Besucher des Baustellengottesdienstes erfahren das Geheimnis von Siegertypen

Zauberformel gegen den „inneren Schweinehund“

Auch die Band hatte wieder großen Anteil an der Gestaltung des Gottesdienstes. - Foto: Nosthoff

Harpstedt - Von Anja Nostoff. Der Fluch der bösen Tat – den ein Buch als Ursache für den Nah-Ost-Konflikt sieht – gilt irgendwie auch im Kleinen: „Wer verletzt wird, denkt fast immer zuerst an Rache oder versinkt in Selbstmitleid“, erklärte Pastorin Hannah Rucks am Sonntagvormittag während des Baustellengottesdienstes zum Thema „Siegertypen“ in der Harpstedter Christuskirche. Die eigenen Vorstellungen von der Welt und die innere Stimme, die gemeinhin auch als „Schweinehund“ bezeichnet wird, seien eben nicht immer leicht zu besiegen.

Wie es trotzdem funktionieren kann, und dass man es immer wieder versuchen müsse, illustrierten die Beteiligten in der Kirche anhand von Beispielen. Im spontanen Interview mit Pastor Timo Rucks gab der junge „Kameramann“ René zu, dass er sich vor kurzem mit seinem Bruder ziemlich in der Wolle hatte. So richtig sauer und wütend sei er gewesen – und er habe Zeit gebraucht, bis er die Sache überwunden habe. „Aber hier in der Kirche habe ich gelernt, dass es besser ist, auch im Streit Ruhe zu bewahren und nicht gleich auf 180 zu gehen“, meinte René.

Doch um nicht sofort „in die Luft zu gehen“, muss man in bestimmten Situationen durchaus ein „Siegertyp“ sein. „Wir brauchen diese Zauberformel, die uns hilft, den Hass und die Lieblosigkeit zu überwinden – und wir haben sie auch“, so Hannah Rucks. Warum aber herrschen dann an so vielen Orten dieser Welt Hass und Lieblosigkeit? „Vielleicht möchten wir die Zauberformel auch so manches Mal einfach nicht anwenden, weil es bequemer ist, sich in der Opferrolle zu fühlen oder seine eigenen Interessen rücksichtslos durchzusetzen“, überlegte Rucks. Sie erinnerte sich an einen Pfadfindermarsch vor 15 Jahren in der Schweiz. „Ein Marsch für echte Kerle wurde diese Wanderung genannt.“ 75 Kilometer galt es zu überwinden – und Rucks hatte sich mit einer Freundin angemeldet. Um 14 Uhr ging es damals los – und nach 30 Kilometern begann die Müdigkeit. „Viele Male war ich nah dran, einfach aufzugeben“, berichtete Rucks. Nach 55 Kilometern gegen 3 Uhr morgens, als die Freundinnen sich in einer Verpflegungsstation ausruhten, wurde es besonders schwer, sich wieder aufzuraffen. Doch sie gingen weiter. „Wir waren uns einig, dass wir vor dem Betreuer einfach nicht hätten aufgeben können“, erzählte Rucks.

So sei auch das Bewusstsein der Christen, später vor jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, die Zauberformel, um zum „Siegertypen“ zu werden, sich selbst zu überwinden und den Fluch der bösen Tat zu durchbrechen. „Jesus hat sogar die wohl stärkste innere Stimme überwunden, die man haben kann: die Todesangst“, ergänzte Rucks. „Er ist vor dem Tod nicht geflohen.“

Neben der Band, die gewohnt mitreißend moderne Kirchenlieder spielte und sang, gestalteten auch zwei Streicher den Baustellengottesdienst mit. Die traurige Version des Hits „Conquest of Paradise“ nach der Predigt gab Gelegenheit zum Nachdenken.

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