Zweitägiges Festival in Dingstede / Aus einer lustigen Idee zweier Freunde ist inzwischen weitaus mehr geworden

Feste feiern wie die Osenzwerge

Kleinkunstpreis: Nur dem Erstplatzierten gebührt der „Goldene Ose“. J Fotos: Cernota/Franitza (1)

Sandkrug/Dingstede - Sie sind umtriebig, weltoffen, kontaktfreudig, kunstsinnig und feiern gerne – und sie stammen ursprünglich aus der direkten Umgebung von Sandkrug: Die Osenzwerge. Am ersten Novemberwochenende veranstalten sie in Dingstede die zweiten „Osenfestspiele“ – mit Musik und Kleinkunst. Dabei bedienen sie sich menschlicher Hilfe. Unter anderem einmal mehr der von Johannes Cernota.

Der 63-Jährige ist Konzertpianist, Maler, Zeichner und Skulpteur. Wenn man ihn ruhig und voller Überzeugung von dem Zwergenvolk erzählen hört, mag man fast glauben, dass es die kleinen Mythenwesen tatsächlich gibt. Das Ganze ist natürlich ein großer Spaß – so sind die Osenzwerge, wie sich heute zeigen, auch erst vor etwas mehr als 20 Jahren in die Welt gekommen: als lustige Idee zweier Freunde. Und die ist es bis heute geblieben.

Cernota und sein Freund Wolfgang Jansen, der in Karlsruhe unter anderem als Kabarett-Texter tätig ist, haben sich die unterhaltsamen Zwergenverse, bewusst für Erwachsene, ausgedacht. Damit sei er damals an die Gemeinde Hatten herangetreten – doch die hatte kein Geld zur Umsetzung des Projekts. „Also haben wir erst einmal ein Kalender herausgegeben“, erinnert er sich. Die erste Ausgabe hatte 24 Exemplare, alle in Handarbeit hergestellt. Die nächste Auflage war dann schon doppelt so groß, berichtet der Künstler weiter. Die Osenwesen kamen an – ihr Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.

Die Zwerge selbst gibt es aber schon wesentlich länger, weiß Cernota zu berichten. Die Sagengeschichten aus der Region, die sich um sie rankten, seien unter anderem von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben worden. „Mit viel Fantasie haben wir daraus die Osenzwerge gemacht.“

Beide Freunde stehen in ständigem Kontakt und arbeiten an – oder sollte man sagen: für? – die gewieften Berg-, beziehungsweise Dünenbewohner. Denn das Wort „Os“ steht für eine Sanddüne – und eben diese prägten einst die Landschaft rund um Sandkrug. Bis Menschen dort anfingen, die Region urbar zu machen und Bäume zu pflanzen. Während Cernota vor allem für die Zeichnungen zuständig ist, steuert Jansen aus dem Südwesten die Texte bei. Auf witzige Wortspiele mit der Silbe „Os“ muss sich der Leser bei der Lektüre gefasst machen, sie finden sich zuhauf: die Osterinseln, das Land Osambik, die Stadt Osaka oder die Osenberger Blaskapelle „Die toten Osen“. „Wir arbeiten parallel zueinander“, beschreibt der Sandkruger. Die Texte des einen regen den anderen zu einer Zeichnung an, und umgekehrt. „Wir haben einfach Spaß. Und aus der Freundschaft entsteht so ein Produkt. Das ist einfach schön“, meint Cernota, und seine Zufriedenheit ist ihm dabei anzumerken. Doch sind die „kleinen Leute“ nicht die einzigen Figuren, die Cernota und Jansen ersonnen haben: Denn da sind noch ihre Gegenspieler, die Hunteriesen. Allerdings haben die Osenzwerge sie vor langer Zeit in der „Schlacht von Colnrade“ besiegt und unterworfen. Seitdem sind die tumben Lulatsche vertraglich verpflichtet, ihnen zu dienen. „Die Hunteriesen sind nicht mit viel Verstand gesegnet“, beschreibt der Zeichner die großen Wesen von der anderen Seite des Flusses. „Aber sie merken das nicht. Deswegen sind sie zufrieden mit der Welt.“

Und zwar einer, in der es immer mehr Osenzwergisches gibt: neben einem bebilderten Buch und zwei kleinen Fibeln (darunter „Die Erfindung des Boßelns“) nicht zuletzt eine bronzene Skulpturengruppe am Sandkruger Bahnhof. „Die Leute hatten ihr eine schlechte Zukunft vorausgesagt“, blickt Cernota zurück. Doch wurden die 85 Zentimeter hohen Bronzefiguren bislang weder beschädigt noch beschmiert. Warum? „Die Gemeinde steht absolut dazu“, befindet Cernota – und die Osenzwerge seien zu Identifikationsfiguren geworden. So mag es nicht verwundern, dass sie ihre eignen Getränke haben: Weine (natürlich inklusive einem „Osé“), ein Bier namens „Osenbräu“ und diverse „Spirituosen“. Die Produkte werden lokal verkauft, aber auch in den umliegenden Gasthäusern ausgeschenkt.

Im Dingsteder Krug veranstalten die wackeren Zwerge am Freitag und Sonnabend, 2. und 3. November, ihre zweiten „Osenfestspiele“. Der erste Abend ist eine Kleinkunstgala. Drei Teilnehmer, die Musik-Kabarettistin Liza Kos, der Bauchredner und Comedian Frank Lorenz sowie der schottische Zauberer Braidon Morris, wetteifern um den Sieg. „Es ist ein Publikumspreis“, erläutert Cernota. Zu jedem Ticket gibt es eine Stimmkarte. Nach dem dritten Auftritt können die Zuschauer abstimmen. Neben Ruhm und Ehre winken den Künstlern natürlich auch Preise: Der Sieger darf den „Goldenen Osen“ mit nach Hause nehmen, für Platz zwei und drei gibt es einen Zwerg in Silber oder Bronze. Cernota hat die kleine Skulptur entworfen, die Trophäen entstehen als Kunstguss und sind farbig lackiert. Der zweite Abend steht im Zeichen des „Osen-Festballs“, abermals im Dingsteder Krug. Dort tritt die Partyband „Smaaties“ auf. „Es gibt Tanzpausen“, sagt Osenchronist Cernota abschließend. „Das ist ganz wichtig, damit der gesellige Schnack nicht zu kurz kommt.“ Die Eintrittskarten zur Gala kosten im Vorverkauf wie an der Abendkasse 25 Euro. Es gibt nur noch wenige Resttickets. Die Teilnahme am Gesellschaftsabend kostet im Vorverkauf zwölf Euro, an der Abendkasse 14 Euro. Billets sind im Rathaus Kirchhatten oder im Bürger-Service-Büro in Sandkrug erhältlich. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ist in beiden Fällen bereits ab 18 Uhr.  J fra

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