Klare Ansagen für die Jugend

Rap-Duo „Schattenakustik“ aus Sandkrug hat schwere Zeiten hinter sich

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Mit Poesie die Schattenseiten des Lebens durchleuchten: Daniel Kretschmann und Patrik Köhrmann.

Sandkrug - Von Gero Franitza. Ihr Name deutet es bereits klar an: „Schattenakustik“ wollen auch den düsteren Seiten des Lebens eine musikalische Form geben. Jetzt hat das Duo, bestehend aus Patrik Köhrmann (31) und Daniel Kretschmann (30), sein neues Album vorgelegt. Es trägt den Titel „Schubladendenken“. Mit ihm erhoffen sich die beiden Musiker, ein größeres Publikum anzusprechen.

Die beiden Künstler kennen sich buchstäblich von Kindesbeinen an. „Wir sind in der gleichen Straße aufgewachsen und haben schon zusammen im Sandkasten gespielt“, berichtet Köhrmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Zum Rappen und zur Hip-Hop-Musik sei er bereits mit 14 Jahren gekommen. Damals war es ein Schulprojekt, in dem ein erster Song entstand. Der Umgang mit Sprache sei ihm wichtig gewesen, um Inhalte zu transportieren, ergänzt der 31-Jährige. Deswegen rappe er auch auf Deutsch. 

Mit dem oft großspurigen oder frauenfeindlichen Texten bekannter deutscher Rapper haben seine Zeilen allerdings nichts zu tun: Er setze seine Art von Poesie dagegen und wolle zum Nachdenken anregen, meint Köhrmann. „Uns ist wichtig, zu transportieren, dass es auf das ankommt, was man selber ist“; beschreibt er, „und nicht dem hinterherzulaufen, was angesagt ist oder sich von anderen lenken lässt.“ Das sei die Botschaft, die „Schattenakustik“ der Jugend mitgeben möchte.

2002 veröffentlichten die beiden Freunde das erste mal ihre Musik, 2006 folgte das erste Mini-Album. Doch die Zeit ging ins Land, das Umfeld der Freunde entwickelte sich weiter, sagt Köhrmann - und sie stellten plötzlich fest, dass sich bei ihnen nicht viel verändert hatte: „Wir haben viel Zeit vergeudet, in der wir hätten auftreten können.“ Keine gute Zeit für die Freunde und ihre Musik.

Ein einschneidendes Erlebnis riss sie 2015 aus dieser, wie Köhrmann es selber offen nennt, „Lethargie und Stillstand“. Und es sollte auch ihre Einstellung zur Musik verändern. Ein Rentner, der die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, hatte die beiden am Sandkruger Bahnhof angefahren und schwer verletzt. Drei Tage lag Köhrmann auf der Intensivstation. Das Trauma und Spätfolgen des Unglücks begleiteten die beiden noch lange. 

„Doch damals haben wir gemerkt, wie wertvoll das Leben ist.“ Sie entschieden, ihre Kunst nicht weiter nur für sich zu machen - sondern hinauszugehen. Und das buchstäblich: „Wohnzimmerkonzerte im ganzen norddeutschen Raum“, nennt der Rapper - nicht nur die Musik über das Internet verbreiten. Bis auf einen Produzenten, der beim Fertigstellen der Stücke hilft, machen die beiden Sandkruger weitgehend selber: „Wir sind eine Zwei-Mann-Armee“, sagt Köhrmann.

Dass sie damit sogar im nicht-deutschsprachigen Raum ankommen, haben die beiden über das Internet erfahren. „Leute aus Frankreich oder den Niederlanden melden sich bei uns, weil ihnen gefällt, was wir machen“, erzählt der Sandkruger. 

Silvester 2018 ging eine E-Mail aus Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) bei ihnen ein. Der Verfasser lobte die Arbeit der beiden, so Köhrmann abschließend. Und mehr noch: Er nahm die Arbeit der „Schattenakustiker“ zum Anlass, seine eigene Musik wieder aufzunehmen - mit Erfolg. Im vergangenen Jahr sei daraus eine „richtig gute Freundschaft“ entstanden, die bereits mehrere musikalische Früchte trug.

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