Wunschbaum in Harpstedt

Schenken im Sinne der Solidarität

Sie geben den zwölften Wunschbaum frei zum „Abernten“: Jugendpfleger Markus Pieper, seine Kollegin Annelen Voß sowie Sabine Karwacik und Susanne Stößer (v.l.) aus der Hörstube in Harpstedt.
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Sie geben den zwölften Wunschbaum frei zum „Abernten“: Jugendpfleger Markus Pieper, seine Kollegin Annelen Voß sowie Sabine Karwacik und Susanne Stößer (v.l.) aus der Hörstube in Harpstedt.

Harpstedt – Ein 14-Jähriger mit Faible für das Heimwerkern hätte gern einen Akkuschrauber. Ein anderer Junge hofft auf eine Zehnerkarte für das Rosenfreibad. Etwas von Lego, ein Magnetbausatz, ausschließlich Süßigkeiten oder auch Naschereien in Kombination mit einem Buch zählen zu den weiteren Wünschen, die – auf Kärtchen notiert – an den Zweigen des mittlerweile zwölften Wunschbaums in der Hörstube an der Burgstraße 39 in Harpstedt hängen.

Das Team um Susanne Stößer und Sabine Karwacik wartet nun darauf, dass die Leute kommen, um die Augen solcher Kinder und Jugendlicher aus der Samtgemeinde leuchten zu lassen, die am Heiligen Abend keinen üppigen Gabentisch erwarten dürfen, weil den Eltern das Geld fehlt.

Zuverlässig wie die Feuerwehr

Ab sofort darf der Wunschbaum „abgeerntet“ werden: Wer sich ein Kärtchen nimmt, um einen Kinderwunsch zu erfüllen, hat bis spätestens 22. Dezember, 8 Uhr, Zeit, das Präsent zu besorgen und es hübsch verpackt in die Hörstube zu bringen. Nur eine halbe Stunde nach der „Deadline“ machen sich Jugendpflegerin Annelen Voß und ihr Kollege Markus Pieper auf den Weg, um die Geschenke zu verteilen. Teils erreichen die Pakete über Kindergärten, die Oberschule (Schulsozialarbeit) oder auch eine Bezugsperson aus der Flüchtlingsinitiative die Adressaten. Voraussichtlich etwa ein Drittel geben die Jugendpfleger direkt an den Haustüren ab – mit einer Zuverlässigkeit, wie man sie sonst von der Feuerwehr kennt.

Wunsch, Vorname und Alter stehen auf jedem Kärtchen

Der Vergleich passt: Pieper nutzt ein ehemaliges Brandschützer-Einsatzfahrzeug für den Transport. Vor Weihnachten 2020 fiel einer Familie, die damals auch von der Wunschbaum-Aktion profitierte, der feuerrote 608er-Mercedes auf offener Straße auf. Pieper hielt an, damit die Geschenkübergabe an Ort und Stelle vollzogen werden konnte. Die Eltern reagieren generell dankbar auf die Präsente aus Solidarität. Manche lassen ihre Kinder im Unklaren über die freundlichen Spender. Ob sie so verfahren oder die Geber benennen, entscheiden sie selbst. Damit bei der Bescherung in der guten Stube keine Tränen fließen, kommt stets jedes Kind einer berücksichtigten Familie in den Genuss eines „Wunschbaum-Präsents“. Auf den Kärtchen an den Zweigen sind auch Vornamen und Alter der zu Beschenkenden vermerkt.

Mitunter will die Suchmaschine bemüht werden

Herauszufinden, was sich hinter einem Wunsch verbirgt, erfordert schon mal eine kleine Recherche via Suchmaschine. Schließlich weiß nicht jeder, dass mit der „Minerva McGonagall“ von „Pop!“ ein Harry-Potter-Merchandising-Artikel gemeint ist. Und das „Tut Tut Baby Flitzer“-Actionspielzeug oder den „L.O.L. Surprise! Glitter Globe“ nicht zu kennen, lässt gewiss nicht auf unverzeihliche Lücken in der Allgemeinbildung schließen.

Wir geben unser Bestes, damit die Geschenke rechtzeitig ankommen.“

Annelen Voß

Die Jugendpflege Harpstedt (JuH) hat die nötigen Connections, auch zur Schulsozialarbeit, um einschätzen zu können, welche Familien bedürftig sind. Nicht wenige davon haben schon wiederholt vom Wunschbaum profitiert. Die Geschenke-Spenden gehen ausschließlich an Minderjährige.

Es kann schon mal eng werden

„Wir geben unser Bestes“, verspricht Annelen Voß, zusammen mit ihrem Kollegen alles zu tun, damit die gestifteten Präsente an Heiligabend auf den Gabentischen liegen. Dass es verdammt eng werden kann, weiß sie aus der Vergangenheit. Sie muss an ein bestelltes Spider-Man-T-Shirt aus Fernost denken, das nicht rechtzeitig anzukommen drohte. Als es dann doch noch zur Bescherung da war, sei die Freude des Beschenkten riesengroß gewesen.

Falls „Schenker“ auf den Onlinehandel zurückgreifen müssen oder wollen, um Wunschbaum-Wünsche zu erfüllen, raten die JuH und die Hörstube dazu, die Bestellung möglichst sofort aufzugeben. Denn Lieferengpässe können gerade im Coronajahr 2021 vorkommen.

Am Mittwochmorgen war der Wunschbaum noch nicht vollständig „bespickt“. Am Ende dürften es um die 60 Wünsche sein, die darauf warten, erfüllt zu werden.

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