Mühle: Weiterer Ärger mit Mängeln / Nienaber: Bretter lösten sich von Flügeln und fielen runter

„Zwangsversteigerung droht nicht mehr“

Diverse Mängel an der Windmühle hat Helmut Nienaber nach eigenem Bekunden schon selbst behoben.
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Diverse Mängel an der Windmühle hat Helmut Nienaber nach eigenem Bekunden schon selbst behoben.

Harpstedt – Heike Asendorf hat Helmut Nienaber, dem Eigentümer der Harpstedter Windmühle und langjährigen Betreiber des „Grünen Warenhauses“, in einer schwierigen Lebensphase geholfen, als ihn Steuerschulden in Kombination mit beträchtlichen Säumniszuschlägen in eine ausgesprochen bedrohliche Lage brachten. Sie habe gute Nachrichten, verrät sie im Gespräch mit unserer Zeitung: Die Gefahr einer Zwangsversteigerung des unter Denkmal-Ensembleschutz stehenden Mühlen-Anwesens sei inzwischen abgewendet – nicht zuletzt auch dank der guten Arbeit des Steuerberatungsbüros Frank Nienaber. Der Müller und Eigentümer sei mit dem Finanzamt im Reinen.

Im Übrigen bestehe natürlich das „Grüne Warenhaus“ bei der Windmühle fort und bleibe weiterhin geöffnet, sagt die Harpstedterin all denen, die etwas anderes gehört haben wollen. Veranstaltungen, die auf dem Grundstück geplant waren, etwa ein ins Auge gefasstes Mühlenfest und eine Ausstellung des Bildhauers Franz Robert Czieslik, seien leider wegen der Coronapandemie vorerst nicht möglich, bedauert Heike Asendorf.

Helmut Nienaber bestätigt ihre Angaben, bleibt dabei aber recht einsilbig. Dass es ihm schwerfällt, über die Probleme zu sprechen, die seine berufliche Existenz bedroht hatten, ist ihm deutlich anzumerken. Weit weniger zurückhaltend kommentiert er hingegen aufgetretene technische Probleme an der Windmühle. Vor zehn Jahren war der Galerie-Holländer für rund 600 000 Euro vom Flecken Harpstedt, auch mit Fördermitteln der Europäischen Union, restauriert worden. Von den Handwerkern, die damals die Maßnahme umsetzten, und denen, die später Reparaturen ausführten, will Nienaber nach eigenem Bekunden niemanden mehr auf seinem Grundstück sehen. Tadellos hat nach seiner Einschätzung „nur der Elektriker“ seinen Job erledigt.

Bremse wieder gängig gemacht

Die Vorwürfe in Richtung Handwerker hat Nienaber schon mehrfach geäußert, auch öffentlich. Die Gemeinde Harpstedt hielt die Kritik für überzogen. Hinter vorgehaltener Hand gab es Stimmen, die wiederum des Müllers Kompetenz im Umgang mit der Mühle infrage stellten. Nienaber bekräftigt indes, er habe sehr wohl Ahnung von Mühlentechnik.

Immer wieder ärgerte er sich über den nicht funktionierenden Antrieb. In das Königsrad seien Kämme aus Robinie eingebaut worden, „die ständig herausbrachen“. Das dafür verwendete Holz sei ungeeignet und die Abstände seien zudem nicht einheitlich gewesen; die „Teilung“ habe nicht gestimmt, so der Müller.

Eine Reparaturfirma montierte vor etwa fünf Jahren neue Kämme aus Weißbuche, die von ihrer Funktion her den gleichen Zweck erfüllen wie die Zähne eines Zahnrades. Sie seien aber „nicht vernünftig eingesetzt“ worden, so Nienaber. Daher habe er die Kämme in Eigenregie erneuern müssen. Probleme mit den Flügelklappen habe er ebenfalls selbst behoben.

An seinem Vorwurf, die Handwerker hätten unfachmännisch gearbeitet, hält Nienaber fest – erst recht seit einem Vorfall, der ihm die Wutröte ins Gesicht trieb und in der Tat zu denken gibt: „Drei der Windbretter an den Flügeln kamen vor einiger Zeit von oben heruntergeflogen. Eins krachte auf den Erdboden, eins auf die Galerie der Mühle und das dritte aufs Gebäudedach. Die Bretter wiegen 70 Kilogramm pro Stück. Sie waren mit Spackschrauben befestigt! Jemand, der so etwas tut, macht sich in meinen Augen strafbar. Zudem ist es unvernünftig, überhaupt derart schwere Windbretter einzubauen. Die kann doch kein Mensch mehr tragen“, kritisiert der Müller. Was, wenn eins der herabgestürzten Bretter einen Menschen getroffen hätte? Nienaber mag sich das gar nicht ausmalen. „Dann ist aber Geburtstag!“, lautet sein sarkastischer Kommentar. Inzwischen habe er sämtliche Windbretter fachmännisch mit Schlossschrauben befestigt.

Zu allem Überfluss versagte auch noch die Bremse der Mühle ihren Dienst. Die Folge: „Vier Wochen lang habe ich an jedem Wochenende zusammen mit Franz Robert Czieslik aus Groß Ippener daran gearbeitet, sie wieder funktionsfähig zu machen. Allein hätte ich das gar nicht hingekriegt. Dafür braucht man einfach einen zweiten Mann. Wir haben zusammen wohl annähernd 200 Stunden investiert. Und das nur, weil Handwerker an der Bremse herumgepfuscht hatten. Das ist doch alles nicht mehr normal“, wettert der Müller.

Wenn es um die Mühle geht, redet er sich im Nu regelrecht in Rage: „Die Galerie hängt acht Zentimeter durch. Ich aber bekam gesagt, das sei statisch völlig korrekt berechnet worden.“

Ein weiteres Ärgernis nach Darstellung des Müllers: „Ständig muss ich rauf auf die Windmühle, um Muttern nachzuziehen. Da sind Edelstahlschrauben verwendet worden. Die Muttern sind zwar selbstsichernd, fallen aber trotzdem nach einiger Zeit wegen der Drehbewegung herunter. Warum? Eben weil sie aus Edelstahl sind. Sie rosten nämlich nicht fest. Mühlenbauer wissen das und nehmen deshalb keine Edelstahlschrauben.“

Von Jürgen Bohlken

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