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Holz statt Beton und Ziegelsteine

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Von: Gero Franitza

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Nur der Fahrstuhlschacht besteht aus Beton, der Rest des Hauses aus Holzbaustoffen.
Nur der Fahrstuhlschacht besteht aus Beton, der Rest des Hauses aus Holzbaustoffen. © Wübbeler

Sandkrug – Stapel von Ziegelsteinen oder das Geräusch von Betonmischmaschinen können Besucher dieser Baustelle im Sandkruger Neubaugebiet lange suchen – sie werden nichts finden. Denn das Mehrfamilienhaus, das hier entsteht, ist nahezu komplett aus Holz gefertigt. Realisiert hat das mehrgeschossige Gebäude ein Zusammenschluss dreier Hatter Firmen. Nach Angaben der Unternehmer soll das Mehrfamilienhaus in Holzrahmenbauweise das vermutlich einzige seiner Art im Landkreis Oldenburg sein.

Eines steht auf jeden Fall fest: „Es ist das einzige Holzhaus in dem Baugebiet“, sagt Manfred Bischoff, Geschäftsführer der Firma „BiMa-Finanz“. Zusammen mit Zimmerermeister Thorben Brünjes (Firma „TB Holzbau“) und Tischlermeister Jandierk Wübbeler (Firma „Natürlich Holz“) realisiert er das Gebäude.

Brünjes hat sich mit seinem Betrieb auf den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern aus Holz spezialisiert. Dass er sich jetzt an einem Wohngebäude versucht, das fünf Parteien auf 420 Quadratmetern Nutzfläche Platz bietet, ist einem unglücklichen Zufall geschuldet: Der Vorbesitzer des Grundstückes sei bei einem Unglück ums Leben gekommen, berichtet Brünjes – kurz vor Baubeginn. Da die Planungen schon weit gediehen waren, haben er und seine beiden Partner sich entschieden, das Projekt zu dritt durchzuziehen: „Wir wollten auf keinen Fall, dass es scheitert“, sagt der Zimmermann, „wir hatten schon viel Zeit investiert.“

„Keine Unterschiede“

Waren etwa Brandschutz und Schallschutz besondere Herausforderungen? „Im Prinzip ist es ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht“, sagt Brünjes und lacht. Rein funktional unterscheide sich das Ergebnis im Holzbauweise nicht von herkömmlichen Projekten. „Wir wollten zeigen, dass es geht.“ Das deutsche Baurecht unterscheide nicht zwischen Stein- und Holzbauten, so Wübbeler: Für beide gelten dieselben, einzuhaltenden Werte. Das Haus, das dem „KfW 40-plus“-Energiestandard entspricht, wird nach seiner Fertigstellung über eine Photovoltaikanlage nebst Stromspeicher versorgt und über eine Luftwärmepumpe beheizt. Zwischen den Gefachen entstehen die Wände aus speziellen Holzplatten, zwischen die dann Zellulose (aus geschreddertem Papier) als Dämmung eingeblasen wird.

Auf der Kostenseite unterscheide sich das Holzrahmenhaus nicht von seiner Konkurrenz, sagt Wübbeler. Um im Zuge der gestiegenen Bauholzpreise Kosten zu sparen, komme hier eine neue Technik zum Einsatz, ergänzt Brünjes: Verleimte Bauteile ersetzen Kanthölzer aus Massivholz. Diese ermöglichten dann platzsparende, schmalere Wände und schafften mehr Raum für Dämmmaterial.

Haus steht nach wenigen Tagen

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Haus bestünden naturgemäß einige Unterschiede, berichten die drei Geschäftspartner: So lasse sich das Baumaterial später einmal zu 90 Prozent recyceln, sagt Bischoff. Die Produktion von Beton – der neben der Bodenplatte hier nur für den Fahrstuhlschaft zum Einsatz gekommen ist – sei sehr energieintensiv. Das Holzrahmenhaus sei innerhalb von dreieinhalb Tagen (inklusive Fenstern) aufgebaut, ergänzt Brünjes. Von ungefähr kommt das natürlich nicht: Zwei seiner Mitarbeiter seien zuvor vier Wochen lang mit dem Zuschneiden der Bauteile beschäftigt gewesen. Neun Zimmerer und sechs Tischler sind bei Auf- und Ausbau in Einsatz. Nach fünf Monaten könne das Haus schlüsselfertig übergeben werden. „Es dauert ein bis zwei Jahre, bis ein normales Haus trocken ist“, zieht Brünjes einen Vergleich zu einem gemauerten Bau. Während dieser Phase müsse immer wieder gelüftet werden. Das entfalle bei einem Holzrahmenhaus hingegen vollständig.

Die Fassade lasse sich nach Belieben gestalten: „Auch verklinkern“, sagt Wübbeler. Dann unterscheide es sich nicht vom Rest der Bauten in dem Neubaugebiet. Bauen mit Holz habe sich in Norddeutschland noch nicht vollends durchgesetzt, berichtet Bischoff. In Süddeutschland sei das anders, dort setzten bereits 80 Prozent der Bauherren ihrer Projekte mit dem natürlichen Baustoff um, schätzt er. „Das muss auch vom Bauchgefühl her passen“, geht Bischoff aus Vorbehalte ein. Und eigentlich, so Wübbeler, bestehe jedes herkömmliche Haus aus einem „halben Holzrahmen“ – dem Dachstuhl.

Das Hatter Unternehmer-Trio will weiter auf das Bauen aus Holz setzen und hat sich schon Ziele gesteckt: Etwa einen Keller aus Holz, der ja ohnehin abgedichtet werden müsse – die Technik gebe es her. Was dann noch fehle, sei ein Fahrstuhl aus Holz. Bislang habe man allerdings noch keinen Hersteller davon überzeugen können, obwohl auch das machbar sei. Dann entfiele auch der bislang noch notwendige Schacht aus Beton.

Drei Männer in einem Rohbau.
Hatter Unternehmer-Trio:: Jandierk Wübbeler, Manfred Bischoff und Thorben Brünjes (v.l.) © Franitza
Ein Mann hält zwei Holz-Bauelementze in die Kamera
Platz und materialsparende Bauweise. © Franitza
Das fast fertige Holzrahmenhaus.
Der Baufortschritt nach nur fünf Tagen. © FRanitza

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