Bauern aus der Gemeinde Hatten suchen die Diskussion mit Einwohnern – vor dem Supermarkt

Landwirte beziehen Stellung

Miteinander sprechen, nicht übereinander reden: Die Landwirte Petra Schütte-Lange, Harm Dirk Biebert, der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr, Habs Hermann Backhus, Mathias Waschka, Nicole Orth, Elke Backhus und Renke von Seggern positionierten sich vor dem Edeka-Markt in Sandkrug. Für Interessierte gab es neben Informationen auch Kostproben regionaler Produkte. Fotos: Alfs

Sandkrug – Die vergangenen Monate waren nicht leicht für Landwirte – und damit ist nicht nur das schlechte Wetter mit Ernteeinbußen gemeint. Auch die politische Großwetterlage scheint sich gegen sie zu wenden: Sei es die neue „Gülle-Verordnung“, die die Düngung weiter Landstriche auch im Oldenburger Land erschwert, oder aber die Diskussion um den Klimawandel, die Fleischproduktion oder das Herbizid Glyphosat. Im Sandkrug waren die Pläne eines örtlichen Landwirts, einen Leghennenstall nach „EU-Bio“-Richtlinien zu bauen auf massive Kritik aus der Bevölkerung gestoßen. Zu Unrecht sahen sich die Agrarier an den gesellschaftlichen Pranger gestellt – und forderten ihre Kritiker (und Nachbarn) zum Dialog auf (wir berichteten).

Gesagt, getan: Kunden des Edeka-Marktes in Sandkrug hatten am Sonnabend die Gelegenheit, die Erzeuger ihrer Produkte direkt zu befragen: Rund 20 örtliche Landwirte waren vor Ort und erzählten über ihre tägliche Arbeit auf den Höfen, berichtet das Kreislandvolk von der Aktion. „Wir Hatter Landwirte haben uns zusammengetan, weil wir mehr ins Gespräch mit den Verbrauchern kommen wollen“, erklärt Elke Backhus aus Sandkrug in dem Bericht. „Über Landwirtschaft kursieren die wildesten Gerüchte, aber nur wenige wissen, woher die Lebensmittel eigentlich stammen, die sie im Supermarkt kaufen.“ Die Bauern hatten sich am Eingang des Einzelhändlers positioniert und überreichten den Kunden Tüten mit regional erzeugten Produkten, die zudem Infomaterial mit den Beweggründen für die Aktion enthielten. „Die Aktion heute schließt sich an die vorangegangenen Demos an. Wir wollen aber nicht nur protestieren, sondern auch reden“, erläutert Backhus. „Büroarbeit nervt“ war auf einer der Postkarten zu lesen, die verteilt wurden. Gemeint damit sei, dass die steigende Dokumentationspflicht die Landwirte ersticke: „Alles muss dokumentiert werden, manches sogar fünffach. Das nimmt uns die Lust an der Arbeit“, beschreibt Landwirt Hinrich Meyer die Lage. Auch der FDP-Bundestagsabgeordneter Christian Dürr hatte die Landwirte in Sandkrug besucht und über die aktuellen Probleme diskutiert. „Dürr möchte die Anregungen mit in den Bundestag nehmen“, so das Landvolk.

„Die Gespräche waren gut“, beschreibt Thale Alfs vom Landvolk die Atmosphäre gegenüber unserer Zeitung. Und nicht nur da: „In den sozialen Medien haben wir bis zu 20 000 Leute erreicht“, freut sie sich über die Resonanz. Die Aktion werde unbedingt fortgesetzt: „Und nicht nur in Hatten.“ Demnächst werde das Landvolk wieder mit einem Info-Stand in der Oldenburger Innenstadt vertreten sein, so Alfs.

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