In Kirchhatten entstehen aus Tausenden Plastikkästen unterirdische Auffangbecken

Ein Speicher für 700 000 Liter Regenwasser

Ein Mann hält eine Retentionsbox aus Plastik in den Händen.
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Reinhard Hövel vom OOWV mit einer Retentionsbox.

Kirchhatten – In den vergangenen Jahren hatte Kirchhatten immer wieder mit Überschwemmungen zu tun: Bei starken Unwettern überflutete der gesammelte Niederschlag ein ums andere Mal Teile des Ortes. Der Ausbau der Hauptstraße in dem Ort hat die Situation weiter befördert. Um die Lage künftig in den Griff zu bekommen, setzt der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) auf ein neues System, das bislang vor allem in der Stadt Oldenburg zum Einsatz gekommen ist – wenngleich auch nicht in dieser Größe:

Das gesammelte Regenwasser wird in ein unterirdisches System aus Retentionsboxen aus Kunststoff geleitet, die mit einem Vlies ummantelt sind. Dort wird das Wasser zwischengespeichert und kann dann in den Unterboden sickern. Das System ist in der Kommune bereits an der Waldschule in Sandkrug zum Einsatz bekommen. Derzeit entsteht im Bereich der Straße „Auf dem Späthen“ (hinter dem Hatter Rathaus) der erste von zwei neuen Speichern. Dieser hat ein Fassungsvermögen von rund 500 Kubikmetern und ersetzt an der Stelle das bisherige Regenrückhaltebecken. Ist dieser unterirdische Speicher fertiggestellt, gehen die Bauarbeiten auf der anderen Straßenseite weiter: Dort, wo sich jetzt der Parkplatz des Hatter Rathauses befindet, wird ein zweites Versickerungssystem installiert, das rund 200 Kubikmeter fassen soll.

Diese Technik System habe mehrere Vorteile, berichtet Bauleiter Nico Dros von der ausführenden Oldenburger Firma August Hotze Bauunternehmen: „Das Wasser muss nicht gesammelt und dann über einen Vorfluter abgeleitet werden“, erläutert der Diplom-Ingenieur. Denn das aufgefangene Wasser versickere quasi an Ort und Stelle. „Wir führen das Wasser in den Unterboden ein“, sagt Dros. In einer Zeit, in der allgemein über sinkende Grundwasserstände diskutiert werde, sei dies ein ökologischer Vorteil – insbesondere bei einer zunehmenden Versiegelung von Flächen. Deswegen sei das Boxen-System bislang insbesondere in der Stadt Oldenburg zum Einsatz gekommen, die regelmäßig mit Überschwemmungen zu kämpfen habe. Dort sei zuvor mit Rückhaltung und Ableitung gearbeitet worden. Doch seien die dort verbauten Retentions-Systeme im Vergleich zu der Hatter Lösung wesentlich kleiner.

Ein Tank aus Tausenden Boxen

Bevor der aufgefangene Regen in die aus rund 3 800 Boxen bestehenden „Tanks“ geleitet wird, durchläuft er einige, mehrere Meter lange Sedimentationsrohre. In diesen kann sich dann mit weggespülter Sand absetzen. Die Rohre können bei Bedarf mit einem Spülwagen gereinigt werden. Von verbundenen Boxen, in die von außen kein Schmutz eindringen kann, wird das Wasser dann kontrolliert in den Untergrund abgegeben, so Dros weiter. Der Boden in Kirchhatten sei dazu bestens geeignet, da dieser aus sehr feinem Sand besteht.

Weitere Vorteile, so Dros: Die Fläche über dem Speicher kann weiterhin genutzt werden. So plane die Gemeinde, oberhalb des großen Systems einen kleinen Park anzulegen – dort, wo sich vorher nur ein Rückhaltebecken befunden habe. Und da dessen Boden mit Muttererde bedeckt gewesen sei, merkt Dros an, sei das Wasser dort deutlich langsamer versickert, als es künftig der Fall sein werde. Nach der Fertigstellung des kleineren Reservoirs werden die Stellflächen hinter dem Verwaltungsgebäude wie zuvor nutzbar sein. Die Kosten, so Dros abschließend, seien natürlich höher als die eines vergleichbaren Rückhaltebeckens. Er rechne aktuell damit, dass beide Speicher bis September fertiggestellt sein werden. „Überflutungen gehören dann der Vergangenheit an“, zeigt er sich zuversichtlich.

Laut OOWV, der für die Wasserentsorgung in der Gemeinde zuständig ist, sei eine Fläche von 41 Hektar des Ortes an das System angeschlossen. Zusätzlich zu den neuen Anlagen wird in dem im Bereich davor ein zusätzlicher, rund 300 Meter langer Regenwasserkanal verlegt. Die Kosten liegen laut dem Verband bei rund 911 000 Euro.  fra

Bauleiter Nico Dros (l.) mit Vorarbeiter Jürgen Meiners an einem der Sedimentationsrohre vor dem bereits verpackten großen Retentionstank. Der Behälter liegt später etwa 2,5 Meter tief unter der Oberfläche.
Der zweite Tank liegt später unter diesem Parkplatz.

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