GEW: Kreisverband kritisiert Stellungnahme des Landesvorstands/Referentin berichtet über bessere Rahmenbedingungen für ein Gelingen der Inklusion

Schulgesetz sorgt für Zwist innerhalb der Lehrergewerkschaft

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Astrid Müller hielt bei der Mitgliederversammlung in Kirchhatten einen Vortrag über das Thema Inklusion.

Landkreis/Kirchhatten - Der Kreisverband Oldenburg-Land der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt sich gegen seinen Landesvorstand. Letzterer hatte eine Stellungnahme herausgegeben, die die rot-grüne Landesregierung für ihre Schulgesetzreform lobt und Kritiker zu „Gegnern der Regierung“ abstempelt.

Dazu verabschiedete der Kreisverband bei seiner Mitgliederversammlung einen Kommentar. Zu der Stellungnahme des Landesvorstands heißt es dort: „Damit verhindern die Verfasser Gespräche und eine ernsthafte Diskussion, sie gehen polarisierend vor. Wir meinen: Verschiedene Strömungen und Gedanken müssen ausgehalten werden. Sie sollten konstruktiv einbezogen werden und können so die Inhalte auch voranbringen.“ Grundlage der Diskussion war neben der Stellungnahme selbst und einem Artikel darüber in der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ die Kritik des Kreisverbandsmitglieds Karl-Ernst Löwe. Der hatte es in einem Leserbrief als „beschämend“ bezeichnet, wie „willfährig“ der Landesvorstand die Regierung bei der Schulgesetznovelle „über den grünen Klee lobt“. Gleichzeitig würden Kritiker innerhalb der GEW „immer mehr an den Rand gedrängt“. Daneben schimpfte Löwe über die in der Stellungnahme formulierte Kritik, „dass die Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache nicht zügiger auslaufen“.

Er ist vielmehr der Meinung, „dass Inklusion, so wie sie geplant ist, zu einem Fiasko für die leistungsschwächeren Schüler werden muss, dass sie für die beteiligten Lehrer zu erheblicher (unbezahlter) Mehrarbeit führt und dass sie dennoch pädagogisch völlig frustrierend, weil weitgehend erfolglos verlaufen wird“.

Dass die Rahmenbedingungen an den Schulen derzeit nicht geeignet sind, allen Kindern die von ihnen benötigten Hilfestellungen zu gewährleisten, befand auch Astrid Müller. Die Vorsitzende der Fachgruppe Sonderpädagogik im GEW-Bezirksverband Weser-Ems hielt einen Vortrag mit dem Titel „lnklusion: Probleme überwiegen! Wie soll es weitergehen?“ Darin verwies sie auf den Umstand, dass ein gegliedertes Schulsystem einer gemeinsamen Beschulung aller Kinder widerspräche. Hinzu käme, dass Lehrkräfte keiner Schulform auf die schwere Aufgabe, Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, Lern- und Verhaltensproblemen gemeinsam zu unterrichten, ausreichend vorbereitet worden seien.

Vor diesem Hintergrund stellten die Referentin und die teilnehmenden Kollegen die derzeitigen Bedingungen in den Schulen vor und diskutierten darüber. Müller berichtete, dass viele Kollegen wegen einer katastrophalen personellen Ausstattung der Schulen an die Gewerkschaft herantreten würden. Neben der schlechten Vorbereitung der Lehrkräfte thematisierten die Teilnehmer auch die mangelhafte Versorgung der Schulen mit weiterem qualifiziertem Personal. Auch deren Ersatz durch Integrationshelfer stieß auf Kritik.

Bei der Frage, welche Rahmenbedingungen an den Schulen benötigt würden, um tatsächlich dem Anspruch der Inklusion gerecht werden zu können, hatte Müller klare Vorstellungen. Demnach müsse das gegliederte System abgeschafft und die Schullandschaft neu gestaltet werden. Daneben müsse der größte Teil des Unterrichts durch eine Doppelbesetzung abgedeckt sein. Zudem forderte sie kleinere Klassen, die flexibel unterteilt werden können.

ten/jb

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