Podiumsdiskussion mit fast 100 Teilnehmern 

FDP gegen Düngeverbot neben Gewässern

Kirchhatten - Führt eine derzeit diskutierte Neufassung des Niedersächsischen Wassergesetzes zum Verlust erheblicher landwirtschaftlich genutzter Flächen? Diese Frage brachte kürzlich fast 100 Zuhörer zu einer Podiumsdiskussion in den Schützenhof in Kirchhatten, teilte der FDP-Bezirksverband Oldenburg mit, der eingeladen hatte.

Der Gesetzentwurf stammt von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Es ist vorgesehen, auf einem fünf Meter breiten Streifen entlang von Gewässern auf Düngung und Pflanzenschutz zu verzichten. Problematisch für viele Bauern ist, dass unter „Gewässer“ in diesem Zusammenhang auch Gräben zwischen zwei Feldern fallen. In Kirchhatten diskutierten der Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen/Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Godehard Hennies, der Kuratoriumsvorsitzende der Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg, Michael Feiner, der auch für die FDP im Kreistag sitzt, sowie der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe.

Letzter ist selbst Landwirt und zeigte sich laut Mitteilung ausgesprochen kooperativ. Er sicherte zu, dass die Bauern beim Schutz des Wassers mitziehen: „Wir Landwirte leben doch selber im ländlichen Raum, unsere Kinder auch. Wir haben ein eigenes Interesse an sauberer Natur und an sauberem Wasser.“ Einem grundsätzlichen Abstand von fünf Metern zu allen Gräben lehnte er jedoch ab. „Das bringt uns nicht ans Ziel. Es führt aber zu einer kalten Enteignung niedersächsischer Landwirte und dem Verlust von bis zu 80 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche,“ so Gruppe. Damit liegt er nicht weit von der Position des Landvolks entfernt, das ebenso stets von Enteignung im Zusammenhang mit dem Gesetz spricht.

Sauberkeit des Grundwassers ebenfalls Thema

Wasserverbandsvertreter Hennies erweiterte das Thema und meinte, dass es nicht nur um Oberflächengewässer ginge, sondern insbesondere um die Sauberkeit des Grundwassers. Dabei stellte er die Reinigungsleistung der Böden heraus. Diese seien landesweit aber sehr unterschiedlich, weswegen er von einem generellen Abstand von fünf Metern zu allen Gewässern und Gräben nichts halte. 1991 habe es die Nitratrichtlinie gegeben, 2000 die Wasserrahmenrichtlinie. Geschehen sei in der Folge zu wenig, beklagte er. Hennies nahm dabei die Landwirtschaft in die Pflicht und appellierte gleichzeitig an die Politik, mehr für den Vertragsnaturschutz zu tun. Dabei würden Bauern für Bewirtschaftungsauflagen angemessen entschädigt.

Das sah Feiner von der Naturschutzstiftung ebenso. „Freiwillige Kooperationsmaßnahmen wie Blühstreifenprogramme funktionieren auch bei uns im Landkreis hervorragend“, wusste er zu berichten.

Der FDP-Bezirksvorsitzende und Ganderkeseer Landtagsabgeordnete, Christian Dürr, unterstrich diese Forderung: „Die pauschalen fünf Meter, die der Umweltminister einführen will, werden uns bei der Gewässerqualität kein Stück voran bringen. Wir brauchen mehr Vertragsnaturschutz und auch eine Verbringung der Nährstoffe in Form von Gülle in andere Teile Niedersachsen, in denen akuter Mangel herrscht und teurer Kunstdünger eingesetzt werden muss.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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