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Solarstrom oder Erdbeeren – oder beides?

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Von: Gero Franitza

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eine Gruppe Menschen steht unter einer Versuchsanlage in der Erdbeeren wachsen
FDP-Besuch an der Modellanlage: Unter den Solarmodulen gedeihen die Erdbeeren in hängenden Pflanzkästen. © Franitza

Streekermoor – Es klang zunächst ganz einfach, doch dann wurde die Diskussion recht theoretisch und verzwickt. Gerno Köhrmann betreibt zusammen mit seiner Frau Andrea einen landwirtschaftlichen Hof in Streekermoor (bei Sandkrug, Gemeinde Hatten). Dort produzieren sie Tannenbäume, Spargel und Erdbeeren. Die geernteten Früchte vermarkten Köhrmanns fast ausschließlich in ihrem Hofladen.

Die Erdbeeren, die zurzeit Saison haben, gedeihen in tunnelartigen Röhren. Der Landwirt plant, diese durch sogenannte „Agri-PV“-Anlagen zu ersetzen: Statt das rote Obst in Pflanztunneln zu ziehen, sollen sie in Pflanzkästen wachsen, die unter Solarmodulen hängen. An der Zufahrt zu seinem Hofladen hat er eine Modellanlage aufgebaut. Sein Ziel: Neben der Erdbeerproduktion auf diese Art gleichzeitig rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom jährlich zu erzeugen. Doch bislang ist Köhrmann, der auf den Dächern seines Hofes bereit seit mehr als 15 Jahren Fotovoltaikanlagen installiert hat, mit der Umsetzung seiner Pläne nicht weitergekommen. Ein Antrag dahingehend war im Februar in einem Fachausschuss der Gemeinde Hatten gescheitert.

Gerno Köhrmann (M.) erläutert den Erdbeeranbau.
Gerno Köhrmann (M.) erläutert den Erdbeeranbau. © Franitza

Die FDP aus der Gemeinde und dem Landkreis, zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Christian Dürr aus Ganderkesee und der Landtagkandidatin Lara-Christin Groen aus Harpstedt, haben den Hof auf Einladung des Hatter FDP-Fraktionsvorsitzenden Stephan Möller am Dienstagmorgen besucht und sich die Problematik schildern lassen. Auch Bürgermeister Guido Heinisch hat an dem Termin teilgenommen. Köhrmann ist von seinem Konzept überzeugt: Auch wenn mit einer geringen Ertragseinbuße zu rechnen sei, ließen sich die Erdbeeren schneller und rückenschonender ernten. Zusätzlich werde umweltfreundlicher Strom gewonnen. Und: „Ein Hektar PV-Anlagen ersetzt hundert Hektar Mais“, zog er einen Vergleich zu Biogasanlagen.

Möller, der betonte, dass er die konkreten Pläne des Landwirtes befürworte, erläuterte das Problem: Bisher handele es sich bei Köhrmanns Land um eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. Soll aber Strom produziert werden, müsse der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Areale firmierten dann künftig als Gewerbeflächen. Das werfe für manche Hatter jedoch ein Problem auf: Was geschehe, wenn der Landwirt sein Land verkauft oder an einen Investor abgibt? Dann könnten Dritte die Fläche für ganz anderes Gewerbe nutzen und sogar die Landwirtschaft einstellen, gab er zu bedenken. Diese Vorstellung jedoch löse in der Gemeinde bei manchen Unbehagen aus: nämlich durch das Gefühl, die Kontrolle über die Entwicklung zu verlieren. Und dies vermindere die „gesellschaftliche Akzeptanz“ eines solchen Vorhabens. Der Rat habe keine Einzellösung treffen wollen, ergänzte Bürgermeister Heinisch. Derzeit werde bei der Landwirtschaftskammer ein Konzept erarbeitet, das Aufschluss darüber geben soll, wie in Hatten mit der Thematik umgegangen werden könnte.

Hinweistafel zum Vorhaben am Hof Köhrmann.
Hinweistafel zum Vorhaben am Hof Köhrmann. © Franitza

Dürr zeigte sich überrascht von der Schilderung des wahrgenommenen Problems. Seinem Verständnis nach seien vorhabenbezogene Bebauungspläne ein Mittel, dem zu begegnen. „Agri-PV“-Anlagen, wie Köhrmann sie vorschlägt, seien „kongenial“: Sie wirkten unter anderem einem Flächen-Nutzungskonflikt zwischen Landwirtschaft und Energieerzeugung entgegen.

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