Garten-Palmen in Norddeutschland

Tropenpflanzen aus dem Kaugummi-Automaten sind ein weltweiter Exportschlager

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Ideen muss man haben: Florian Faust verkauft Palmensaatgut aus umgebauten Kaugummiautomaten. 

Sandkrug – An die komischen Blicke und die ungläubigen Nachfragen hat sich Florian Faust längst gewöhnt. Aber sie amüsieren ihn nach wie vor. Der 39-jährige Sandkruger zieht, kultiviert und vertreibt seit 2015 Palmen aller Art über das Internet – und verkauft die Samen für die Tropenpflanzen in ausgedienten, umgebauten Kaugummi-Automaten.

Den ersten hatte er vor einem Jahr probeweise in seinem Vorgarten aufgestellt, in dem zahlreiche Palmen augenscheinlich prächtig gedeihen. Mittlerweile hat er 13 dieser Geräte in Nord- und Westdeutschland aufgestellt, unter anderem einen in Bremen und zwei in Gütersloh.

Doch Moment mal – Garten-Palmen in Norddeutschland? Das ist gar kein Problem, antwortet Faust: „Man muss sich nur an ein paar Sachen halten.“ Denn wer seine Palme gut vor Nässe schützt, habe bei Frost nichts zu befürchten. Manche Arten seien problemlos bis minus zehn Grad winterfest. Die Gehölze keimt und zieht Faust auf seinem Grundstück in einem Sandkruger Wohngebiet in Regalen selber. Die kleinen Pflanzen werden dann in ein Gewächshaus nach Wardenburg gebracht und dort eingetopft. Und so lautet der Slogan seiner Firma „Flos Palmenoase“ denn auch „Kaufen, wo es wächst“. Kunden habe er „weltweit“ berichtet Faust weiter. 

Viele Palmen zieren Fausts Garten in Sandkrug.

Zu den Gewächsen sei er per Zufall gekommen, als er vor 15 Jahren mit seiner Freundin zusammengezogen sei: „Ich habe gesehen, wie schnell die Palme gewachsen ist“, erinnert er sich. Damit war sein Interesse geweckt. Mit Pflanzen hatte er vorher nichts zu tun – denn er ist nicht etwa gelernter Gärtner, sondern Lagerist. Das Wissen um die Palmen habe er sich zunächst angelesen; der Rest sei dann bei der Beschäftigung mit den Samen, Keimlingen und ausgewachsenen Pflanzen dazugekommen. Doch was fasziniert Palmen-Freunde an den Gehölzen so sehr? „Viele wollen etwas anderes haben als ihre Nachbarn“, sagt Faust, „manche wollen sich auch ein Stück Urlaub mit nach Deutschland holen.“ Und das Interesse ist ganz offenbar groß: 5 600 „Follower“ hat seine Facebook-Gruppe inzwischen, seine dazugehörige „Support“-Seite sogar 14.000. Denn er wolle nicht nur verkaufen, sondern seine Kunden auch beraten. „Wer eine hat, will dann auch mehr“, sagt der 39-Jährige und lacht.

Regalware: Die Palmen gedeihen gut in Sandkrug.

Und wer nicht warten will, bis das Paket mit den Pflanzen oder den Samen eintrifft, der kann auf Fausts Saatgut-Automaten zurückgreifen. Ein Freund habe ihn im vergangenen Jahr auf die Idee gebracht. Diese habe er zunächst in seinem Vorgarten ausprobiert. Er könne sich noch gut an die irritierten Blicke der Passanten erinnern, so Faust: „Was die damals wohl gedacht haben?“, blickt er zurück und grinst. In den umgebauten und lackierten Geräten befinden sich Kapseln mit je drei Samen aus vier verschiedenen Arten sowie eine Anleitung. In einem weiteren Verkaufsfach gibt es den passenden Dünger dazu. „Das wird super angenommen“, freut er sich über den Erfolg. Die Apparate stehen auf Grundstücken von Leuten aus seinen Facebook-Gruppen. Regelmäßig verschickt er neue Ware an die Aufsteller, alle drei Monate wird die angebotene Art gewechselt. Fortwährend kauft er alte Automaten auf, baut sie um, lackiert und beschriftet sie. „Jetzt komme ich da gar nicht mehr nach“, so Faust weiter. Allerdings seien die Alt-Geräte inzwischen selten geworden und entsprechend gefragt. 15 Standorte sind bereits in Planung, die nächsten beiden Automaten werde er in Bremerhaven und Wardenburg aufstellen.

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