Schiedsmann Heinz-Jürgen Greszik

Er zeigt Wege auf, ohne Partei zu ergreifen

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Als Schiedsmann hat Heinz-Jürgen Greszik (l.) 2014 Hartmut Scherner (Mitte) im Amt beerbt, und als Stellvertreter löste Götz Rohde (2.v.l.) Rainer Mohr (nicht im Bild) ab. Unser Archivfoto zeigt die Schlichter mit dem damaligen Direktor des Amtsgerichts Wildeshausen, Detlev Lauhöfer, und Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse (r.).

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Sieben Fälle haben Heinz-Jürgen Greszik im vergangenen Jahr als Schiedsmann beschäftigt. Es ging nicht nur um Nachbarschaftsstreitigkeiten.

„Im Nachbarschaftsrecht ist der Gang zum Schiedsmann obligatorisch, Wer darauf verzichtet, muss nämlich fürchten, dass seine Klage vom Amtsgericht abgewiesen wird. Damit fielen dann alle Ansprüche ins Wasser, die der Betreffende vielleicht durchklagen will“, sagt Heinz-Jürgen Greszik. Seit 2014 schlichtet er ehrenamtlich als Schiedsmann der Samtgemeinde Harpstedt keineswegs nur zwischen Nachbarn, die sich wegen Laubfalls, störenden Lärms oder der Frage, wie oft die Hecke zu schneiden sei, in den Haaren liegen. Auch bei Zoff zwischen Mietern und Vermietern sowie generell zwischen Vertragspartnern ist sein Geschick als Mediator gelegentlich gefragt.

Bei kleinen Körperverletzungen oder geringfügigen Sachbeschädigungen kann der Schiedsmann sogar über ein Sühneverfahren und die Zahlung eines Sühnegelds erreichen, dass der Täter straffrei ausgeht, sofern der Geschädigte im Gegenzug einwilligt, von einer Anzeige abzusehen.

Die 2018 von Greszik bearbeiteten sieben Fälle waren nach eigenem Bekunden „sehr gemischt“. Fünfmal habe er erfolgreich schlichten können. Nur selten sei das in unter zwei Stunden hinzubekommen, mal abgesehen von den „Tür- und Angel-Fällen“, sagt der 70-Jährige aus Dünsen. Oft lägen die Ursachen weit tiefer, als dies der vordergründige Streit erahnen lasse.

Die Kunst der Mediation bestehe darin, eine Annäherung der Parteien zu erreichen, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. „Damit sich die Leute wieder grüßen“, so Greszik. „Ich selbst entscheide gar nichts“, stellt er klar. „Die Parteien tauschen sich in meinem Beisein aus. Ich gebe Hinweise und ermuntere dazu, mal über den einen oder anderen gangbaren Weg nachzudenken.“ Nicht immer klappt das. Aber selbst eine nicht geglückte Schlichtung kann positive Reaktionen nach sich ziehen. „Wir haben uns zwar nicht geeinigt, aber es war gut, dass eine dritte Person dabei war“, hat Greszik beispielsweise mal mit Genugtuung vernommen.

Günstiger als ein Anwalt wird das Einschalten des Schlichters allemal. „Ich habe noch keinen Fall gehabt, bei dem über 100 Euro an Kosten anfielen“, verrät Greszik. Werde keine Einigung erzielt, betrage die zu entrichtende Gebühr 15 Euro. Hinzu kämen die Auslagen des Schlichters für Telefon, Fahrten und dergleichen. Wenn es zu einem Vergleich komme, bewege sich der Satz zwischen 25 und 50 Euro (wiederum zuzüglich Auslagen). Die Kosten könnten sich die Parteien gegebenenfalls teilen. Sogar Rechtsanwälte rieten mitunter durchaus dazu, die Chance der Schlichtung zu nutzen, weiß Greszik. Sei ein Termin festgesetzt, bestehe allerdings die Pflicht, ihn auch wahrzunehmen. Bei Verstößen werde ein Ordnungsgeld von mindestens zehn Euro festgesetzt.

Natürlich gebe es für die Parteien keinerlei Zwang, sich zu vergleichen. Komme keine Einigung zustande, erhalte der Antragsteller eine Erfolglosigkeitsbescheinigung. Die müsse er, wenn er eine Klage anstrengen wolle, beim Amtsgericht vorlegen. Wer einen Vergleich schließe, habe zu bedenken, dass es sich dabei „um eine hochverbindliche Angelegenheit“ mit 30-jähriger Gültigkeit handele.

Im Dezember 2019 läuft Heinz-Jürgen Gresziks Amtszeit aus. Ob der pensionierte Kommunalbeamte für fünf weitere Jahre Schiedsmann bleiben soll, haben zu gegebener Zeit die Mandatsträger der Samtgemeinde Harpstedt zu entscheiden.

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