreichen Aufnahmen haben Sengespeicks die Entwicklung festgehalten.
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In zahlreichen Aufnahmen haben Sengespeicks die Entwicklung festgehalten.

Kirchhatten – Haustiere gibt es viele: Hunde natürlich und Katzen, Wellensittiche, Goldfische und Schildkröten. Eher ungewöhnlich dürften da jedoch die Tiere sein, die – buchstäblich – unter dem Dach von Sylvia und Dietmar Sengespeik in Kirchhatten wohnen. Denn dort ziehen seit ein paar Monaten Schleiereulen ihren Nachwuchs groß: Vier Junge fühlen sich in dem großen Nistkasten unter dem First des Hauses – der parallel zur Straße verläuft – nahe dem Ortskern offenbar sehr wohl und gedeihen augenscheinlich ganz prächtig. „Unsere Vierlinge“, sagt Sylvia Sengespeik. Die Freude über die inzwischen gefiederten „Untermieter“ ist ihr deutlich anzusehen.

„Natürlich sind das keine Haustiere“, sagt „Eulenvater“ Dietmar Sengespeik. Bei Vogelkundlern und Naturschützern habe er sich kundig gemacht, was im Umgang mit den Tieren zu beachten ist. So habe er unter anderem erfahren, dass es offenbar kein Problem darstelle, die Tiere zu berühren – natürlich entsprechend behutsam und ohne dem Eulen-Nachwuchs dabei Stress zu verursachen, berichtet er. Das Wohl der Tiere habe absoluten Vorrang.

In zahlreichen Aufnahmen haben Sengespeicks die Entwicklung festgehalten.

Dass die Vögel dort brüten, sei jedoch kein Zufall, erklärt der Kirchhatter. Als er das Haus vor 35 Jahren gebaut hat, sei der Nistkasten – eigens für Eulen gedacht – mit angelegt worden. Das Besondere an der Konstruktion: Die Seite zum Hausinneren besteht aus einer großen verriegelbaren Klappe. Darin ist wiederum eine kleine Luke eingelassen, hinter der eine Glasscheibe verborgen ist. Die Klappe lässt sich aber auch komplett öffnen und ermöglicht so den einfachen den Zugang zu der Niststelle.

In zahlreichen Aufnahmen haben Sengespeicks die Entwicklung festgehalten.

Auf die neuen Mitbewohner aufmerksam gemacht hätten sie die ihre Nachbarn, berichten Sengespeiks auf der Terrasse ihres naturnahen Gartens, in dem sich nicht nur die beiden Naturfreunde, sondern auch Frösche und sogar wilde Orchideen wohlfühlen. „Was ist denn da bei euch nachts unter dem Dach los“, haben die Bekannten bei einem Besuch um Pfingsten gefragt: Meist zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht könnten sie von dort laute Geräusche hören. Neugierig geworden, schaute das Paar nach dem Rechten – und entdeckte vier schneeweiße Eier. Schleiereulen legten diese nacheinander, mit ein paar Tagen Abstand, weiß Dietmar Sengespeik. Und das erkläre auch die Größenunterschiede der Küken: „Während das kleinste gerade einmal faustgroße war, maß das älteste bereits 20 Zentimeter“, schildert er. „Das ist schon ein Halbstarker geworden“, sagt der Eulenfreund und schmunzelt. „In drei Wochen fliegt er vielleicht schon weg.“

Eulenfreude: Sylvia und Dietmar Sengespeick.

Um Futter müssten sich die beiden „Gastgeber“ allerdings nicht kümmern – das besorgten die Elterntiere: Zahlreiche tote Mäuse in dem Kasten zeugten von einer guten Versorgungslage. „Mäuse gibt es genug“, weiß Sylvia Sengespeik. Von den erwachsenen Eulen sei allerdings nie etwas zu sehen. Und so kontrolliert das Ehepaar ihre „Vierlinge“, regelmäßig und behutsam, etwa auf Parasitenbefall. Und die ließen sich das auch gefallen und blieben stets ruhig, ohne sich sträuben. „Es sind aber keine Streicheltiere“, unterstreichen beide, „es sind Wildtiere und so werden sie auch behandelt.“

Wenn die jungen Vögel demnächst ihr Nest verlassen, werden sie etwas von dort mitnehmen: Denn die beiden „Herbergseltern“ haben eine Vogelwarte kontaktiert, deren Experten die Jungtiere vor Ort fachmännisch beringt haben. Was Sengespeicks danach bleibt, ist die Hoffnung, dass die Eulen im kommenden Jahr erneut bei ihnen unter dem Dach nisten und ihren Nachwuchs aufziehen werden. fra

In zahlreichen Aufnahmen haben Sengespeicks die Entwicklung festgehalten.

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