Riesengroße Spendenbereitschaft: Verein sammelt für Walporzheim

Hatten hilft: Gezielte Hilfe für eine verwüstete Ortschaft

Trümmer und Schlamm in  Walporzheim.
+
Trümmer und Schlamm: In Walporzheim bot sich den beiden Helfern aus dem Landkreis Oldenburg ein Bild der Verwüstung.

Hatten/Landkreis – Es hat keine 48 Stunden gedauert, da war der erste 40-Tonnen-Sattelzugauflieger komplett mit Hilfsgütern beladen. Unter anderem mit Tausenden dringend benötigten Wasserkanistern, einem größeren Tank (IBC Container), einem fabrikneuen aufblasbaren Katastrophenzelt samt Kompressor und Stromaggregat, Lebensmitteln, diverser Kleidung, Reinigungsmitteln und vielem mehr. Sortiert, verpackt, beschriftet und abfahrbereit. Der Aufruf des Vereins „Hatten hilft“ am Sonnabend für die Hochwasseropfer hat ein riesiges Echo der Hilfsbereitschaft ausgelöst – nicht nur in der Gemeinde selber, sondern im ganzen Landkreis und weit darüber hinaus, berichtet die Vereinsvorsitzende Katja Radvan. Privatleute und Firmen haben gespendet.

Als Annahmestelle dient das Grundstück am Twiestweg in Hatten, auf dem unter anderem Arne Meyer mit seiner Spedition und Sven Hirmke mit seiner Werkstatt ansässig sind. Beide machen bei der Aktion mit: Hirmke hat unter anderem ein Teil seines Betriebes als Basislager zur Verfügung gestellt – dort werden die Spenden entgegengenommen, gesichtet, sortiert und verpackt. „Hier stand am Sonntag alles voller Autos“, berichtet Hirmke am Montagmorgen von der großen Spendenbereitschaft. 30 Helfer waren insgesamt im Einsatz, um alle Eingänge zu sortieren. Meyer wird den Sattelzug in die notleidende Region fahren. Ein zweiter Auflieger werde gerade mit weiteren Waren beladen, sagt Hirmke. Während Radvan und er die Situation schildern, fährt ein Auto vor, ein Mann liefert Spenden ab. „Braucht ihr noch Hilfe?“, fragt er. „Ich habe morgen frei und kann hier mit anfassen“, sagt er. Gesagt, vereinbart.

Helfende Hände sind jetzt gefragt. Und so ist auch die Hatter Aktion ins Rollen gekommen, schildert Radvan: Mathias Waschka, Ortsbrandmeister von Sandhatten, sei vor vier Tagen zusammen mit seinem Sohn in das Katastrophengebiet gefahren. Genau gesagt nach Walporzheim, einem kleinen Ort der ein Teil, der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist. Drei Tage lang haben die beiden unter anderem mit einem Kleinbagger an den ersten Aufräumarbeiten teilgenommen. In einem Video auf seiner Facebook-Seite schildert Waschka seine Eindrücke: Die Leute stehen vor dem Nichts. Es fehlt im Moment an allem: Energieversorgung ebenso wie Kleidung, Nahrung und vor allem Schaufeln, Spaten, Hacken, Reinigungsmittel. Die Hatter Hilfe soll deswegen gezielt für diesen Ort sein: Waschka hatte Kontakt zu dem Ortsvorsteher bekommen.

Nicht jeder Transport kann in das Gebiet vordringen

Und genau das sei wichtig, so Radvan und Hirmke. Da die Situation so unübersichtlich ist, werden nicht alle Hilfslieferungen in die Region gelassen, wenn sie denn kein konkretes Ziel haben. Das sei in diesem Fall ein großer Vorteil: Denn so könne Meyer den Transport am Freitag gezielt abliefern. Die Unterstützung kommt direkt an und wird erwartet. Während sie erzählen, klingelt Radvans Telefon nahezu im Minutentakt: Anrufer wollen wissen, was benötigt wird und wie sie helfen können. Wenig später fährt Jan-Hendrik Hunfeld vor, das Auto des Fußball-Trainers der TSG Hatten-Sandkrug ist beladen mit Spenden von Vereinsmitgliedern.

In Hirmkes Werkstatt sind am Montagvormittag gegenwärtig fünf Frauen damit beschäftigt, die Eingänge zu sichten und sortieren. Kartons stehen bereit für Damen-, Herren- und Kinderkleidung, Lebensmittel für Menschen oder Tierfutter. Die Kartons und größere Gegenstände werden mit Folie umwickelt. Eine der Helferinnen ist Christina Helmer. „Die Leute haben ihre Existenz verloren“, macht sie ihre Motivation klar. Wer gerne in seiner Ortschaft für die Aktion sammeln möchte, aber nicht in der Lage sei, Material an der Sammelstelle in Hatten anzuliefern, solle sich beim Verein melden. „Der Transport ist kein Problem“, sagt sie. Was darüber hinaus gebraucht werden könnte, ergänzt Hirmke, wären vielleicht „Spenden“ von Kindern für Kinder: Kurze „Mutmachbriefe“ oder ein Bild, damit sie sich in dem Unglück nicht so einsam fühlen“. 

„Hatten hilft“

Die Annahmestelle am Twiestweg 5 in Hatten ist am Dienstag von 10 bis 12 Uhr und von 17 bis 19 Uhr geöffnet, am Mittwoch und am Donnerstag (dem letzten Annahmetag vor der Fahrt nach Walporzheim) von 10 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr.

Der Verein nimmt auch Geldspenden entgegen, die zweckgebunden und gebündelt auf das Spendenkonto für Walporzheim überwiesen werden sollen: „Hatten hilft e.V.“, Landessparkasse zu Oldenburg IBAN: DE12 2805 0100 0093 5629 32; BIC: SLZODE22XXX. Verwendungszweck: Spende Hatten hilft – Katastrophenhilfe. Überweisungen per „PayPal“ an info@hatten-hilft.de.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins oder direkt bei der Vereinsvorsitzenden Radvan unter der Telefonnummer 0173/2348748. Der Verein kann Spendenquittungen ausstellen.

Organisieren und packen mit an: Swantje Spies, Steffi Ötken, Joana Meyer, Sven Hirmke, Katja Radvan, Christina Helmer sowie Alexandra Marquard mit Töchterchen Lia (v.l.).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht
Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor

Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor

Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor
„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer

„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer

„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer
85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

Kommentare