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„Automatisch die älteste Brauerei der Stadt“

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Von: Gero Franitza

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Ein Mann sitzt auf Bierfässern.
In diesem Gebäude auf dem „Nordwolle“-Gelände will Dominik Bertram bald die dann älteste Brauerei Delmenhorsts einrichten. © Franitza

Delmenhorst/Sandkrug – Da muss Dominik Bertram selber schmunzeln: „Wenn alles klappt, sind wir automatisch die älteste Brauerei Delmenhorsts.“ Das wäre dann zwar nicht falsch – denn eine eigene Brauerei gibt es in der Stadt seit mehr als 100 Jahren nicht mehr –, doch wäre schon mehr als ungewöhnlich: Denn erst vor rund zwei Jahren hat sich der Sandkruger mit seiner Firma „Balzbraeu“ selbstständig gemacht. Jetzt steht er davor, auf 300 Quadratmetern seine eigene Brauerei in der „Nordwolle“ in Delmenhorst einzurichten und dort zu brauen. Jetzt müssen nur noch die Banken mitspielen.

Ein längerer Rückblick ist nötig: Das Bierbrauen hat Bertram aus einer Laune heraus begonnen, erste Versuche liefen vor sechs Jahren noch auf dem heimischen Balkon mit einem Glühweinkocher ab, wie er scherzhaft erzählt. Dann der Schritt, die ersten beiden Sorten („American Hell“ und ein Pilsener) professionell auf den Markt zu bringen. Damit hat der heute 41-Jährige offenbar den Geschmack der Bierfreunde im Nordwesten getroffen. Denn trotz Corona, zeitweilig geschlossenen Kneipen, abgesagten Festivals und großen Publikumsveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten, ist sein Absatz gestiegen. Nicht nur ist sein Bier inzwischen auch bei großen regionalen Supermarktketten gelistet, es ist auch in Oldenburger Kneipen am Hahn, selbst das Oldenburgische Staatstheater kredenzt inzwischen „Balzbraeu“. Aus 1 500 Liter Absatz wurden 10 000 Liter. „Es scheint anzukommen“, sagt Bertram, der das Ganze als „Teilzeit-Hobby“ betreibt und zunächst auch so weiter betreiben will. Hauptberuflich arbeitet er bei der Firma „Premium Aerotec“ in Varel.

Einiges hat sich seit den Anfängen geändert: So gibt es inzwischen zwei weitere Sorten „Balzbraeu“ – ein „Pale Ale“ sowie ein Alkoholfreies. Hatte Bertram am Anfang in einer Brauerei bei Hannover produzieren lassen, ist er inzwischen zur Union-Brauerei Bremen gewechselt, die das Bier nach seinem Rezept herstellt. Die gestiegene Produktion ließ irgendwann eine eigene Brauerei nicht mehr unwahrscheinlich sein. Ein Gebäude hatte er sich dafür auch schon ausgeguckt, blickt Bertram zurück: das alte Feuerwehrgebäude in seinem Heimatort Sandkrug. Doch das war nicht mehr zu bekommen. „Frustriert“, berichtet er, habe er sich Ende des vergangenen Jahres an den ehemaligen Hatter Bürgermeisterkandidaten Bastian Ernst gewendet, der aus Delmenhorst stammt und dort auch im Stadtrat saß. Und der habe den Kontakt zur Delmenhorster Wirtschaftsförderung hergestellt.

Die „Nordwolle“ passte sofort

„Zwischen Weihnachten und Neujahr“ gab es erste Gespräche und bereits im Januar den ersten Termin in Delmenhorst. Bis dahin habe er keinen sonderlichen Bezug zu der Stadt gehabt, berichtet der Sandkruger weiter. Alsbald hatten ihm Wirtschaftsförderer die Halle auf dem Areal der „Nordwolle“ vorgeschlagen – und alles ging recht fix: „Hingefahren, angesehen – perfekt!“, schwärmt Bertram. Die Mischung aus alten Backsteingebäuden und neuer Architektur habe durchaus ihren Charme, auch die Lage sei gut.

Fehlt jetzt noch das Geld: Rund 500 000 Euro wolle er in eine gebrauchte Brauanlage und den nötigen Umbau investieren. Dafür habe er unter anderem einen Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt und sei mit seiner Hausbank im Gespräch. Zusätzlich habe er sich an eine Stiftung gewendet sowie ein „Crowdfunding“-Projekt gestartet. Im April soll die Finanzierung bereits geklärt sein, gibt er einen Ausblick.

Wenn alles klappt, soll Ende des Jahres bereits gebraut werden – zunächst 25 000 Liter im Jahr. Abgefüllt werden soll es weiterhin bei der Union-Brauerei in Bremen. Mit Elko Alfons habe er einen diplomierten Braumeister gefunden, mit dem er dann den „Zwei-Mann-Betrieb“ schmeißen will, so Bertram. Doch das wäre noch nicht alles: Eine kleine Brauerei-Gaststätte nach amerikanischem „Microbrew“-Vorbild soll es in der Halle ebenfalls geben.

Aktuell nutzt die Stadt die Halle noch als Lagerraum, dort war ein Filmstudio eingerichtet, davor eine Tanzschule. Für Letztere wirbt noch eine Leuchtreklame einer großen Brauerei mit Sitz in Soest. „Die muss natürlich weg“, sagt Bertram, nicht ohne Humor. Denn schließlich wäre dort ja dann die älteste Brauerei Delmenhorsts ansässig.

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