Shropshire-Schafe auf dem Albertushof

Zutrauliche Zeitgenossen sind gute Zuhörer

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Der Versuch von Silvia Hirneiß, das Shrophire-Schaf Männchen machen zu lassen, ist zwar nicht von Erfolg gekrönt, aber das Tier zeigt keinerlei Meideverhalten – ganz im Gegenteil. Für die Fütterung ist federführend Günter Meyerdierks (rechts) zuständig, der auch die Ställe säubert.

Gross   Ippener - Von Jürgen Bohlken. Günter Meyerdierks, Bewohner des Albertushofes, braucht sich nur mit dem Futternapf zu nähern, und schon eilen Naomi, Lea sowie ihre „Babys“ Louisa und Lotti herbei. Das Wohnheim mit Tagesförderung für erwachsene Menschen mit Behinderungen ist auf das Schaf gekommen – und schlägt dabei die redensartlichen zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die von einem Züchter-Ehepaar aus Sittensen Ende Mai erworbenen Vierbeiner der Rasse Shropshire halten nicht nur die angelegte Nordmanntannenschonung krautfrei. Sie erfüllen auch einen therapeutischen Nutzen, der ausschlaggebend für die Kaufentscheidung gewesen ist. „Die Schafe steigern die Empathiefähigkeit. Zudem strahlen sie Ruhe aus und animieren dadurch etwas verhaltensauffällige Bewohner zur Selbstreflexion“, weiß Mitarbeiterin Freya Colbow, die das therapeutische Konzept zusammen mit ihrer Kollegin Silvia Hirneiß erarbeitet hat. 

Einrichtungsleiterin Susanne Jaekel nennt ein konkretes Beispiel: Sie erwähnt einen Bewohner, der in der Tagesförderung arbeitet und als Folge von Stress mitunter etwas lauter werde. „Wenn ihn aber ein Mitarbeiter fragt, ob er zusammen mit ihm die Schafe besuchen wolle, und ihn darauf hinweist, dass er dabei leise sein müsse, kommt er tatsächlich zur Ruhe.“ Freya Colbow fällt ein gelegentlich etwas antriebsloser Bewohner ein, der sich nun einmal in der Woche um die Tiere kümmert, sie füttert und den Stall sauber macht, was ihm große Genugtuung verschaffe: „Er freut sich jeden Sonnabend darüber, diesen Dienst erledigt zu haben. Das ist für ihn ein Riesenerfolg. Er hat sogar ein Lieblingsschaf.“

Die Shropshires „entkrauten“ auch die angelegte Nordmanntannenschonung.

Richtig zu Herzen geht es Mitarbeitern, wenn sie erleben, wie ansonsten eher verschlossene und verschwiegene Bewohner zu den Schafen reden und ihnen teils regelrecht ihr Herz ausschütten.

Mittlerweile haben alle vier Shropshires die Scheu verloren – einschließlich der im Frühjahr noch in Sittensen zur Welt gekommenen beiden Jungtiere. „Alle fressen uns aus der Hand und lassen sich im Gesicht streicheln“, erzählt Silvia Hirneiß. „Unsere Bewohner sollen künftig mit den Schafen am Halfter spazieren gehen können. Wir streben sogar an, mit den Tieren Krankenbesuche zu machen. Das heißt, sie mit ins Zimmer zu Bettlägerigen zu nehmen“, beschreibt Hirneiß einige „Fernziele“.

Ihre Wolle verlören die Schafe erst 2018 auf dem Albertushof. „Daraus machen wir dann ein richtiges Event“, kündigt die 50-Jährige an. Die Schafe können jederzeit die Stallungen verlasssen und auf der Weide oder in der Tannenbaumschonung nach Belieben grasen. Für frisches Heu und Mineralfutter ist zusätzlich gesorgt.

Der gepflasterte, eingezäunte Bereich, der an den Stall angrenzt, eignet sich hervorragend als Zone der Begegnung zwischen Mensch und Tier. Hier können Bewohner etwa die zutraulichen Schafe füttern, die mittlerweile aus der Hand fressen.

Das Füttern sowie das tägliche Ausmisten und Stallreinigen übernimmt federführend Günter Meyerdierks. Ihm stehen mittlerweile etwa fünf Helfer zur Seite. „Wir finden es wichtig, dass unsere Bewohner draußen in der Natur arbeiten können, wenn sie das möchten“, sagt Susanne Jaekel. „Wir bekommen zum Teil auch Beschäftigte, die nicht hier wohnen. So mancher braucht einfach ein Gelände, auf dem er sich bewegen und wo er mal Tieren zuschauen kann, weil es ihm nicht möglich ist, drei Stunden lang am Stück konzentriert einem Arbeitsauftrag nachzugehen.“

Zwei weitere Schafe aus Aurich werden sich zu den vier Tieren hinzugesellen. „Sie sind im Frühjahr geboren worden. Die Züchterin möchte sie selbst zahm und leinenführig machen, sodass wir sie hier dann gleich zu Therapiezwecken einsetzen können“, erläutert Silvia Hirneiß.

Dass sich die Behinderteneinrichtung für die Rasse Shropshire entschieden hat, kommt nicht von ungefähr: Diese Schafe seien sehr menschenbezogen und zutraulich; obendrein hielten sie das Gras in der Schonung kurz, ohne die Nordmanntannen anzufressen, lässt sich dem „Albertushof Anzeiger“ entnehmen.

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