Landkreis Oldenburg stattet Jugendliche aus bedürftigen Familien mit Laptops aus

„Homeschooling“ – möglichst ohne Verlierer

Jost Friedebold (links) und Dirk Bold (rechts, Mitte) stellen mit Mitstreitern und Jugendlichen der Wissenswerkstatt die Laptops vor.
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Jost Friedebold (links) und Dirk Bold (rechts, Mitte) stellen mit Mitstreitern und Jugendlichen der Wissenswerkstatt die Laptops vor.

Kirchhatten/Landkreis – Als die Coronakrise einsetzte, war nicht zuletzt die Schließung der Schulen ein großer Einschnitt für Kinder und Jugendliche. Was für die Erwachsenen das „Homeoffice“ war, also die Arbeit über das Internet von zu Hause aus, sollte f��r sie das „Homeschooling“ sein. Wenn auch keine Fortsetzung des regulären Unterrichts über das Internet, aber dennoch fortlaufende Angebote von Lerninhalten und das Kontakthalten zu der Bildungseinrichtung, Lehrern und Mitschülern. Doch das war – und ist – alles nicht so einfach, wie es klingt.

„Ein Smartphone haben alle Schüler, aber einen Computer nicht“, sagt Jost Friedebold, Teamleiter des Projekts „Jugend stärken im Quartier“, das die Volkshochschule Hatten-Wardenburg im Kreisgebiet umsetzt. Daher wurde das Programm um den Aspekt „Digital durchstarten“ erweitert: Dabei sollen für das Jugendamt des Landkreises Oldenburg bis zu 200 ausgediente Laptops – gespendet von Firmen oder Privatleuten – in Repaircafés aufbereitet und bedürftigen Schülern zur Verfügung gestellt werden, berichtet er bei einem Pressetermin am Dienstag in der „Wissenswerkstatt“ in Kirchhatten. „Homeschooling“ werde auch weiterhin von Bedeutung sein, erklärt der Projektleiter. „Das ist eine Umbruchphase.“ Umso gravierender sei es dann, wenn die Schüler nicht über ein geeignetes Gerät verfügten. Viele wüssten zudem nicht mit den gängigen Programmen umzugehen. Und auch das hätten die Gespräche mit den Empfängerfamilien ergeben: Insbesondere im ländlichen Raum hapere es oft an einer geeigneten Internetanbindung.

Die ersten zwölf Geräte haben Henri van de Velde und seine Mitstreiter in den Reparaturtreffs im Landkreis und in der Stadt Oldenburg jetzt überarbeitet, sodass sie an die Schüler übergeben werden können. Dazu lösche er zunächst die Festplatten vollständig auf sichere Art und Weise mit einem professionellen Programm – Spender müssten sich also keine Gedanken darüber machen, dass eventuell private Daten verbleiben und in die falschen Hände gelangen, berichtet der ehrenamtliche Helfer. Dann überarbeitet er die brauchbaren Geräte, rüstet sie auf und spielt das Betriebssystem Windows 10 und weitere Software auf, darunter ein Office-Paket mit Textverarbeitung und Präsentationssoftware. 40 Geräte seien seit dem Aufruf im Juni eingegangen. „Da war auch viel Elektroschrott dabei“, sagt van der Velde.

Die Aktion, gefördert vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben und dem Landkreis Oldenburg, soll den Schülern helfen und gleichzeitig die Schulen entlasten: Für letztere wäre es gar nicht leistbar, eine Ausleihe der tragbaren Computer zu organisieren, dies zu überwachen sowie sich um die Betreuung der Geräte und der Schüler zu kümmern. „Wir wollen den Schülern die Laptops nicht nur in die Hand drücken“, erläutert Dirk Bold vom Kreis-jugendamt. So erhalten die Jugendlichen ab zwölf Jahren Einweisungen von speziellen Dozenten, auch Sprachmittler stünden bei Bedarf zur Verfügung. Eine telefonische Hotline bietet wöchentliche Gesprächszeiten an, und bei Bedarf könnten sogar individuelle Kurse gestaltet werden. Die Geräte werden verschenkt, nach einem halben Jahr habe sich der Landkreis allerdings ausgebeten, noch einmal nachzufragen ob die Geräte noch da seien.

Allerdings hatten die Organisatoren mit mehr gespendeten Geräten gerechnet, so Friedebold. Doch aufgrund der ebenfalls verstärken Heimarbeit im beruflichen Bereich würden gegenwärtig sicherlich mehr Laptops genutzt als sonst. Unerwartet sei auch die Rückmeldung der Schulen im Landkreis gewesen: Nur neun von 20 hätten auf die Anfrage der VHS geantwortet, die Gymnasien seien die Ersten gewesen. „Es haben sich auch Schulen gar nicht gemeldet, von denen wir dachten, dass sie Hilfe brauchen“, so Friedebold. Die Hauptschulen seien dahingehend quasi „abgehängt“, mit anderen Aufgaben ausgelastet, vermutet er. Insgesamt lägen 100 Anfragen vor. Das Projekt läuft noch bis zum Ende des Halbjahres.

Wer Laptops spenden möchte, kann sich an Friedebold wenden: Er ist unter der Telefonnummer 0151/54907323 oder per E-Mail an friedebold@vhs-ol.de zu erreichen. Die Geräte sollten Windows 10 unterstützen, WLAN-fähig sein und über ein mindestens 14 Zoll großes Display verfügen. Bei Bedarf können Geräte auch abgeholt werden. Darüber hinaus sind im Landkreis vier Sammelstellen eingerichtet worden, darunter im „Jott Zett“ in Wildeshausen und im Quartierszentrzum im „Zeppelin“ in Ahlhorn.  fra

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