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Millionenhit im „Kinderzimmer“ komponiert

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Von: Gero Franitza

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Ein junger Mann steht in einer Halle.
Niklas Werner, alias „Nikster“, ist mit selbst komponierten Songs erfolgreich. © Werner

Sandhatten – Niklas Werner aus Sandhatten ist 20 Jahre alt und absolviert beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Oldenburg eine Ausbildung zum Bürokaufmann. In seiner Freizeit komponiert er Musik und verbreitet sie vor allem über das Internet-Streaming-Portal „Spotify“. Unter dem Künstlernamen „Nikster“ erreicht er dabei inzwischen Millionen von Zuhörern. Notenlesen könne er übrigens nicht, räumt der junge Musiker im Gespräch mit unserer Zeitung ein.

Doch das hat seinem Erfolg bislang keinen Abbruch getan: Sein mit Abstand populärster Song „Fade Away“ kommt auf rund 1,72 Millionen Aufrufe, gefolgt von „In Your Arms“, der immerhin 995 000 Mal angeklickt worden ist. Niklas ist mit gerade mal sechs Songs – allesamt im „Slap House“-Stil – auf der Online-Plattform vertreten. Doch die Bekanntheit und Verbreitung von „Spotify“ sorgt für eine gigantische Reichweite. Niklas zückt sein Smartphone und kann genaue Zahlen nennen. Die App „Spotify for Artists“ liefert ihm nicht nur täglich Nutzungsstatistiken, sondern auch einen Jahresüberblick. Im Jahr 2021 haben 617 000 verschiedene Nutzer aus 136 Ländern seine Songs angehört, berichtet der gebürtige Wildeshauser. Insgesamt seien dabei 82 000 Stunden zusammengekommen – umgerechnet sind das nicht weniger als 9,3 Jahre. Ganz schön beeindruckend.

Nochmals beeindruckender ist der Erfolg des jungen Künstlers, wenn man bedenkt, dass er sich erst seit drei Jahren mit dem Komponieren beschäftigt. Und das begann eher zufällig: „Ein Kumpel aus der Schule hat mir ein Musikprogramm gezeigt“, erzählt „Nikster“. Das habe sein Interesse geweckt. Seine Eltern schenkten ihm die Software namens „FL Studio“dann zu Weihnachten – und Niklas fuchste sich in das professionelle und höchst komplexe Programm ein. Jeden Tag habe er sich an den Computer gesetzt und drei bis vier Stunden ausprobiert und gebastelt, erzählt er. Parallel dazu habe er auf Youtube Videos von anderen Künstlern gesehen, um von ihnen zu lernen. „Hören und machen“, beschreibt es der 20-Jährige.

300000 Hörer im Monat

Eine Zeit lang habe er völlig die Motivation verloren, gesteht er. Doch dann war irgendwann sein erster Song namens „Call Me Baby“ fertig und schließlich hochgeladen. „Ich war ultra stolz“, erinnert sich „Nikster“. Aus heutiger Sicht sei das Lied allerdings „mega schlecht“, sagt er und lacht. Doch auch wenn seine Songs (die teils in Kollaboration mit anderen Musikern entstehen) heute viel ausgefeilter, ausgereifter und professioneller sind (und auf wesentlich höherer Abrufzahlen kommen) – eines ist geblieben: Das Gefühl, das er hat, wenn seine Lieder gut ankommen: „Glückshormone“, sagt Niklas. Das habe ihn so richtig motiviert und so habe er sich weiter in das Programm und das Musikmachen „reingefräst“. Mit Erfolg: Sein nächster Song wurde bereits am ersten Tag 30 000 Mal angehört. „Man kann das kaum beschreiben“, sagt der 20-Jährige und die Zufriedenheit ist ihm dabei anzusehen. „Das sind Glücksgefühle – als wenn man den Jackpot gewonnen hat.“ Das sei eine Riesenmotivation für ihn gewesen. Dann sei er schließlich auf 300 000 monatliche Hörer gekommen – und das buchstäblich von seinem Kinderzimmer aus, scherzt er.

Noch zu Schulzeiten hätten viele in der Klasse über ihn und sein Hobby gelacht, blickt er kurz zurück. „Ich will nicht sagen, dass ich ein Star bin“, betont er nüchtern. „Aber ich bin auf einem guten Weg.“ Ihm sei gleichwohl klar, dass es viele Menschen gibt, die heute Musik machen und diese im Internet veröffentlichen. Zudem: „Das ist ein hartes Geschäft.“ Deswegen setze er auch auf „Qualität vor Quantität“. So sei er inzwischen bei der dritten Version des Musikprogramms angekommen, mit der er mehr Gestaltungsmöglichkeiten habe. Steht ein Song, teste er den Sound auf unterschiedlichen Geräten aus – Kopfhörern oder kleinen mobilen Lautsprechern, nicht nur auf der Stereoanlage, und passe Klänge gegebenenfalls an – damit sie überall gut rüberkommen.

Ein Platz in den Playlists

Auf „Spotify“ kommt Niklas nicht nur auf stolze Abrufzahlen: Der Streaming-Dienst erstellt verschiedene „Playlists“, quasi nach Kategorien geordnete Vorschläge für Hörer. Und auch dort hat er es mit seinen Werken in Kategorien geschafft, die sonst eher großen, internationalen Interpreten vorbehalten sind. „Und so kam es, dass Musik mein Leben geworden ist“, sagt „Nikster“, der seit 15 Jahren in Sandhatten lebt. Musik sei etwas Besonderes, „sie hilft bei Problemen“, meint er. Persönlich „macht“ er diese nicht nur am Computer: Mindestens eine halbe Stunde lang am Tag spiele er am E-Piano. Auch das habe er sich selbst beigebracht. Während seiner Zeit als Schüler der Waldschule in Sandkrug habe er zudem einige Jahre lang Schlagzeug in einer Schulband gespielt.

Er könne sich schon vorstellen, später einmal beruflich zu komponieren. Kontakte in die Branche hat er sich in den vergangenen Jahren mit seinen Songs schon aufgebaut. Falls möglich, möchte er dann aber im Landkreis Oldenburg wohnen bleiben wollen, auf jeden Fall aber in Niedersachsen. Seine Ausbildung als Bürokaufmann will er unbedingt abschließen. „Man braucht was Festes im Leben“, sagt er überzeugt, „man weiß nie, was kommt.“ Trotz des raschen Erfolges ist der junge Sandhatter auf dem Teppich geblieben. Abgehoben zu sein, anzugeben – das sei nichts für ihn. Und das bringe ja auch gar nichts, sagt „Nikster“.

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