„Gemeinde darf keine Bankgeschäfte machen“

„freiraum“: Kommunaler Kredit wäre wohl unzulässig

Harpstedt/Prinzhöfte - Der in der Gemeinde Prinzhöfte beheimatete Verein für ganzheitliches Lernen bekommt das Harpstedter „freiraum“-Klimaschutzprojekt erheblich vom Bundesumweltministerium bezuschusst.

197.394 Euro aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung, der sich auch aus Einnahmen aus dem Emissionshandel speist, sind bewilligt – bei einem aufzubringenden Eigenanteil in Höhe von „nur“ 12.599 Euro. Der Haken: Die Fördermittel fließen nicht auf einen Schlag. Die Vergütungen für die drei hauptamtlichen Kräfte, die in das Projekt involviert sind, kommen mit Verzögerung. 

Fünf Prozent der Fördersumme werden als Sperrsumme einbehalten und erst nach Ende des zweijährigen Förderzeitraums ausgezahlt. Der Verein für ganzheitliches Lernen muss finanziell in Vorleistung treten, zumal für den Projektladen an der Freistraße in Harpstedt auch Miete anfällt und Sachkosten zu schultern sind; er will aber nicht fortlaufend in die Miesen rutschen. Es bedarf einer Zwischenfinanzierung. Der Verein möchte 25.000 Euro als zinsloses Darlehen von der Gemeinde Prinzhöfte haben. Einem Antrag, der das vorsieht, wird aber wohl nicht stattgegeben werden. Das deutete sich am Dienstag während der Gemeinderatssitzung an.

Erhielte der Verein das zinslose Darlehen, so käme dies einem „Bankgeschäft“ gleich, und die Kommune könnte Ärger mit dem Rechnungsprüfungsamt bekommen. Das zumindest ist der Kenntnistand der Gemeinde nach Rücksprache mit Samtgemeindekämmerer Ingo Fichter. Wenn die Kommune Unterstützung leisten wolle, müsste das in anderer Form geschehen, erläuterte der stellvertretende Bürgermeister Thomas Hacke.

Nichtöffentliche Entscheidung

Entscheiden wird die Gemeinde Prinzhöfte in nichtöffentlicher Sitzung über den Antrag. Bleibt die erhoffte kommunale Unterstützung aus, werde der Projektträger notgedrungen bei einer Bank einen Kredit für die Zwischenfinanzierung aufnehmen, deutete Detlef Kietzmann vom Verein für ganzheitliches Lernen an.

Inhaltlich stieß der „freiraum“ im Rat auf Zustimmung. „Total toll, dass so etwas in Gang gekommen ist“, urteilte Ratsfrau Regina Huntemann. Das in dem Projekt steckende „regionale Denken“ gefiel Bürgermeister Lehmkuhl.

Der „freiraum“ will Impulse für ein klimafreundlicheres Alltagsverhalten der Verbraucher geben. Das Projekt ermuntert dazu, Obst von Bäumen nicht auf dem Kompost verkommen zu lassen, sondern es – mit Einwilligung der jeweiligen Eigentümer – in Gemeinschaftsarbeit zu ernten und gegebenenfalls zu einem Produkt wie „Harpstedter Apfelsaft“ zu verarbeiten. Der „freiraum“ wirbt ebenso dafür, Möbel, Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände durch „Upcycling“ aufzuwerten, um sie weiterhin nutzbar zu machen. Er etabliert ein Stück weit eine Tausch- und Verschenkekultur und unterstützt den Verkauf von Erzeugnissen lokaler Produzenten. Er hat ferner die nutzbringende Umgestaltung privater Gärten in gemeinschaftlicher Arbeit angeschoben – mit dem Anliegen, echten Ertrag aus eigenen „grünen Oasen“ bei möglichst wenig Aufwand zu ziehen.

Hinter allen Initiativen und Aktivitäten steckt das Ziel, der Umwelt klimaschädliche Gase zu ersparen. Der damit verbundene Grundgedanke: Wer Produkte erwirbt, die wirklich aus der direkten Umgebung oder gar eigener Ernte stammen, wer Dingen durch Upcycling, Tausch oder Schenkung einen neuen Gebrauchswert verleiht, trägt zum Klimaschutz bei. Wer indes im Umkehrschluss grenzenlos konsumiert, Produkte aus entlegenen Teilen der Welt kauft oder auch Erzeugnisse erwirbt, die nur dem Anschein nach aus der Region stammen, trägt zu erheblichen Kohlendioxid--Emissionen bei, die nicht zuletzt auch aus langen Transportwegen resultieren. 

boh

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung / Marvin Köhnken

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