Landesforsten sammeln in diesem Jahr im Hasbruch viel weniger Eicheln als üblich

Ernte vorzeitig abgebrochen

Abwiegen: Forststudentin Ricarda Grunwald und Forstwirt Klaus Scheffer sind über die magere Eichelernte enttäuscht.
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Abwiegen: Forststudentin Ricarda Grunwald und Forstwirt Klaus Scheffer sind über die magere Eichelernte enttäuscht.

Ganderkesee/Hude – Im Hasbruch sind in der vergangenen Woche Eicheln für die Nachzucht junger Bäume gesammelt worden. Fünf Tonnen auf einer Eichensaatgutfläche von dreizehn Hektar waren das eigentliche Ernteziel. Doch nach zwei Tage musste die diesjährige Ernte eingestellt werden. „Leider hat der Starkregen vom vergangenen Wochenende verbunden mit enormem Laubfall die Eicheln so zugedeckt, dass der Sammelerfolg deutlich erschwert wird. Zudem trauen sich wegen der Corona-Beschränkungen weniger Sammler in den Wald als in anderen Jahren“, berichtet Revierförster Jens Meier in einer Mitteilung der Niedersächsischen Landesforsten. Er organisiert die Aktion.

Nach zwei Sammeltagen sei die Saatguternte letztlich eingestellt worden, das Ergebnis sind lediglich 700 Kilogramm Eicheln. Damit können etwa 70 000 Sämlinge nachgezogen werden, die für die Wieder-Aufforstung von zehn bis fünfzehn Hektar Waldfläche reichten. Etwas Positives hatte die Aktion dennoch: „Wir freuen uns wieder über die Unterstützung von Sammlerinnen aus den aramäischen Gemeinden in Delmenhorst und Ganderkesee“, ergänzt Meier.

Doch ob das Ergebnis reichen wird? Die Landesforsten benötigten enorme Mengen an Eichen-Saatgut, um in den kommenden Jahren ausreichend Sämlinge insbesondere für die Wiederaufforstung der Sturm- und Borkenkäfer-Schadflächen zur Verfügung zu haben: „Es gibt in diesem Jahr augenfällig viele Eicheln an den Bäumen“, erläutert der Hasbruch-Förster weiter. „Diese Bäume sind aber oft Randbäume oder Hofeichen, die von der Sonne verwöhnt wurden, während unsere Eichen im Hochwald deutlich weniger Eicheln tragen.“ Und nur diese Eichen dürften laut Saatgutgesetz beerntet werden. Im Hasbruch gebe es drei anerkannte Saatgutbestände, von denen lediglich in einem Waldstück ausreichend Eicheln für eine ergiebige Handsammlung gefallen waren.

Etwa 90 Tonnen Saatgutbedarf alleine für Eicheln hat eine Umfrage der niedersächsischen Forstsaatgutberatungsstelle in Oerrel (Landkreis Gifhorn) ergeben. Das wären etwa neun Millionen Jungeichen, die in den nächsten Jahren benötigt würden. „Wir gehen aber realistisch von einer Erntemenge von fünfzehn Tonnen aus, die für die Anzucht von 1,5 Millionen Bäumchen reicht“, rechnet Gärtnermeister Ben Buhle, der dort für die Saatguternte zuständig ist, in dem Bericht vor.

Für die Förster der Landesforsten seien die derzeitigen Waldschäden mit den unerwarteten Freiflächen auch eine Chance, schneller mehr Eichenwälder zu schaffen. „Unsere bisherigen Planungen sahen eine Steigerung des Eichenanteils in unseren Wäldern von elf Prozent in 1990 auf künftig 14 Prozent vor, weil bei weitgehend kahlschlagfreier Waldbewirtschaftung nicht genügend Platz zur Pflanzung der sehr lichtbedürftigen Eichenarten entsteht“, so Dr. Hans-Martin Hauskeller, Abteilungsleiter für Wald und Umwelt bei den Landesforsten. „Auf standörtlich geeigneten Schadensflächen nutzen wir jetzt verstärkt die Chance, ökologisch und ökonomisch wertvolle Eichenwälder zu pflanzen. Es wird aber mindestens 100 Jahre dauern, bis diese ihr Potenzial entfalten können“, schätzt er.

Helferinnen im Hasbruch: Diese Sammeltätigkeit ist auch in dem Naturschutzgebiet erlaubt.

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