Zimmer frei in Harpstedt?

Einfamilienhäuser werden in Harpstedt mit Abstand am häufigsten gebaut, wie hier im Baugebiet Am Großen Wege. Foto: backhaus

Wer in Harpstedt allein lebt, hat häufig sehr viel Platz: Sieben von zehn Ein-Personen-Haushalten haben vier oder mehr Zimmer zur Verfügung. Zugleich gibt es im Landkreis Oldenburg nur wenige kleine Wohnungen – ein Problem, das die Samtgemeinde angehen muss, findet die SPD.

Harpstedt – Viele und zunehmend ältere Menschen, die allein mehrere Zimmer bewohnen, wenige Mehrfamilienhäuser oder kleine Wohnungen, die neu gebaut werden: Das ist das statistische Bild, das die Samtgemeinde Harpstedt derzeit beim Thema Wohnraum abgibt. Die Sozialdemokraten wollen daran etwas ändern und haben deshalb einen Antrag zur Diskussion gestellt. Am Montag, 27. Mai, 18 Uhr, wird sich der Schul- und Sozialausschuss der Samtgemeinde Harpstedt mit „Bezahlbarem Wohnraum“ beschäftigen. Tagungsort ist das Foyer der Delmeschule. Das Hauptanliegen der SPD-Fraktion ist die Frage, wie die örtliche Politik steuernd eingreifen könnte, um angemessenen Wohnraum für Ältere, Familien und sozial Schwache zu schaffen.

Gruppe der Älteren wächst stetig

Bereits vor gut zwei Jahren hat der Landkreis Oldenburg ein Wohnraumversorgungskonzept vorgelegt, das die Situation detailliert beschreibt und Lösungsansätze formuliert. In der Samtgemeinde leben überdurchschnittlich viele Menschen, die älter als 64 Jahre sind – und es werden immer mehr. Waren es 2014 noch rund 25 Prozent, wird ihr Anteil laut Prognose bis 2030 auf etwa 36 Prozent wachsen.

Der Großteil der Harpstedter lebt in Einfamilienhäusern. Der Anteil der Zweifamilienhäuser liegt bei 15 Prozent. Nur jedes 20. Gebäude ist ein Mehrfamilienhaus. Das ist für den Landkreis typisch – und hat zur Folge, dass mehr als zwei Drittel der Menschen, die allein leben, vier oder mehr Zimmer bewohnen. In der Samtgemeinde liegt ihr Anteil laut dem Landkreispapier bei rund 70 Prozent. Diese Situation ist in verschiedener Hinsicht schwierig:

  • Es gibt zu wenig kleine Wohnungen, und das wird auch so bleiben. Der mit Abstand am häufigsten neu gebaute Gebäudetyp im Landkreis ist weiterhin das Einfamilienhaus. In der Sitzungsvorlage weist die Samtgemeinde jedoch darauf hin, dass in den aktuellen Bebauungsplänen „auch mehr größere Grundstücke für Mehrfamilienhäuser mit kleineren Wohnungen vorgesehen“ sind.

  •  Auch wenn kleinere Wohnungen verfügbar sind, kann der Anreiz, umzuziehen, gering sein. Während die Bestandsmieten vergleichsweise gering sind, werden bei neuen Verträgen häufig höhere Quadratmeterpreise fällig. „Unter Umständen sind Mieter sogar an eigentlich zu große Wohnungen gebunden, (...) wenn kleine Wohnungen auf dem Neuvermietungsmarkt nur schwer verfügbar sind und im Verhältnis teurer ausfallen“, heißt es im Landkreispapier.

  • Diese Situation ist auch für Empfänger von Sozialleistungen problematisch. Für sie gilt eine Obergrenze bei den Wohnkosten. Aus den im Konzept zitierten Studien ergibt sich, dass nur Wohnungen, die größer als 75 Quadratmeter und damit für Drei-Personen-Haushalte vorgesehen sind, mit den vorgegebenen Kosten angemietet werden können. Außerdem läuft die Bindung vieler Sozialwohnungen aus. Derzeit gibt es in der Samtgemeinde laut Sitzungsvorlage 28 dieser zweckgebundenen Liegenschaften, davon sind 22 für alte Menschen vorgesehen („Altenwohnungen“). Bis 2026 werden jedoch landkreisweit zahlreiche Sozialwohnungen aus der zeitlich begrenzten Bindung herausfallen. Auf den errechneten Bedarf von zehn neuen Sozialwohnungen hat die Samtgemeinde bereits reagiert: Sechs sind fertiggestellt, zehn weitere in Planung, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Zu den Lösungsvorschlägen, die der Landkreis im Wohnraumkonzept für die Samtgemeinde macht, gehört eine deutliche Steigerung der Anzahl kleiner Wohnungen, etwa durch den Umbau großer Liegenschaften. Auch eine „aktive Wohnungsvermittlung für Ältere“ sei eine Möglichkeit. Ein-Personen-Haushalte sollen „attraktive Angebote“ zum Umzug erhalten.

Außerdem sollte der Rückbau oder die Sanierung älterer (und meist günstiger) Wohnungsbestände nicht zeitgleich zum sozialen Wohnungsbau „in großem Umfang erfolgen“. 60 Prozent der Gebäude in der Samtgemeinde wurden laut Zensus-Daten vor 1978 gebaut, sind also mehr als 40 Jahre alt.

Leseraufruf: Wie wohnen Sie?

Uns interessiert, was Sie zum Thema Wohnraum in Harpstedt zu sagen haben. Wir möchten nicht nur die Statistik, sondern auch die Bürger zu Wort kommen lassen. Leben Sie allein in einem Haus, das Ihnen eigentlich zu groß ist? Suchen Sie eine Bleibe mit mehr Zimmern? Oder haben Sie eine Idee, wie man den vorhandenen Wohnraum anders aufteilen könnte?

Rufen Sie uns am Mittwoch zwischen 12 und 15 Uhr an oder schicken Sie uns eine E-Mail. Wir sind unter Telefon 04431/9891153 oder per E-Mail an redaktion.wildeshausen@kreiszeitung.de zu erreichen.

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