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Sandkruger wanderte im vergangenen Jahr mehr als 1 200 Kilometer

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Von: Marcel Prigge

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Matthias Bleiß am Anfang des 225 Kilometer langen Weserberglandweges im vergangenen September.
Startbereit: Matthias Bleiß am Anfang des 225 Kilometer langen Weserberglandweges im vergangenen September. © Bleiß

Immer einen Fuß vor den anderen, das selten unter 25 Kilometer pro Tag und bei jedem erdenklichen Wetter. Das Wandern, besonders die weiten Strecken, hat es dem Sandkruger Matthias Bleiß angetan. Im vergangenen Jahr seien so über einen Zeitraum von fünf Monaten mehr als 1 200 Kilometer zu Fuß zusammengekommen. Der Weg dorthin beschritt er jedoch nicht ohne Schmerzen.

Sandkrug – „2018 habe ich meinen ersten längeren Weg zu Fuß gestartet“, erzählt der 50-jährige Hobbyfußballtrainer. Auf dem Hunte-Radwanderweg sollten es drei Etappen bis zum Dümmer und anschließend zur Quelle der Hunte werden. Als ehemaliger Bundeswehrsoldat kenne er das Marschieren. „Ich habe mir einfach meinen Bundeswehrrucksack geschnappt, meinen Lederhut aufgesetzt und bin dann mit sehr viel Gepäck losgelaufen“, berichtet er. Am ersten Tag habe er mehr als 30 Kilometer geschafft, danach taten ihm seine Füße weh. Bis nach Barnstorf ging es so weiter, bis er in ein Hotel eingekehrt ist. „Ich hatte Fuß- und Knieprobleme und ordentliche Schmerzen gehabt. Meine Frau hat mich abgeholt und zusammen sind wir mit dem Auto ein Stück weit gefahren. Die letzten fünf Kilometer sind wir dann zusammen zur Quelle gegangen.“

Dieses Erlebnis habe den Ehrgeiz in ihm ausgelöst: „Ich habe einen zweiten Teil der Tour geplant“, erzählt er. Dafür habe er sich Wissen aus Büchern von anderen Weitwanderern angelesen, denn „alles, was ich falsch gemacht habe, geht in Wirklichkeit viel besser.“

Übernachten in Wetterschutzhütten

Seit dem ist Wandern seine Leidenschaft. Einige lange Strecken von mehr als 100 Kilometern – wie der Heidschnuckenweg in der Lüneburger Heide, der Herrmannsweg im Teuteburger Wald sowie der Weserberglandweg – gehen schon auf sein Konto. Übernachtungsmöglichkeiten finde er entweder in Wetterschutzhütten entlang der Wanderwege, oder im Wald mithilfe seines Zeltes.

Aber nicht nur die weiten Strecken gehe er gerne. Insbesondere die Umgebung erkunde er mit Freude. Was er daran am besten findet? „Die Naturbelassenheit und die Weite der Gegend sind schön, genauso wie die alten Buchen hier“, schwärmt Bleiß. Auch das Pestruper Gräberfeld sowie die Klosterruine in Hude seien immer wieder einen Besuch wert. Seine Lieblingswege befinden sich jedoch „ganz klar im Barneführer Holz in Sandkrug und in den Hunteniederungen“.

Auf mystischen Spuren durch Hatten

Über Facebook rufe er regelmäßig zu kleineren Wanderungen auf, um Interessierten seine selbst erstellten Routen durch das Umland nahezubringen. „Mein Anliegen ist es, irgendwann eine eigene Strecke zu etablieren.“ „Sagenhaftes Hatten“ soll sie heißen und sich mit Aberglauben, Märchen und Mythen befassen. Dafür recherchierte er in dem Buch „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg“ aus dem Jahr 1867. „Wo kommen die Steine der Hühnengräber eigentlich alle her? Na von Riesen natürlich. Und was hat es mit den Osenzwergen vor dem Sandkruger Bahnhof auf sich? Darüber möchte ich erzählen“, so Bleiß. Für eine Probetour hatte er schon einmal kleine Wegweiser mit Heftzwecken entlang des Weges angebracht. Aber: „Mein Traum ist es, die Menschen mithilfe von QR-Codes an markanten Punkten zu informieren.“

Einige Wanderer im Herbst in Sandhatten.
Über Mythen und Aberglauben in Hatten konnten sich bereits Interessierte Wanderfreunde informieren. © Andre Glazetti

Auch wenn er gerne die Ruhe in der Natur genießt, für ihn seien es die Begegnungen, die das Wandern „so spannend machen“, sagt der 50-Jährige. Einmal habe er einen Tagesausflügler auf dem Weg begleitet, berichtet er. „Wir haben uns nett unterhalten, er ist dann aber schon einmal vorgelaufen. Als ich ihn das nächste Mal aus der Ferne sah, rief er mir zu, dass man mich schon von Weitem an meinen neongrünen Walkingstöcken erkennen könne. So bin ich auf meinen Spitznamen ,Greenstick‘ gekommen.“

Unter diesem Alias dokumentiert er seine Wandereindrücke auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram. Er teile gerne Erfahrungen und freue sich, wenn er damit Menschen animieren kann, öfter in den Wald zu gehen. Gleichzeitig bittet er um Umsicht. „Möchten sich die Menschen in der Natur erholen?“ Wenn ja, dann müsse sich gefragt werden, warum man einen Wald so wahrnehmen könne, wie er vorgefunden werde. „Die Antwort darauf ist einfach: Viele Menschen lassen dort ihren Müll nicht liegen, sodass sich andere nicht darüber aufregen.“

1400 Kilometer die ehemalige innerdeutsche Grenze entlang

Im kommenden Sommer möchte Bleiß seine bisher längste Strecke antreten – „Das Grüne Band“, ein 1 400 Kilometer langer, vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland initiiertes Schutzgebiet und Fernwanderweg an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Von Tschechien bis an die Ostsee plant der 50-Jährige vorerst 72 Tage ein. „Das wird mein bisheriger Höhepunkt des Weitwanderns werden“, blickt Bleiß in die Zukunft.

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