Karin Petra Freiling päppelt zwei Rotfüchse auf

Für blinden „Yoda“ will noch eine Lösung gefunden werden

+
Ganz wild auf Wurst ist „Yoda“, der erblindete Fuchs. Am liebsten, so scheint es, würde er Karin Petra Freilings Schöpfkelle gleich mit vertilgen. „Houdini“ (oben rechts) frisst aus der Hand und hat sich in dem Kleingehege einen Lieblingsplatz auserkoren.

Klosterseelte - Von Jürgen Bohlken. Den Tod des Rotfuchses „Gandalf“ im Oktober 2016 als Folge einer Jagd mit Hunden hat Karin Petra Freiling nicht vergessen. Sozusagen vor ihrer Haustür verendete das angeschossene Tier unter unsäglichen Qualen. Freiling selbst hatte Gandalf zuvor aufgepäppelt und dann ausgewildert. Ihre Arbeit für die Wildtieraufzuchtstation Rotenburg setzt sie trotz dieses Vorfalls fort.

Gleich zwei Füchse von dort hat die Klosterseelterin schon im Mai in ihre Obhut genommen. „Yoda“, ein in Anlehnung an den gleichnamigen Jedi-Meister aus der „Star Wars“-Saga benannter Rüde, kam zuerst, die Fähe „Houdini“ 14 Tage später. Das männliche Tier ist blind und wäre nicht in der Lage, sich in freier Natur zu behaupten. Auswildern kommt somit bei ihm nicht in Betracht. „Yoda“ einem Wildpark zu überlassen, kann sich Karin Petra Freiling sehr gut vorstellen – aber nur unter der Voraussetzung, dass dort „lebenslang optimale Lebensbedingungen“ gewährleistet wären. „Option B“, der Bau eines eigenen Geheges mit mindestens 40 Quadratmetern Grundfläche, ließe sich weit schwieriger um- und durchsetzen. Karin Petra Freiling weiß, dass sie mit einem solchen Vorhaben in Teilen der Einwohnerschaft Klosterseeltes anecken und wohl insbesondere die Jägerschaft auf die Palme bringen würde. Auch dürften Zweifel an der artgerechten Wildtierhaltung nicht lange auf sich warten lassen.

„Einzelhaft“ wird die Diplom-Biologin „Yoda“ auf jeden Fall ersparen, betont sie. Will heißen: Wenn das Gehege gebaut würde, müsste nach ihrer Auffassung ein zweiter, im Idealfall ebenfalls körperlich beeinträchtigter Fuchs als Gefährte gefunden werden. Das Gewöhnen aneinander wäre aber „nicht so einfach, wenn die Tiere schon älter sind“, räumt Freiling ein. Was das Beste für den blinden Rüden ist, entscheidet die Biologin, die dem Tierschutzverein „Verbindung zwischen den Arten“ vorsitzt, nicht allein. Sie steht „mit Fuchsexperten im Austausch“. Der Bau eines Geheges wäre „schon ein ziemlicher Aufwand“, gibt sie offen zu – und im Übrigen mit einigen Kosten verbunden. „Sollte es dazu kommen, bräuchten wir möglichst Sponsoren, die uns unterstützen – etwa mit Material für Zäune, mit Steinen und dergleichen.“ An Platz mangelt es auf dem Anwesen in Klosterseelte jedenfalls nicht. „Wir haben zweieinhalb Hektar Land. Dazu gehören Weiden und sogar ein kleiner Wald“, sagt Freiling.

„Houdini“ entkommt einfach überall

„Houdini“ sei in einer Tierklinik behandelt worden, ehe sie nach Klosterseelte kam. Warum sie diesen Namen erhalten habe? „Sie ist anfangs wie ein Entfesselungskünstler überall rausgekommen“, erwidert die Biologin auf diese Frage. Das Kleingehege, in dem die Fähe momentan an der Seite von „Yoda“ lebt, macht indes einen ausbruchssicheren Eindruck. „Houdini“ hat sich dort schon einen Lieblingsplatz auserkoren, an dem sie sich besonders gern sonnt.

Worauf die Erblindung von „Yoda“ zurückgeht, weiß Karin Petra Freiling nicht. Staupe kann sie als Ursache ausschließen. Daran sei der Fuchs nicht erkrankt. Das hätten mehrere Tests zweifelsfrei ergeben. Wie „Yoda“ bekommt auch „Houdini“ inzwischen keine Welpenmilch und keinen Welpenbrei mehr, sondern Frischfleisch, gelegentlich auch Wurst, kombiniert mit Gemüse und Mineralien. Der weitere Weg der Fähe ist abgesteckt: Sie behutsam auszuwildern und stufenweise an das Leben in freier Natur zu gewöhnen, macht aber erst Sinn, wenn sich das Fanggebiss voll entwickelt hat und sie selbst jagen kann. Will heißen: Den Zahnwechsel muss Karin Petra Freiling schon noch abwarten; er dürfte aber nach ihrer Einschätzung in Kürze einsetzen.

Bei „Gandalf“ hatte das Auswildern nicht optimal geklappt. Der Fuchs hatte sich zu lange darauf verlassen können, dass Futter für ihn bereitstand. Daher jagte er kaum selbst.

Tierschützerin Karin Petra Freiling hofft nun natürlich inständig, dass „Houdini“ nach der Auswilderung kein so trauriges Schicksal ereilen wird wie „Gandalf“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Innensenator: Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

Innensenator: Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

Londoner Demonstration gegen Polizeigewalt eskaliert

Londoner Demonstration gegen Polizeigewalt eskaliert

Ein Toter und sechs Verletzte nach Messerattacke in Hamburg

Ein Toter und sechs Verletzte nach Messerattacke in Hamburg

1:0-Erfolg gegen West Ham

1:0-Erfolg gegen West Ham

Meistgelesene Artikel

Landwirtschaftliche Zugmaschinen stoßen in Bühren zusammen

Landwirtschaftliche Zugmaschinen stoßen in Bühren zusammen

„Leuchtturm“ der Wirtschaft steht in Bauerschaft Aldrup

„Leuchtturm“ der Wirtschaft steht in Bauerschaft Aldrup

ALS-Patient auf Abschiedstour: Wenn eine Diagnose alles verändert

ALS-Patient auf Abschiedstour: Wenn eine Diagnose alles verändert

Diebe stehlen Traktor von Firmengelände

Diebe stehlen Traktor von Firmengelände

Kommentare