Die 20 Jahre junge DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt beschäftigt inzwischen auch drei Hauswirtschaftskräfte

Zahl der Patienten hat sich verfünffacht

Leiterin Elke Lükermann (rechts) mit einem kleinen Teil der Belegschaft: Anke Springer, Olga Palnau, Irmgard Allers, die stellvertretende Pflegedienstleiterin, und Christiane Oermann (von links).

Harpstedt - Ganz schön gemausert hat sich die DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt in den nunmehr 20 Jahren ihres Bestehens. Die Zahl der Patienten verfünffachte sich auf 125. Die Belegschaft wuchs von anfangs zehn auf heute 25 Pflegekräfte an, darunter zehn examinierte. Hinzu kommen zwei Verwaltungs- und drei Hauswirtschaftskräfte.

Abermals wird die Gemeindeschwesternstation am 23. und 24. April auf der Messe „Harpstedt Aktiv“ vertreten sein.

Nach wie vor fällt es der Einrichtung nicht leicht, qualifizierte Mitarbeiter für die ambulante Pflege zu gewinnen. „Wir suchen praktisch ständig examinierte Kräfte“, sagt Elke Lükermann. Sie selbst steht für Kontinuität: Die 57-Jährige leitet die im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt beheimatete Gemeindeschwesternstation seit der ersten Stunde. Die Mitwirkung auf der Messe „Harpstedt Aktiv“ vor drei Jahren sei ein Glücksfall gewesen, erinnert sie sich: „Wir haben dadurch gleich zwei examinierte Kräfte gewonnen. Die Betreffenden kamen damals an unseren Stand, um sich zu informieren, und sind dann bei uns angefangen.“ Ob sich so etwas wiederholt, wird sich am 23. und 24. April zeigen. Dann präsentiert sich die Gemeindeschwesternstation abermals auf der „Harpstedt Aktiv“ auf dem Gelände von „Müller Aluminium“ im Gewerbegebiet „Amtsacker“ – gut drei Wochen nach ihrem eigenen „runden Geburtstag“: Am 1. April „nullt“ die Einrichtung zum zweiten Mal. „Wir waren 1996 die Ersten im Landkreis Oldenburg, die unter einem Dach die stationäre und ambulante Pflege kombinierten“, betont die Leiterin.

Ehe die Sozialstation kam, deckten mit Brigitte Grambardt und Gunda Schäfe je eine Gemeindeschwester der Kirche und der Kommune den Bereich der häuslichen Pflege ab. Für Grambardt rückte Christel Behrens nach. Elke Lükermann erwähnt eine Kooperationsvereinbarung mit Kirche und Gemeinde, die es zeitweise gab. Ebenso frühere – erste – Anstrengungen im Roten Kreuz, den Bereich der häuslichen Pflege mit Schwesternhelferinnen unter der Leitung von Helga Höger abzudecken. Dass 1996 „nur“ 25 Patienten durch Kräfte der Schwesternstation gepflegt wurden, weiß Elke Lükermann „hundertprozentig“. Sie habe neulich alte Pläne gefunden, aus denen sich das entnehmen lasse. Der „Fuhrpark“ hat sich von anfangs zwei auf heute zehn Dienstwagen vergrößert. „Früher sind unsere Pflegekräfte lieber mit dem eigenen Auto gefahren. Das hat sich grundlegend geändert. Inzwischen nutzen fast alle lieber Dienstwagen“, verrät Elke Lükermann.

Die Belegschaft der Schwesternstation ist weiblich – mit einer Ausnahme: Peer Laue hält der Einrichtung als einziger männlicher Kollege seit 19 Jahren die Treue. Ob sich die Arbeit in der Pflege verändert habe? „Ja, schon“, erwidert Lükermann auf diese Frage. Der Anteil der demenziell erkrankten Patienten habe, so ihr Eindruck, zugenommen. Auch hätten die Familien vor 20 Jahren „noch vieles aufgefangen“, erzählt die 57-Jährige. „Heute pflegen wir oftmals alleinstehende Menschen, die keine Angehörigen mehr haben und für die das Amtsgericht zum Teil Betreuer bestellen muss.“

Doch auch die Pflegedokumentation sei Veränderungen unterworfen. Ging es lange Zeit primär um Problembeschreibung und Zieldefinition, so rücke nun die Frage, „was der Patient selbst noch kann“, mehr in den Fokus. Das „neue Strukturmodell“ beruhe auf einer „anderen Herangehensweise“ und solle zur Entbürokratisierung beitragen. Elke Lükermann hegt die Hoffnung, dass es die Dokumentation tatsächlich vereinfacht, „damit mehr Zeit für den Patienten verbleibt“. Aktuell – voraussichtlich noch bis zum Sommer – würden die Mitarbeiter der Gemeindeschwesternstation und auch des DRK-Seniorenzentrums seitens der Vita-Akademie (Cloppenburg) geschult, um das Strukturmodell umsetzen zu können. „Diese Fortbildung läuft hier bei uns im Haus“, erläutert Lükermann. Die Vita-Akademie habe die Leitungskräfte des Altenheims und der Sozialstation im Übrigen bereits 52 Stunden lang unter dem Tenor „Gesund führen“ fortgebildet. Themen dabei seien die eigene Rolle als Führungskraft, eine gesunde Feedback- und Streitkultur, Selbst- und Zeitmanagement, die Moderation von Entscheidungsprozessen, das Heranführen der Belegschaft an Veränderungsprozesse, Stressmanagement und das Führen von Mitarbeitergesprächen gewesen. „Die Schulung hat mir viel gebracht“, urteilt Elke Lükermann rückblickend.

Dass es ab 2017 statt bislang drei Pflegestufen insgesamt fünf Pflegegrade geben wird, muss die Patienten und ihre Angehörigen nach ihrer Einschätzung nicht beunruhigen. Dadurch werde niemand schlechter gestellt. Es gebe eine Bestandsschutzregelung für all jene, deren Pflegebedürftigkeit bereits festgestellt und kategorisiert sei.

Inzwischen beschäftigt die Schwesternstation auch drei hauswirtschaftliche Kräfte, die für Patienten als Haushaltshilfen unter anderem Einkäufe erledigen, Fenster putzen oder Staub wischen, um nur einige Beispiele zu nennen. Eine vierte Beschäftigte soll zeitnah hinzukommen. „Sie hat sich schon vorgestellt“, verrät Lükermann.

Hintergrund der Einstellungen ist der seit dem 1. Januar bestehende Anspruch von Pflegebedürftigen auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Betroffene ohne erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz (Pflegestufe I) können bis zu 104 Euro geltend machen. Liegt bei Versicherten mit oder ohne Pflegestufe indes eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz vor, so wird für die Inanspruchnahme der Betreuungs- und Entlastungsleistungen je nach Betreuungsbedarf ein Grundbetrag (bis zu 104 Euro) oder ein erhöhter Betrag (bis zu 208 Euro) monatlich gewährt.

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