Erster Bericht zum Flugzeugabsturz bei Hatten/Obduktion liefert keine Hinweise

Die letzten Minuten vor dem „fürchterlichen Rums“

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In unmittelbarer Nähe zur Autobahn 28 bei Hatten stürzte das Flugzeug mit vier Insassen am 12. April ab. Archivfoto: dpa

Hatten/Braunschweig - Von Karsten Tenbrink. Es sollte ein einstündiger Rundflug werden, doch schon nach etwa 920 Metern stürzte die Cessna in unmittelbarer Nähe zur Autobahn 28 bei Hatten ab. Der Pilot, Kirchseeltes Bürgermeister Walter Raem, starb. Die drei anderen Insassen des Flugzeugs verletzten sich schwer.

Die Umstände des Unglücks, das sich vor knapp vier Monaten ereignet hat, beschäftigen die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig noch immer. Am Mittwoch veröffentlichte sie einen Zwischenbericht.

Anhand der Zeugenaussagen lassen sich die letzten Minuten vor dem Absturz inzwischen halbwegs rekonstruieren: Um 13.22 Uhr startete Raem mit seinen drei Passagieren auf der Piste 06 des Flugplatzes Oldenburg-Hatten. Er hatte sich bewusst für diese Startbahn mit einer nutzbaren Länge von 666 Metern entschieden. Der Flugleiter hatte ihn nach eigenen Angaben darüber informiert, dass die Piste 24 in Betrieb sei, heißt es in dem Zwischenbericht der BFU. Doch Raem zog die andere Bahn vor.

Einer der Passagiere berichtete, dass das Flugzeug daraufhin an den Pistenanfang rollte und Raem dort den Motor für etwa zwei bis drei Minuten warmlaufen ließ. Dabei beobachtete er den Windsack. „Laut den Wetteraufzeichnungen am Flugplatz kam der Wind den ganzen Tag aus 240 Grad mit einer Stärke von zehn bis 15 Knoten“, hält die BFU fest, „zum Zeitpunkt des Starts sei es windstill gewesen.“ Auch das hatte der Flugleiter dem Piloten vor dem Start mitgeteilt. Die Luftbewegung muss zu diesem Zeitpunkt ziemlich wechselhaft gewesen sein. Noch während des Starts soll Raem laut Aussagen eines Passagiers über den Wind gesagt haben: „Er hat sich schon wieder geändert.“

Ein Toter bei Flugzeugabsturz an Autobahn 28

Der Flugleiter beobachtete, wie das Flugzeug abhob. Die Stelle, an der eine Markierung den Piloten anzeigt, dass sie die Hälfte der Piste erreicht haben, hatte die Cessna bereits passiert. Einer der Passagiere gab an, dass die Maschine „nach dem Abheben leicht durchgesackt und über dem See kurz nach links gekippt“ sei, heißt es im Bericht der BFU. Dann habe er Kratzgeräusche wahrgenommen und unmittelbar darauf „gab es einen fürchterlichen Rums“, wird der Zeuge zitiert. Das Flugzeug war mit Büschen und Sträuchern kollidiert und anschließend in die Böschung eines Wassergrabens unmittelbar an der Autobahn 28 geprallt.

Abschlussbericht erst in einigen Monaten

Auch die Schäden an der Cessna sind in dem Zwischenbericht genau dokumentiert. Unter anderem waren die Zelle gestaucht und das Triebwerk in den vorderen Kabinenbereich gedrückt worden. Ein Propellerblatt war nach hinten verbogen, die rechte Tragfläche nach hinten abgeknickt, die Flügelstrebe abgerissen.

Zur Frage nach der möglichen Absturzursache macht die BFU weiterhin keine Angaben. „In dem Zwischenbericht werden nur Fakten aufgeführt“, erklärte Sprecher Jens Friedemann. „Die Analyse erfolgt erst im Abschlussbericht.“ Dieser sei jedoch erst „in einigen Monaten zu erwarten“, schätzt Friedemann.

Das Flugzeug, Baujahr 1980, hatte zum Zeitpunkt des Unglücks eine Betriebszeit von 6049 Flugstunden absolviert. Lufttüchtigkeitsprüfung und Wartungskontrolle waren noch gültig. Raem hatte laut seinem persönlichen Flugbuch eine Gesamtflugerfahrung von 441 Stunden, allein in den vergangenen zwölf Monaten vor dem Absturz hatte er 15 Mal abgehoben und war insgesamt neun Stunden in der Luft gewesen. Auch Spekulationen, dass gesundheitliche Probleme bei dem 69-jährigen Piloten zu dem Unglück geführt haben könnten, bestätigten sich nicht: „Die Obduktion ist abgeschlossen und hat keine Hinweise auf die Ursache des Absturzes ergeben“, erklärte Polizeisprecher Andre Wächter auf Nachfrage.

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