Appell: Mehr Naturschutz an der Grenze

Harte Worte in Richtung Cloppenburg

Die Lethe mit ihrem hohen Nährstoffanteil aus dem Kreis Cloppenburg bereitet Naturschützern Sorge.

Landkreis - (ck) · Es gilt als Kulturdenkmal, als Naturschutzgebiet sowieso. Und als Oase für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

Aber sollte sich am massiven Nährstoff-Zufluss ins Areal der Ahlhorner Fischteiche nichts ändern, „können Sie diesen Bereich in zehn Jahren ökologisch abschreiben“, prophezeite Regionalleiter Hubert Fenske von der „Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte“ gestern den Mitgliedern des Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschusses im Kreishaus. Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, denn immerhin erteilten die Politiker der Verwaltung einstimmig den Auftrag, Maßnahmen zur Problemlösung zu erarbeiten.

Doch die Schwierigkeiten erscheinen gravierend: Das Gebiet der Lethe als Zufluss ins Gebiet der Fischteiche erstreckt sich auch über den Landkreis Cloppenburg  – und der hatte das Anliegen der Biologischen Schutzgemeinschaft (BSH) barsch abgelehnt. In ihrem Antrag baten die Naturschützer darum, dass die Kommunen bestimmte Landschaftsteile im Einzugsgebiet der Oberen Lethe als Naturschutzgebiete ausweisen.

Bei Bernd Lögering, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde vom Landkreis Oldenburg, rennen sie damit offene Türen ein: „Wir meinen, dass es hier zu einer Schutzform kommen muss“, unterstrich der Amtsleiter. „Es tut allerdings weh, dass der Landkreis Cloppenburg dieses Ansinnen schon komplett abgelehnt hat.“

Vor allem über den Ton des Schreibens ereiferten sich die Mandatsträger. Johannes Meestemacher (SPD) zeigte sich „entsetzt über die Schroffheit. Im Brief ist nicht erkennbar, dass sich dort jemand überhaupt mit der Thematik befasst hat.“ Martin Brinkmann (Grüne) urteilte: „Was Cloppenburg schreibt, ist das Allerletzte, eine Peinlichkeit. Ich weiß gar nicht, warum wir uns weiter mit diesem Landkreis zusammen setzen sollten.“

Das dortige Amt für Naturschutz hatte den Cloppenburger Teil des Delmetals als ein Gebiet beurteilt, das „weder für Wissenschaft, Natur- oder Heimatkunde von Bedeutung“ noch einzigartig sei. Die Behörde sehe „keine Veranlassung, dass sich die Kreistagsgremien mit Ihrem Antrag befassen“.

Mit dem Mangel an Vielfalt und Schönheit haben die Cloppenburger sogar Recht – denn auf ihrem Gebiet links und rechts der Lethe stehen nur Mais-Monokulturen. Aber eben die sorgen für den erwiesenermaßen gestiegenen Nährstoff-Schub in den Nachbarkreis und damit direkt in die Teichwirtschaft. Die Folgen: Verschlammung, schwindene Wasserqualität, Artensterben. Fenske und BSH-Kollege Jürgen Oppermann berichteten von rückläufigen Brutvogelpaaren, verschwundenen Wildkräutern und Moosen. „Irgendwann kommt es zur Aberkennung des Status als Naturschutzgebiet“, warnte Fenske.

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