Landwirte aus dem Landkreis Oldenburg schließen sich Großkundgebung in der Hauptstadt an

Mit dem Trecker zur Demo nach Berlin

Renke von Seggern steht vor seinem Trakor, an dem ein großes Plakat montiert ist.
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Landwirt Renke von Seggern macht sich am Montag auf den Weg nach Berlin.

Landkreis/Berlin – Es rumort schon länger unter den deutschen Landwirten: Ab Dienstag wollen mehrere Tausend von ihnen die Sitzungswoche des Bundestages in Berlin nutzen, abermals Kritik an diversen Verordnungen und Auflagen oder etwa den Abnahmepreisen der Einzelhandelsunternehmen zu üben – und gleichzeitig ihren Forderungen bei der Politik mehr Gehör zu verschaffen.

Verschiedene landwirtschaftliche Verbände haben deshalb zu einer Trecker-Sternfahrt in die Hauptstadt aufgerufen, um dort an insgesamt vier Tagen Präsenz zu zeigen. Auch aus dem Landkreis Oldenburg werden sich am frühen Montagmorgen Landwirte mit ihren Schleppern dorthin auf den Weg machen.

Renke von Seggern aus Dingstede von dem Aktionsbündnis „Land schafft Verbindung“ wird dann mit von der Partie sein. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert er den Ablauf der Aktion und die Motivation für die stundenlange Fahrt. „Wir starten Montagmorgen mit rund 30 Schleppern, die Anmeldungen laufen noch“, erzählt der 33-Jährige. Er rechnet mit einer reinen Fahrtzeit von rund zwölf Stunden für die 400 Kilometer lange Strecke. Gefahren werde in zwei Gruppen: eine für die Traktoren, die nur Tempo 40 fahren dürfen, die andere, deren erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 50 Kilometer in der Stunde liegt. Der Unterschied werde rund zwei Stunden ausmachen, so von Seggern, deswegen werden die schnelleren Fahrzeuge später starten. Unterwegs werden noch Gleichgesinnte aus dem Raum Syke und Diepholz dazustoßen, möglicherweise auch noch welche in Wolfsburg. Ziel ist ein Hotel in Döberitz bei Berlin. Die Unterbringung dort erfolge nach einem Hygienekonzept und sei mit den örtlichen Behörden abgestimmt, so von Seggern weiter.

„Jeden Tag eine neue Demo“

Schon am nächsten Morgen wollen sich die Demo-Teilnehmer aus dem Nordwesten dann auf den Weg zu den einzelnen Protest-Aktionen auf den Weg machen „Es gibt jeden Tag eine neue Demo“, erläutert der Landwirt. Geplant seien jeweils drei bis vier Kundgebungen im Stadtgebiet. Alle seien angemeldet, aber bislang noch nicht alle genehmigt. Geplant seien „stehende“ und „fahrende“ Aktionen. Und natürlich müssen die Teilnehmer alle Corona-Auflagen einhalten: „Die Berliner Polizei wird sehr darauf achten“, ist sich von Seggern sicher.

Und wofür gehen die Landwirte auf die Straße? „Es sind die alten Ziele von 2019“, fasst der Dingsteder zusammen. Hauptproblem für seinen Berufsstand sei weiterhin die Düngeverordnung, „die bereitet vielen große Sorgen“. So gehe es darum, dass die Umsetzung – gegen die auch Klagen der Verbände laufen (wir berichteten) – „eingefroren“ werden soll. Derweil sollen die Messstellen, die aus Sicht der Agrarier mangelhaft sind, überprüft und ein entsprechend einheitliches System in Europa geschaffen sowie Nitrateinträge, die nicht aus der Landwirtschaft stammen, berücksichtigt werden. Ein zweiter Punkt sei die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA Luft). Diese betreffe alle tierhaltenden Betriebe. Wenn diese wie geplant umgesetzt werde, müsse die Tierhaltung in Deutschland „heruntergefahren“ werden, um die Emissionen einzuhalten, sagt der Landwirt. Bei der Mast von Schweinen und Geflügel ließe sich da zwar bereits mit Filtern arbeiten, bei Rindern seien die Vorgaben aber nur durch Reduzierung der Mastzahlen zu erreichen.

Haltungsbedingungen mitbestimmen

Weniger Düngung und geringere Haltungszahlen bedeuteten letztlich geringere Erträge für die Erzeuger. Wenn das so gewollt sei sollte, müsse dies ausgeglichen werden – denn der Bedarf an Lebensmitteln werde sich nicht verringern, so von Seggern. Deutschland sei bereits jetzt schon von Importen abhängig. Da seien dann auch die Endkunden gefragt: „Wenn wir Haltungsbedingungen mitbestimmen möchten, können wir das nur vor Ort tun.“ Sonst müssten die Leute eben mit dem leben, was aus dem Ausland komme. Und wenn dort die Produktion intensiviert werde, um die Exporte nach Deutschland zu ermöglichen, verschlechterten sich dort zwangsläufig die Bedingungen – ohne, dass hier jemand darauf Einfluss nehmen könne.

Die hiesigen Landwirte könnten für die Kosten und Folgen der Auflagen finanziell nicht mehr aufkommen. Es gehe gar nicht mehr „nur“ um den Gewinn: „Wir wollen davon leben können“, so der 33-Jährige abschließend. Doch sei die Situation schon längst nicht mehr auskömmlich: „Die Not ist groß.“ Und solche Demos seien für die Landwirte die einzige Chance, sich Luft zu machen.

Von Segggern hat bereits im vergangenen Jahr in Berlin demonstriert.

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