WG für Demenzkranke mit 24-Stunden-Betreuung in Köbbinghausen

Harpstedter verwirklicht ambitioniertes Projekt

Sie wünschen sich, dass viele Interessierte den Informationstag (22. Januar) wahrnehmen werden: Tanja Günzel („Curatus“) sowie Holger Heitmann und Sylvia Helmke.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenHARPSTEDT/KÖBBINGHAUSEN/COLNRADE · Holger Heitmann aus Harpstedt hat seine 90-jährige Großmutter eine Zeit lang selbst gepflegt. „Doch irgendwann ging das nicht mehr“, erzählt seine Schwester Sylvia Helmke aus Wildeshausen. Die betagte Dame leidet unter Altersdemenz. Für sie einen Heimplatz zu suchen, wäre eine Option gewesen. Doch ihr Enkel hat sich für einen weit weniger bequemen Weg entschieden: Er gestaltet ein Bauernhaus in Köbbinghausen so um, dass dort ab Anfang März demente Senioren, darunter seine eigene Oma, in einer Wohngemeinschaft ihren Alltag so selbstbestimmt wie möglich gestalten können.

Die 24-Stunden-Rundumversorgung der Bewohner übernimmt der Pflegedienst „Curatus – Wir pflegen“ aus Colnrade. Geschäftsführerin Tanja Günzel weiß, dass dies durchaus eine Herausforderung bedeutet. „Wir sind nur Gäste in dem Haus. Wir bestimmen dort nicht den Alltag der Menschen, müssen uns aber natürlich bewähren. Sind die Mieter der WG nicht mit unseren Leistungen zufrieden, kann uns gekündigt und ein anderer Dienst beauftragt werden.“ Tagsüber kümmern sich zwei Pflegekräfte um die Senioren. Außerdem stellt „Curatus“ eine Nachtwache.

„Ein bisschen könnte man sich das Zusammenleben vorstellen wie in einer Studenten-WG oder einer Großfamilienwohnung“, sagt Holger Heitmann. Die Senioren werden ihr eigenes Reich haben. Sie richten sich ihre Zimmer und die Gemeinschaftsräume mit eigenen Möbeln ein und teilen sich jeweils zu zweit ein Bad. Die Wohnebenen erstrecken sich über zwei Geschosse. Daher musste Heitmann auch einen Fahrstuhl einbauen. Eine zentrale Küche mit angrenzendem Wohnzimmer steht im Erdgeschoss zur Verfügung. Der Garten misst rund 2 300 Quadratmeter. Bewohner, die selbst ein kleines Gemüsebeet anlegen und pflegen möchten, dürfen diesem Hobby gern nachgehen. Überhaupt sollen sie bei der Gestaltung des Alltags in einem familiären Umfeld bestärkt werden, sich nach ihren Fähigkeiten an den Verrichtungen des täglichen Lebens zu beteiligen – mit der nötigen Unterstützung, versteht sich: Die Rundumversorgung, die „Curatus“ sicherstellt, beinhaltet neben pflegerischen Leistungen auch Alltagshilfen, etwa in Form von Einkäufen oder Arbeiten im Haushalt. Das Bild von Senioren, die nur satt und sauber in der Ecke am Fenster sitzen, stellt in etwa das genaue Gegenteil dessen dar, was Heitmann und seiner Schwester vorschwebt. Bis zu zwölf Bewohnern bietet die WG Platz. Zwei der Zimmer wären auch für Ehepaare geräumig genug. Einen großen Vorteil gegenüber Heimen sieht der Bauherr darin, dass den Pflegekräften angesichts der überschaubaren Zahl der Bewohner genug Zeit verbleibt, sich mit den Senioren zu beschäftigen, sie zu fördern und mit ihnen Erinnerungsarbeit zu leisten. „Der Personalschlüssel ist schon ein besserer als in herkömmlichen stationären Einrichtungen“, weiß Heitmann. Gleichwohl soll die WG für die pflegenden Angehörigen eine erschwingliche Option bleiben. Miete, Nebenkosten, Haushaltsgeld und die Aufwendungen für die Pflege bewegen sich zusammen in etwa auf dem Niveau, was ein Heimplatz kostet. Wichtig ist Heitmann eine echte Interessensvertretung der Bewohner oder ihrer gesetzlichen Vertreter.

Momentan laufen noch die Umbauarbeiten an der Immobilie in Köbbinghausen. Dass am 1. März die ersten Mieter in die WG einziehen, stehe aber fest, versichert der Bauherr. Acht freie Plätze sind noch zu vergeben. Wer Näheres erfahren möchte, kann sich an Holger Heitmann (Tel.: 0151/ 152  032  74) wenden oder sich das Haus in Köbbinghausen, Zum Hohnholz 4, während eines am 22. Januar um 14 Uhr beginnenden Info-Tages selbst anschauen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“
Auto schleudert gegen Baum: 27-jähriger Wildeshauser stirbt bei Unfall

Auto schleudert gegen Baum: 27-jähriger Wildeshauser stirbt bei Unfall

Auto schleudert gegen Baum: 27-jähriger Wildeshauser stirbt bei Unfall
Corona-Inzidenz: Landkreis Oldenburg bei 995,5

Corona-Inzidenz: Landkreis Oldenburg bei 995,5

Corona-Inzidenz: Landkreis Oldenburg bei 995,5
Stadt Wildeshausen hat drei Events für 2022 in Planung

Stadt Wildeshausen hat drei Events für 2022 in Planung

Stadt Wildeshausen hat drei Events für 2022 in Planung

Kommentare